Tessiner Angestellte im Streik Stillstand auf dem Lago Maggiore

  • Auf dem Lago Maggiore fahren seit neun Tagen keine Kursschiffe der italienischen Schifffahrtsgesellschaft mehr.
  • Die 34 Tessiner Angestellten sind im Streik, weil allen auf Ende 2017 gekündigt wurde.
  • Eine künftige Zusammenarbeit mit der Schifffahrtsgesellschaft des Luganersees, wie sie der Tessiner Regierungsrat vorschlägt, lehnen sie ab.

Eine Fahrt über den Lago Maggiore – jetzt im Sommer und zur Ferienzeit, das wäre schön. Doch leider steht auf einem Schild im Hafen von Locarno: Sciopero!

Im Schweizer Seebecken des Lago Maggiore fahren seit neun Tagen keine Kursschiffe der italienischen Schifffahrtsgesellschaft mehr. Denn: Die 34 Tessiner Angestellten sind noch immer im Streik. Sie protestieren dagegen, dass die italienische Gesellschaft ihnen per Ende Jahr die Kündigung geschickt hat.

Verständnis für Entlassene

Die Stimmung im Hafen von Locarno ist – um es freundlich auszudrücken – sehr angespannt. Im Hafen von Locarno bedauern Touristen und Einheimische, dass die italienischen Kursschiffe nach Magadino, Ascona oder Brissago seit Tagen nicht auslaufen. Der Streik sei schlecht für den Tessiner Tourismus, sagen sie.

«  Mit einer Konkurrenzfirma zusammenzuarbeiten, die den Langensee nicht kennt, ist keine gute Lösung. »

Andrea Keller
streikender Betriebsleiter

Den Angestellten, die gegen ihre Kündigung protestieren, schlägt hingegen viel Sympathie entgegen. Ihre schrille Kundgebung auf den Strassen Locarnos haben mehrere 100 Personen begleitet. Und ihre Petition für eine Garantie ihres Arbeitsvertrages haben über 2000 Personen unterschrieben.

Andrea Keller, Betriebsleiter bei der Navigazione Lago Maggiore und mit 38 Dienstjahren amtsältester unter den Streikenden, liegt viel daran, dass der Streik in Würde über die Bühne geht. «Eine Woche ziviler Streik zeigt, dass das Personal es verdient, gut behandelt zu werden – von allen.»

Luganer- nicht gleich Langensee

Die Streikenden verlangen die Rücknahme der Kündigungen und die Einhaltung des Kollektivvertrages. Sie möchten nicht 1000 Franken weniger pro Monat nach Hause bringen, wie es ihre Kollegen auf dem Luganersee unter der neuen Schweizer Leitung erleben. Ihnen geht es aber nicht nur um die Löhne.

Es gehe auch darum, wie der Schiffsbetrieb im Schweizer Seeteil ab dem nächsten Jahr organisiert werden soll. An die Adresse des Regierungsrates sagt Keller: «Er müsste bereit zu sein, über die beste Lösung zu diskutieren, und jetzt spreche ich nicht nur für die Angestellten, sondern für den Locarnese-Tourismus.»

Ist Fart der bessere Partner?

Ein Konsortium unter der Leitung der Schifffahrtsgesellschaft des Luganersees, wie es der Tessiner Regierungsrat vorschlägt, lehnen die Streikenden ab. Mit einer Konkurrenzfirma zusammenzuarbeiten, die den Langensee nicht kenne, sei keine gute Lösung, so Keller. Eine bessere liege auf der Hand: Eine Kooperation mit der Tessiner Fart, der «Ferrovie autolinee regionali ticinesi», die die Schifffahrt auf dem Lago Maggiore bereits vor Jahrzehnten schon einmal betrieben habe.

Wie auch immer: Die Streikenden hoffen, dass der Tessiner Regierungsrat eine Streikdelegation zum Gespräch, einem «echten Gespräch», wie Keller betont, einlädt, und sie nicht vor vollendete Tatsachen stellt. Wenn man transparent nach der besten Lösung suche und die Streikenden auch Vorschläge einbringen könnten, dann wäre die Belegschaft bereit, wieder an die Arbeit zu gehen.