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Streit um Töfflärm Ein bisschen röhren muss es – oder nicht?

Mit frisierten Auspuffen malträtieren Töfffahrer unsere Ohren. Mit Lärmblitzkästen liessen sich Übeltäter überführen.

Legende: Audio Töfflärm spaltet die Gemüter abspielen. Laufzeit 02:06 Minuten.
02:06 min, aus HeuteMorgen vom 14.09.2018.

Stellen Sie sich vor: Es ist ein schöner Sommertag. Sie sitzen auf einem idyllischen Pass, geniessen die Ruhe und die Bergluft, und plötzlich braust eine Gruppe Töff-Fahrer vorbei: Das Trommelfell vibriert, der Puls schnellt auf 180 – die Ruhe ist dahin.

In verschiedenen Regionen der Schweiz regt sich Widerstand gegen zu laute Motorräder. Allerdings lässt sich nur wenig machen. Denn leise Töff fahren gehe eigentlich gar nicht, sagt Roger Uhr vom Schweizerischen Motorradfahr-Verband: «Ein Motorrad muss ein bisschen tönen, das gehört zum Feeling.»

Freude und Ärger liegen nahe beieinander

Der Lärm ist also ein Teil der Freude für die Töfffahrer. Für Peter Ettler von der Lärmliga Schweiz dagegen ist er ein Ärgernis: «Viele Motorräder sind mit sogenannten Auspuffklappen ausgerüstet. Wenn die Fahrer sie betätigen, kommt der volle Sound des Motors und ungefiltert raus.»

Zwar sind besonders laute Auspuffe bei neuen Motorrädern seit zwei Jahren verboten. Die Schweiz hat das verschärfte Gesetz von der EU übernommen. Allerdings: Wer bereits einen solchen Auspuff besitzt, darf ihn weiterhin dröhnen lassen. Die Polizei hat also nur einen kleinen gesetzlichen Spielraum.

Wenn nur schon ein kleiner Teil zur Vernunft kommt, haben wir unser Ziel erreicht.
Autor: Hanspeter KrüsiKantonspolizei St. Gallen

Deswegen setzen verschiedene kantonale Polizeien auf Plakate, mit denen die Töfffahrer zu rücksichtsvollem Fahren aufgefordert werden –
zum Beispiel in Interlaken und im Zürcher Oberland, oder entlang der beliebten Töff-Strecke über den Stoss im St. Galler Rheintal. Der St. Galler Polizeisprecher Hanspeter Krüsi sagt: «Wenn nur schon ein kleiner Teil zur Vernunft kommt, haben wir unser Ziel erreicht.»

Prävention statt Repression – das sei der richtige Weg, findet auch Roger Uhr vom Schweizerischen Motorradfahrverband: «Ich erlebe, dass die Motorradfahrer sehr viel Rücksicht nehmen. Man muss einen gutschweizerischen Kompromiss finden.»

Bundesrat begrüsst Lärmblitzkästen

Peter Ettler von der Lärmliga glaubt nicht, dass das viel hilft.
Es seien viele laute Töffs mit frisierten Auspuffen unterwegs. Diese müssten die Kantonspolizeien bei speziellen Lärmkontrollen ausfindig machen, fordert er: mit Radarfallen, die den Lärm mit Mikrofonen messen: «Dann könnte man entsprechende Übeltäter mit solchen festen oder mobilen Stationen sehr einfach überführen.»

Der Bund zeigt sich offen für solche Lärmblitzkästen. In einer Antwort auf eine Parlamentsanfrage schrieb der Bundesrat schon vor zwei Jahren, er würde allfällige kantonale Bemühungen begrüssen. Getan hat sich bis jetzt aber noch nichts.

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114 Kommentare

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  • Kommentar von Franco Caroselli (FrancoCaroselli)
    Der Dichtestress hinterlässt in diesem so grossen Land doch seine Spuren. Nachtbars bis 4:00, Töffs, FA18, Auto en Masse, Heu und Blätterbläser, Lärmevents, natürlich bei voller Arbeits und Dichtebelastung jeden Tag jedes Arbeitnehmenden. Oder täusche ich mich? In letzter Zeit begegne ich viele genervte Mitmenschen die dem wachsenden Druck, Dampf ablassen, sei die Ursache noch so klein. Doch eine Veränderung scheint niemand zu wollen, zu Gut ist der Wohlstand geworden zum Vor oder Nachteil.
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  • Kommentar von Stefano Simeone (SteSi)
    Ich bin von dieser öffentlich subventionierten Hetze gegen Töfffahrer erschüttert. Ersetzten Sie in all diesen Hass-Kommentaren die Töffahrer durch eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, da würde die Zensur wohl zuschlagen. Es werden halt nicht alle Zeitgenossen gleich behandelt.
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    1. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Stesi, Toleranz ist nicht grenzenlos, sie endet da, wo Mitmenschen zu leiden beginnen. Habe gerade eben einen Nachmittag draussen verbracht, Blumensamen meiner Magerwiesen abgenommen und meinen Nachbarn heimlich in ihre Ökoausgleichsflächen gestreut. Flockenblumen, Salbei, Hornklee... dabei könnte man so gut den natürlichen Geräuschen lauschen, Heuschreckengezirpe, Vogelstimmen, Erdkrötengegurre uvam. Habe nichts gehört, weil auch heute wieder Töfffahrer dröhnend stundenlang waldauf u.-abfuhren.
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    2. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Frage an den erschütterten Stefano Simeone: wieso eigentlich fahren Freizeittöffahrer nicht auf vorgesehenen, präparierten Strecken, so wie das Kartfahrer tun? Wenn Sie von A nach B wollen, kann ich das ja noch verstehen, aber die Stille der Natur, wo doch so viele Menschen ihren Ausgleich suchen, mit Töfflärm zuzudröhnen, das begreife ich nicht. Das ist eine absolute Zumutung und eine Zweckentfremdung des Waldes.
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  • Kommentar von Klaus Kreuter (KallePalle)
    Da diskutiert man über den Strassenlärm und goutiert frisierte Auspuffanlagen die einen höllischen Lärm machen und das nur für Leute die glauben dass dies „geil“ sei. Aber es gibt auch genügend Autos die mehr als laut sind. Nicht zu vergessen die Mopeds.
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