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Streit um Weinqualität Kanton bekämpft Bio-Rebberg in den Bergen

Der Kanton Waadt blockiert einen Bio-Rebberg auf 1100 Metern: «Zu hoch», so das Argument. Jetzt kämpft ein Waadtländer Winzer vor Gericht.

Legende: Video Der höchste Weinberg darf nicht wachsen abspielen. Laufzeit 4:06 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 16.10.2017.

Die Rebstöcke sind prall behangen mit weissen und roten Trauben. Auf 1100 Metern über Meer, in Château-d’Oex (VD), hat Winzer Pascal Rittener erfolgreich 400 Quadratmeter Reben angepflanzt. Jetzt will Rittener aus seinem Hobby mehr machen und kommerziell Wein anbauen – dafür die Fläche von 400 auf 4000 Quadratmeter ausdehnen.

«Guter Wein auf dieser Höhe ist unmöglich»

Doch der Kanton Waadt hat die Pläne des Winzers nicht bewilligt. Er lehnte ein Gesuch für die vergrösserte Weinbaufläche ab – aus Qualitätsgründen. Olivier Viret, Verantwortlicher für Weinbau im Kanton Waadt, bestätigt gegenüber «Schweiz aktuell»: «Das Gesetz ist klar: Über 700 Metern darf im Kanton Waadt kein kommerzieller Weinberg stehen. Guten Wein herzustellen, ist auf dieser Höhe unmöglich.»

«Klimawandel hilft uns»

Winzer Pascal Rittener will den Entscheid des Kantons nicht akzeptieren. Er hat in Château-d'Oex eine speziell pilzwiderstandsfähige Rebsorte angebaut. Rittener hat seinen kleinen Weinberg für private Zwecke vor drei Jahren angepflanzt und ist überzeugt, auf 1100 Metern über Meer guten Biowein produzieren zu können.

«Ich verlange keine Subventionen vom Kanton, aber ein bisschen Offenheit für neue Weinsorten. Der Klimawandel hilft uns, es ist sehr wohl möglich, hier oben guten Wein zu produzieren», erklärt Rittener.

Gemeinde befürwortet Bio-Weinberg in Bergen

Der Winzer erhält jetzt Unterstützung von seiner Gemeinde Château-d’Oex. Sie befürwortet, dass der Kanton eine Ausnahme vom strikten Weinbau-Gesetz macht. Sonia Ludi ist Präsidentin des Gemeinderates Château-d’Oex und hat eine klare Haltung zu Wein in den Bergen:

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Legende: Lässt sich auf 1100 Metern über Meer guter Wein herstellen? Unmöglich, sagt der Kanton Waadt. Keystone

«Dank der Klimaerwärmung kann man auf dieser Höhe Wein anbauen und nicht mehr nur Gras für Kühe. Der Weinberg gedeiht trotz Frost im Frühling und Herbst auch dieses Jahr prächtig. Man sollte eine Ausnahme vom Gesetz machen.»

Der Kanton Waadt befürchtet hingegen einen Präzedenzfall, wenn er einen kommerziellen Rebberg auf 1100 Metern über Meer bewilligen würde.

Weinbauverantwortlicher Viret argumentiert, dass «bereits heute der Marktanteil von Schweizer Wein hierzulande nur 30 Prozent beträgt. Es geht bei diesem Fall auch darum, die gute Qualität des Schweizer Weins zu sichern.»

Winzer will vor Bundesgericht

Winzer Rittener will für seinen Bio-Rebberg in den Bergen kämpfen. Er hat den ablehnenden Entscheid vor Kantonsgericht gezogen. «Wenn ich verliere, bin ich bereit, bis vor Bundesgericht zu gehen.»

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5 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Bei jeder Gelegenheit faselt man seitens Behörden und Regierung davon, dass es der freie Markt reichten werden, liberalisiert wie wenn es kein Morgen gäbe. Aber hier, wo ausschliesslich der MArkt über Akzeptanz und Qualität eines Wagnisses entscheidet, will man das nicht zulassen. Wohl zu wenig Gewinnler in Politik und Wirtschaft. Ich nenne das Korruption.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    1. Was bedeutet "Bio-Rebberg" konkret - wirklich ganz ohne "Chemie"?? Für das Ökosystem, wäre alles andere ein Desaster. 2. Frage nach dem Nutzen, der Notwendigkeit bzgl. "Ernährungs-Sicherheit" immer noch höher in die Bergregionen mit Intensiv-LW vorzustossen - auch wenn es angeblich "Bio" ist?? Reben?
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Chemie-freie, nachhaltig öko-logische LW, ist grundsätzlich zu fördern und zu unterstützen (giftfreie "Ernährungssicherheit"). Allerdings muss überlegt werden, welchen Sinn/Nutzen ein Rebberg in dieser Grösse für wen und vor allem für das Ökosystem in den Bergen macht/bringt?? Ernährungstechnisch gesehen, gibt es dafür keinen Grund!
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