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Suchmaschinen-Anzeigen Google macht Druck auf dubiose Ticketbörsen

Legende: Audio Google macht Druck auf lusche Ticketbörsen abspielen. Laufzeit 06:06 Minuten.
06:06 min, aus Espresso vom 28.11.2017.
  • Ticketplattformen wie Viagogo oder Alltickets sind in den vergangenen Jahren immer mehr in Verruf geraten, weil sie Tickets zu massiv überhöhten Preisen verkaufen oder ihren Kunden gar ungültige Tickets liefern.
  • Google ergreift nun Massnahmen gegen diese Plattformen: Sie dürfen ab Januar 2018 nur noch Anzeigen schalten, wenn sie sich an strenge Auflagen halten.
  • Google verlangt unter anderem, dass die Plattformen angeben, wieviel ein Ticket ursprünglich (im offiziellen Vorverkauf) gekostet hat.
  • Schweizer Veranstalter begrüssen den Schritt, sind aber nicht euphorisch. Man müsse nun abwarten, wie Google das umsetze und wie die Plattformen darauf reagierten.

Offenbar ist es Google langsam, aber sicher unangenehm geworden: Der Internetgigant verdient gutes Geld an Ticketplattformen wie Viagogo und Co. Diese bezahlen grosse Beträge, damit ihre Anzeigen bei der Google-Suche jeweils an erster Stelle erscheinen. Gleichzeitig machen die Plattformen je länger je mehr negative Schlagzeilen: Berichte über massiv überteuerte oder gar ungültige Tickets häufen sich.

Google verlangt mehr Transparenz

Nun ändert Google per Januar 2018 seinen Umgang mit solchen Plattformen. Das Unternehmen bestätigt gegenüber Radio SRF den Bericht einer britischen Veranstalter-Plattform. Die sogenannten Adwords-Richtlinien würden angepasst: Dabei geht es um die Anzeigen, welche bei einer Google-Suche jeweils noch vor den eigentlichen Suchresultaten an oberster Stelle stehen. Will eine Ticketplattform auch künftig in diesen Anzeigen erscheinen, muss sie sich an diverse Auflagen halten. Kurz gesagt: Diese Unternehmen müssen künftig transparent geschäften.

Konkret sehen die Massnahmen so aus:

  • Ticketplattformen dürfen nicht mehr den Anschein erwecken, sie seien die offiziellen Anbieter der Tickets. Es muss auf den ersten Blick ersichtlich sein, dass es sich um Wiederverkaufsplattformen handelt.
  • Website-Adressen wie «KünstlerNameTickets.com» dürfen nicht mehr verwendet werden.
  • Die Plattformen müssen darauf hinweisen, dass die Ticketpreise bei ihnen höher sind als im offiziellen Vorverkauf.
  • Der Preisaufschlag muss während des Bestellvorgangs transparent gemacht werden.
  • Ab März 2018 müssen Plattformen den ursprünglichen Preis eines Tickets angeben. Wenn es sich also beispielsweise um Tickets handelt, die ursprünglich bei Ticketcorner gekauft worden waren, muss der Ticketcorner-Preis angegeben werden.

Wenn sich eine Plattform nicht an diese Vorgaben hält, kann das soweit führen, dass Google die Plattform von den Anzeigen ganz ausschliesst. Dies wäre einschneidend: Die Plattformen sind darauf angewiesen, möglichst an erster Stelle zu sein – denn sie wollen Leute ansprechen, die nach bestimmten Tickets suchen und auf das erstbeste Resultat klicken.

Veranstalter und Ticketverkäufer begrüssen den Schritt

Die Branche setzt viel Hoffnung in die Massnahmen von Google. «Für mich ist das eine freudige Nachricht», sagt beispielsweise Johannes Vogel von der Allblues Konzert AG in Winterthur. «Es gibt so viele Leute, die viel zu viel für eine Veranstaltung bezahlen oder die gar mit ungültigen Tickets zu einer unserer Veranstaltungen erscheinen.» Er sei deshalb froh, dass Google das endlich an die Hand nehme.

Auch Thomas Dürr, Geschäftsführer von Act Entertainment ist zufrieden, glaubt aber, «dass man sich nicht zu früh freuen sollte». Man müsse jetzt abwarten, wie Google das umsetze und wie die Ticketplattformen reagierten. Dennoch: «Der Staat hat bis jetzt wenig unternommen, um die Kundeninteressen zu schützen, daher begrüsse ich, dass Google jetzt eigene Schritte ankündigt.» Und Stefan Epli vom Ticketcorner meint: «Für den Endkunden wird es nun fairer: Er sieht nun, was das Tickets ursprünglich gekostet hat und merkt, dass er auf diesen Plattformen über den Tisch gezogen wird.»

Google und Viagogo schweigen

Auf Anfrage will sich Google nicht weiter zu den angepassten Adwords-Richtlinien äussern. Auch eine Begründung liefert Google nicht. Das Unternehmen verweist lediglich auf einen öffentlichen Eintrag auf seinem Kundenportal, Link öffnet in einem neuen Fenster. Es ist davon auszugehen, dass Google staatliche Interventionen verhindern will. Denn nicht nur in der Schweiz beschäftige sich schon mehrfach die Politik mit den Machenschaften der Ticketplattformen.

Viagogo hat auf die Anfrage von Radio SRF nicht reagiert.

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