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Schweiz Therapiekosten für Straftäter explodieren

Immer mehr Straftäter werden zu einer Therapie hinter Gittern verurteilt. Die Therapiekosten sind massiv angestiegen. Von 44 auf über 90 Millionen Franken pro Jahr. Für den obersten Schweizer Polizeidirektor Hans-Jürg Käser ist das eine «gewaltige Summe», wie er im Interview mit «10vor10» sagt.

Der Schweizer Strafvollzug wird immer teurer. Das zeigt ein heute veröffentlichter Bericht des Bundesrats. Er gibt erstmals eine Übersicht, welche Kosten alle Gefängnisse und Strafanstalten in der Schweiz verursachen. Fast eine Milliarde Franken pro Jahr und ein Viertel mehr als vor 5 Jahren.

Legende: Video «Therapiekosten für Straftäter explodieren» abspielen. Laufzeit 3:40 Minuten.
Aus 10vor10 vom 03.07.2013.

«Eine gewaltige Summe»

Vor allem eine Tätergruppe kostet überdurchschnittlich viel: die psychisch kranken Straftäter, die zu einer Therapie hinter Gittern verurteilt wurden. So eine Behandlung kann im Extremfall über eine halbe Million Franken pro Jahr kosten – für einen einzigen Täter.

Die Kosten für diese Therapien haben sich seit 2007 mehr als verdoppelt. Von 44 auf über 90 Millionen Franken pro Jahr. «Das ist eine gewaltige Summe. Ich verstehe wenn das die Bürgerinnen und Bürger schockiert», sagt Hans-Jürg Käser. Die Fallzahlen hätten in den letzten Jahren stark zugenommen, sagt der Präsident der Konferenz der Polizeidirektoren (KKJPD). Zurzeit warten rund 300 verurteilte Straftäter in einem normalen Gefängnis auf einen Therapieplatz in einem Spezialgefängnis oder einer psychiatrischen Klinik.

Rückfälle verhindern dank Therapien

Marc Graf ist Direktor der Forensisch Psychiatrischen Klinik Basel. Für ihn sind diese hohen Kosten gut investiertes Geld: «Wir können dank diesen Therapien Rückfälle und schwere Verbrechen aus der Kategorie der Sexual- und Gewaltstraftaten verhindern.» Er betont, dass die Therapien das Rückfallrisiko deutlich senken können.

«Es geht heute nur noch darum den Täter zu heilen und zu therapieren», kritisiert SVP-Nationalrätin Nathalie Rickli den Trend zu mehr Therapien. Entsprechend seien jetzt auch die Kosten so stark angestiegen. Sie möchte schwere Gewalt- und Sexualstraftäter nicht therapieren, sondern für immer wegsperren. Dazu sagt Marc Graf: «Es geht auch um die Menschenrechte. Jeder von uns könnte psychisch krank werden und dann ein Delikt begehen», so der Klinikdirektor.

srf/meui;engf

38 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Soltermann, Fuqing
    Sehen sie es doch so Frau Rickli: Es waere dumm, die lange Zeit eines Strafvollzuges nicht dazu zu benutzen einem Straftaeter die notwendige "Gehirnwaesche" zu verpassen bevor man ihn entlaesst ... eine Frage der oeffentlichen Sicherheit, sparen koennen wir uns hingegen die unnoetigen Dreckschleudern Gripen.
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Div.Studien ergaben,ca 1/2 der einmal wegen Sexualdelikten verurteilten Straftäter werden wieder straffällig.Bezogen allerdings nur auf die Verurteilten,nicht auf Anzeigen(Vergewaltigungen CH ca.600/Jahr)"Ein großes Dunkelfeld muss hier vermutet werden u.auch in Betracht gezogen werden,dass manche Täter nach der Entlassung hinzugelernt haben,ihre Täterstrategien zu optimieren."Seit langem fern der Heimat,wollen Sie ein solches Verbrechen mit unsrer Landesabwehr abgleichen?Abartig,finde ich
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    2. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Paul Soltermann, Fuqing : Wetten, dass mit diesen 90 Mio hauptsächlich Fachkräfte via PFZ bedient werden. Immerhin ist das ja auch ein "lukrativer Markt" an dem man sich bedienen kann. NB: da fallen "Plagiats-Fachkräfte" weniger auf.
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  • Kommentar von J. Knüchel, St. Gallen
    Auch Frau Ricklis Honorar im Nationalrat sind Steuergerlder.
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    1. Antwort von Miriam Bruggmann, Zürich
      Die SVP war die einzige Partei, die gegen die Lohnerhöhung gestimmt hat! Zuerst überlegen, dann schreiben!
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    2. Antwort von Nemo Tenetur, Bern
      @Miriam Bruggmann, Zürich: Von der SVP hat ja auch keiner eine Lohnerhöhung verdient...
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  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Da scheinen gewisse Leute in dieser Boom-Branche ihre Dienstleistungen zu horrenden Preisen anzubieten. Bisschen ähnlich wie psychiatrische Gutachten bei der IV, 3000.- pro Stück, ca. 3 Stunden Arbeit. Wer hat den politischen Mut und geht die Sache an?
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    1. Antwort von J. Knüchel, St. Gallen
      Herr Bauert. Ein bedingungsloses Grundeinkommen und wir bräuchten massiv weniger teure IV Gutachter mehr. Viele würden sich dann gar nicht mehr bei der IV anmelden müssen oder wollen.
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    2. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      J. Knüchel, St. Gallen : Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens ist nicht neu, schwierig zu realisieren, da man nicht absehen kann wie es die Gesellschaft verändert vielleicht eben leider negativ. Aber theoretisch gesehen, wäre "es" allenfalls heute schon wesentlich billiger als das was wir bezüglich Sozialausgaben heute tun müssen und uns aufgebürdet wird. - Den Grippen können wir uns allenfalls sparen, wir haben ohnehin keine "sinnvolle" Armee mehr.
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