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Schweiz Trendwende in der Schweiz: Junge rauchen wieder mehr

Das Bundesamt für Gesundheit BAG schlägt Alarm: Laut einer neuen Studie rauchen wieder mehr Jugendliche. Diese Trendwende sei «verheerend», sagt das BAG gegenüber der Rundschau.

Legende: Video Junge rauchen wieder mehr abspielen. Laufzeit 7:14 Minuten.
Aus Rundschau vom 11.11.2015.

Die Zahlen der repräsentativen Studie des Bundesamtes für Gesundheit BAG sind klar: Minderjährige rauchen wieder mehr, aber auch die 15- bis 25-Jährigen. Dies berichtet die Rundschau.

Eine neue Auswertung des Suchtmonitorings Schweiz zeigt einen signifikanten Anstieg bei den jungen Rauchern. Daniel Bach vom BAG bestätigt die bisher unveröffentlichten Zahlen: «Die Entwicklung bereitet uns Sorgen. Während langer Zeit gingen die Zahlen zurück. Jetzt beginnen wieder sehr viele junge Menschen zu rauchen, mehr als in den letzten Jahren.»

Eine junge Frau raucht.
Legende: Tabakfirmen zielen mit ihrer Werbung hauptsächlich auf Junge ab. Keystone

Der Anstieg bei den Jugendlichen kommt überraschend. Denn er verläuft entgegen der allgemeinen Entwicklung in der Schweiz. Der Zigarettenkonsum pro Einwohner ist in den letzten zehn Jahren massiv gesunken: Von 2288 auf 1461 Zigaretten im letzten Jahr.

Anstieg «verheerend»

Die Studie zeigt nun einen Anstieg bei den minderjährigen Raucher im Alter von 15 bis 17 Jahre. Der Anteil der Raucher stieg in diesem Alter von 18,7 Prozent im Jahr 2012 auf 20,7 Prozent im Jahr 2014. Ebenfalls stieg der Anteil der Raucher im Alter von 15 bis 25 Jahre, von 30 Prozent im Jahr 2012 auf 31,6 Prozent im letzten Jahr.

Legende:
Anzahl junge Raucher in Prozent Suchtmonitoring Schweiz

Der Anstieg sei «verheerend», so Daniel Bach vom BAG, weil die jungen Raucherinnen und Raucher fast nicht mehr aus der Sucht herauskämen. Und: «Man weiss auch: Wenn sie nicht aufhören zu rauchen, haben sie im Durchschnitt eine 14 Jahre kürzere Lebenserwartung.»

Tabakindustrie wirbt mit Erfolg

Die neuen Zahlen alarmieren auch die Tabakpräventions-Stellen. Michela Canevascini, Leiterin der Tabakprävention des Kantons Waadt, sagt: «Das ist sehr beunruhigend, die Tendenz ging bis anhin in eine andere Richtung.»

Sie führt den Anstieg auf die grossen Marketing-Anstrengungen der Tabakkonzerne zurück: «Angesichts der Mittel, die die Tabakindustrie einsetzt, um Junge zu bewerben, erstaunt mich das überhaupt nicht.» Canevascini hat als erste in der Schweiz Werbung und Marketing der Zigarettenfirmen systematisch untersucht und konnte nachweisen, dass Tabakfirmen hauptsächlich auf Junge abzielen.

Die BAG-Studie zeigt weiter, dass anteilsmässig wieder deutlich mehr junge Männer als junge Frauen rauchen (36,2 Prozent Männer und 26,8 Prozent Frauen im Alter von 15 bis 25). Dieser Unterschied zwischen Männer und Frauen hat sich seit 2012 mehr als verdoppelt. Am meisten junge Raucher leben in der Deutschschweiz (32,3 Prozent), am wenigsten in der italienischsprachigen Schweiz (29,9 Prozent). Die Westschweiz liegt dazwischen mit 30,4 Prozent.

26 Kommentare

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  • Kommentar von Ramon Gfeller (Tachy0n)
    Dass mehr junge Männer als Frauen rauchen liegt wohl auch an der Wehrpflicht. Kenne viele, die erst im Militärdienst damit angefangen haben.
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    1. Antwort von Harald Fries (Harald Fries)
      Stimmt! Und das mehr Männer Frauen erschiessen als umgekehrt, liegt wohl auch an der Wehrpflicht. Kenne viele, die erst im Militärdienst damit [dem Schiessen] angefangen haben.
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  • Kommentar von Thomas Leu (tleu)
    Das ist eine Schweizer Wohlstandserscheinung. Rauchen ist zu billig! In Australien beträgt der Raucheranteil nur noch 15%, bei einem Preis pro Päckli von 20 australischen Dollars (ca. Fr. 15.--). Der Preis ist das einzige was wirkt, da können die Tabakkonzerne noch so viel "Marketing" machen. Wenn es sich die Jugendlichen nicht leisten können, hören sie trotzdem auf zu rauchen. Möglicherweise trinken sie dann, aber das ist ein anderes Thema.
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    1. Antwort von Harald Fries (Harald Fries)
      Australien als Vorbild? Also das Land, das Konsequent sämtliche Flüchtlinge abweist ... N.B. Australien ist eine Insel. Da gibt's keine grüne Grenze, über die - wie in der Schweiz - Zigaretten aus dem Balkan via Italien geschmuggelt werden (und die in der BAG-Statistik fehlen).
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    2. Antwort von Tobias Hofer (Tobias Hofer)
      @Harald Fries: Auch wenn es am eigentlichen Thema vorbei geht, muss ich Sie leider kurz korrigieren. Australien hat erst kürzlich zu seinem so schon vergleichsweise grossen jährlichen Flüchtlingskontingent, angesichts der prelkären Lage ein Zusatzkontingent von 12'000 syrischen Kriegsflüchtlicngen von der UNO übernommen. Australien weist konsequent illegale Einwanderer ab, und hält damit viele weitere davon ab, sich auf die lebensmüde Reise zu begeben.
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  • Kommentar von W. Ineichen (win)
    Die Raucher vergiften nicht nur ihre eigenen Lungen, sondern verstinken auch ihre Umgebung, in die sie ihren Qualm ablassen und gefährden so die Gesundheit der Mitmenschen. Die Zigarette als Sterbehilfe ist für wenige Franken an jedem Kiosk erhältlich. Eine neue Marke heisst “Exit“. Der Tod ist kein schönes Erlebnis.
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    1. Antwort von Harald Fries (Harald Fries)
      Woher wissen Sie, dass der Tod kein schönes Erlebnis ist? Behauptung, oder eigene Erfahrung?
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