Trotz Ablehnung: Mindestlohninitiative stärkt Gewerkschaften

Bei den Lohnverhandlungen vor einem Jahr standen die Arbeitgeber unter Druck: Die Mindestlohninitiative hing wie ein Damokles-Schwert über ihren Köpfen. Und auch wenn die Initiative nicht angenommen wurde, hat sie ihre Spuren hinterlassen, auch in der diesjährigen Lohnrunde.

Leute tragen ein Konstrukt auf dem 4000 Franken steht.

Bildlegende: Die Initiative zum Mindestlohn wurde abgelehnt, trotzdem erhöhen einige Branchen den Lohn. Keystone

Angestellte mit tiefen Löhnen profitierten von der Mindestlohninitiative, auch wenn sie beim Stimmvolk kein Gehör fanden. Die Coiffeurbranche und Detailhändler wie Lidl oder H&M erhöhten den Mindestlohn. Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie nahm Mindestlöhne zum ersten Mal überhaupt in den Gesamtarbeitsvertrag auf.

Profitieren von Mindestlohn-Initiative

Doch auch Ende Jahr noch stärkt die Initiative, obwohl abgelehnt, die Gewerkschaften bei ihren Lohnverhandlungen. Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, weist auf ein, aus seiner Sicht, positives Beispiel hin: «Coop etwa hat verstanden, dass es für Leute mit einer Lehre eine richtige Lohnerhöhung braucht – plus 100 Franken.»

Nullrunde in vielen Branchen

Das entspricht plus 2,6 Prozent für ausgebildete Mitarbeitende. Damit ist Coop vorläufig Spitzenreiterin bei den diesjährigen Lohnerhöhungen. Doch nicht in allen Branchen hallt die Abstimmung über den Mindestlohn nach. Vor allem nicht dort, wo der Mindestlohn über 4000 Franken liegt, wie zum Beispiel in der Baubranche.

Auf dem Bau haben die Lohnverhandlungen in diversen Sektoren zu gar nichts geführt: Schreinerinnen, Zimmermänner, Mitarbeitende des gesamten Bauhauptgewerbes, wie zum Beispiel Maurerinnen, Strassen- oder Geleisebauer: Sie alle gehen leer aus und bekommen keine Lohnerhöhungen.

«Das ist ausgesprochen knausrig»

Für Gewerkschafter Lampart ist das ein Affront: «In der Baubranche läuft es gut. Die Firmen machen Gewinne. Ich verstehe nicht, warum in dieser Situation keine Lohnerhöhungen gewährt werden. Viele Bauarbeiter machen Überstunden. Das ist ausgesprochen knausrig. So geht man nicht mit den Leuten um.»

Der Baumeisterverband sieht allerdings keinen Grund für eine Lohnerhöhung. Denn schliesslich seien die Löhne im Bauhauptgewerbe bereits hoch. Und: «Die Teuerung ist negativ. Wir haben in den letzten sieben, acht Jahren eine Reallohnerhöhung von 6,1 Prozent gehabt. Das sind alles Elemente, die für eine Nullrunde sprechen», sagt der Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbandes, Daniel Lehmann.

Lohnverhandlungen abgebrochen

Weil sich der Baumeisterverband ausserdem mit dem Sozialpartner Unia zerstritten hat, wurden die Lohnverhandlungen dieses Jahr gar abgebrochen. Die vorläufige Bilanz des Lohnherbstes fällt also durchzogen aus. Noch fehlen einige Abschlüsse, aber ein Prozent mehr Lohn dürfte es für die meisten geben. Ein kleines Plus, aber immerhin eines, das ins Portemonnaie geht. Denn die Teuerung liegt bei praktisch null.