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Umstrittene Untervermietungen Keine Regulierung für Airbnb – im Gegenteil

Legende: Audio Möglichst viele Freiräume für Beherbergungsplattformen? abspielen.
2:18 min, aus HeuteMorgen vom 17.10.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zahl der Airbnb-Unterkünfte hat sich in der Schweiz in den letzten zwei Jahren verdoppelt: 80’000 Betten waren im Juni dieses Jahres auf der Buchungsplattform verfügbar – und die Tendenz ist steigend.
  • Die eigene Wohnung via Airbnb unterzuvermieten, soll in der Schweiz auch künftig möglich sein.
  • Untervermietungen könnten künftig sogar noch vereinfacht werden, wie Recherchen von SRF zeigen.

Airbnb verbieten? Kommt nicht infrage, findet der Bund. Im Gegenteil, er will viele Freiräume für solche Beherbergungsplattformen. Das geht aus einem Bericht hervor, der dem Bundesrat in wenigen Wochen vorgelegt wird.

Cipriano Alvarez, Leiter der Rechtsabteilung beim Bundesamt für Wohnungswesen, bestätigt, dass man Airbnb keine Steine in den Weg legen, sondern weiter liberalisieren wolle: «Ja, das ist eigentlich die Stossrichtung», sagt er.

Bei diesen Plattformen, auf denen eine Buchung innerhalb von 24 Stunden erfolgt, ist es schwierig, jedes Gesuch einzeln zu prüfen. Hier ist zu überlegen, ob man die Prozedur vereinfachen soll.
Autor: Cipriano AlvarezLeiter Rechtsabteilung beim Bundesamt für Wohnungswesen

Potenzial sieht er zum Beispiel beim Mietrecht: Wer auf Airbnb eine Wohnung vermieten will, muss aktuell für jede Untervermietung ein einzelnes Gesuch einreichen und die Personalien der Gäste angeben. Der Hausbesitzer prüft diese Angaben dann. Alvarez sagt: «Bei diesen Plattformen, auf denen eine Buchung innerhalb von 24 Stunden erfolgt, ist es schwierig, jedes Gesuch einzeln zu prüfen. Hier ist zu überlegen, ob man die Prozedur vereinfachen soll.»

Denkbar sei, dass es künftig nur eine Pauschalbewilligung brauche – statt aufwändiger Einzelgesuche. Die Untervermietungen könnten also viel einfacher abgewickelt werden.

Der Schweizerische Mieterverband ist kritisch gegenüber dem liberalen Umgang mit Airbnb. Wenn immer mehr Wohnungen per Airbnb vermietet würden, verstärke dies die Wohnungsknappheit in den Städten.

Eine Möglichkeit ist, dass man die Tage beschränkt. Zum Beispiel, dass eine Wohnung oder ein Zimmer nur während 30 Tagen pro Jahr über Airbnb vermietet werden darf.
Autor: Michael TöngiGeneralsekretär Schweizerischer Mieterverband

Gebe es neu Pauschalbewilligungen für die Untervermietung, dann müsse man den Airbnb-Vermietern anderweitig besser auf die Finger schauen, sagt Michael Töngi, Generalsekretär des Schweizerischen Mieterverbands. «Eine Möglichkeit ist, dass man die Tage beschränkt. Zum Beispiel, dass eine Wohnung oder ein Zimmer nur während 30 Tagen pro Jahr über Airbnb vermietet werden darf.»

London oder Amsterdam kennen solche Einschränkungen. Dort darf eine Wohnung maximal 60, beziehungsweise 90 Tage pro Jahr auf Airbnb vermietet werden.

Das Bundesamt für Wohnungswesen winkt jedoch ab. Solche Limiten seien kein Thema, denn es sei kaum zu kontrollieren, wie oft und wie lange eine Wohnung vermietet wird.

Ob der Bundesrat gleicher Meinung ist und die Untervermietung per Airbnb auch vereinfachen will, zeigt sich im November. Er hatte er sich jedoch in einem früheren Bericht bereits positioniert und gesagt, dass er neuen digitalen Dienstleitungen – wie eben Airbnb – möglichst viel Spielraum geben möchte.

Legende: Airbnb-Unterkünfte in der Schweiz. Walliser Tourismus Observatorium
Anteil Betten in der Schweiz
Kantone mit den meisten Airbnb Betten
Vergleich airbnb und hotels in der Schweiz

29 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Die Kaufkraft von 99 Prozent der Bevoelkerung ist durch selektiv superkommunistische Umverteilung von den zu Fleissigen statt zu Reichen immer mehr auf den primitivsten Zwangsbedarf beschraenkt. In Grenznaehe kann noch mit Einkeufen im Ausland das Geld noch etwas verlaengert werden, bevor an dessen Ende immer mehr Monat uebrig bleibt. Die Restbinnenwirtschaft ist bei ausgepluenderten Bauern und Beamten immer mehr auf das Shopping durch Auslaender angewiesen. Die von Seco und Co. angelockt werden
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (sensus communis)
    Sturm im Wasserglas einer fordernden Gesellschaft die bei jeder Gelegenheit ihr Gärtchen in Gefahr sehen.
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  • Kommentar von Ann-Brita Dähler (Ann-Brita Dähler)
    @michi leemann: Und haben Sie sich mal überlegt, wie das für die anderen Mieter bzw. Eigentümer des Hauses aussieht? In unserer Siedlung läuft seit Juli ein nicht mal vom Vermieter bewilligtes Airbnb und wir haben nur Ärger: Da werden die gemeinsamen Besucherparkplätze "gratis" vermietet, der gemeinsame Tröckneraum exzessiv genutzt für Bett- und Frottewäsche, Bewohner dürfen sich von den Gästen mustern und kommentieren lassen und als Krönung wird überall und ungefragt fotografiert - ganz toll!!!
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    1. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Ihre Argumente sind nicht stichhaltig. Wie viel Wäsche man aufhängt, ist Privatssache und gehört nicht beobachtet. Bei der Nutzung von Besucherparkplätzen besteht keine Zeitlimite, Gäste dürfen ruhig einige Tage dort parkieren (wenn frei). Und fotographiert wird überall ungefragt. Dies alles ist nicht Ihre Angelegenheit. Es geht einzig um den Zusammenhang zu den bezahlbaren Mieten und um die korrekte Deklaration von Einkommensverhältnissen.
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    2. Antwort von Michi Leemann (mille)
      Frau Dähler, ja, das habe ich. AirBnB ohne Bewilligung, bzw. Einhaltung aller Vorschriften unterstütze ich natürlich nicht, was doch logisch sein müsste. Das was Sie beschreiben (unklare Verhältnisse, fehlende Einbindung betroffener Parteien etc.) ist auch nicht Sinn von AirBnB. Wenn Sie ein Problem mit Fotos haben, dann wird es aber wohl grundsätzlich schwierig in der Welt für Sie... AirBnB ist gut, weil es helfen kann günstige Wohnungen zu finden. Den Rest hat Frau Fitzi schon ergänzt... LG
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