Zum Inhalt springen

Verdrängungskampf in Städten Zürcher Mieterverband verlangt Regeln für Airbnb

Legende: Audio AirBnB und die Sorgen der Mieterverbände abspielen.
3:21 min, aus Rendez-vous vom 03.10.2017.
  • Airbnb & Co. haben negative Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt in Städten wie Zürich.
  • Folgen können steigende Mieten und Liegenschaftspreise sein; für normale Mieter wird es schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden.
  • Der Zürcher Mieterverband fordert deshalb Regulierungen.

Immer mehr Menschen wohnen in grösseren Städten wie Zürich. Nur wenige Wohnungen stehen frei, die Häuser- und Mietpreise steigen stetig an. Personen mit tieferen Einkommen werden aus den attraktiveren Quartieren verdrängt, weil sie die höheren Mieten nicht mehr bezahlen können.

Negative Effekte von Airbnb

Durch Airbnb werden diese Effekte verstärkt, wie Walter Angst vom Zürcher Mieterverband sagt: «In den Zentren gibt es immer weniger Wohnungen, die den Mietern zur Verfügung stehen.» Ausserdem führe es zu einer «Verödung» von Quartieren, wenn diese nur noch für die touristische Unterbringung genutzt würden. Deshalb fordert der Mieterverband: «Hier müsste der Staat genauer hinschauen.»

Für den Verband ist Airbnb an und für sich kein Problem – so lange Mieter bloss ihren eigenen Wohnraum untervermieten. Problematisch sei aber, wenn das Ganze kommerziell gemacht werde, wenn jemand also zusätzliche Wohnungen mietet, nur damit er diese dann dauernd bei Airbnb anbietet und untervermietet. Deshalb braucht es für den Mieterverband staatliche Regeln, damit die kommerzielle Nutzung in überbeanspruchten Quartieren eingeschränkt werden könnte.

HEV sieht bloss neues Geschäftsmodell

Gelassener auf das Thema reagiert der Schweizerische Hauseigentümerverband (HEV): «Nur weil durch eine Vermittlungsplattform ein neuer Markt entsteht, braucht es nicht umgehend neue Regelungen, die dies einschränken», ist die HEV-Juristin Katja Stieghorst überzeugt.

So lange der Eigentümer die rechtlichen Anforderungen, wie Bau- und Zonenordnungen oder das Leisten von Tourismusabgaben, erfülle, dürfe er Wohnungen auch gewerblich vermieten.

Drastische Einschränkungen in New York

Dass Airbnb für viele Städte auf der Welt immer mehr zum Thema wird, zeigt etwa das Beispiel New York. Dort ist es seit einem Jahr verboten, ganze Wohnungen via Airbnb unterzuvermieten. In anderen Städten wie Barcelona kam es bereits zu verschiedenen Protestkundgebungen gegen Airbnb. So drastisch ist die Situation in der Schweiz bisher nicht. Doch der Mieterverband befürchtet, dass sich das Problem auch bei uns verschärfen wird.

Die Stadtzürcher Politik hat das Thema auf jeden Fall aufgegriffen. Das Stadtparlament hat der Regierung den Auftrag gegeben, genau untersuchen zu lassen, wie viele Zimmer und Wohnungen in Zürich auf Airbnb angeboten werden. In einem halben Jahr sollten genauere Zahlen vorliegen. Dann wird man sehen, welchen Umfang das Problem hat.

Das sagt Airbnb zur Studie

«Home Sharing, also das kurzzeitige Vermieten des eigenen Zuhauses, spiegelt wieder, wie die Schweizerinnen und Schweizer heutzutage leben,
arbeiten und reisen wollen. Es verknappt keinen Wohnraum, sondern führt zu einer effizienteren Nutzung des Wohnraums, in der Zeit, in der die Gastgeber beruflich oder privat unterwegs sind. Die in der Studie dargelegte Schlussfolgerung beruht auf fehlerhaften Daten. Wir teilen regelmässig Daten mit Regierungen und Wissenschaftlern. Wir arbeiten eng zusammen mit Politik, Tourismusorganisationen und Verwaltung, weil wir sie dabei unterstützen wollen, den Tourismus verantwortungsvoll und nachhaltig weiterzuentwickeln.»

Airbnb – Einfach, attraktiv – und problematisch?

Airbnb und ähnliche Internet-Plattformen ermöglichen es jeder und jedem, ein Zimmer oder eine Wohnung schnell und einfach für Kurzaufenthalte weiterzuvermieten. Dabei können sich rechtliche Probleme stellen: So muss der Haus- oder Wohnungsbesitzer fürs Weitervermieten seine Zustimmung geben – diese wird allerdings nicht immer eingeholt. Ausserdem entgehen dem Staat unter Umständen Steuereinnahmen. Und: Durch Airbnb & Co. verstärkt sich – wie die Studie aus Zürich zeigt – das Problem, dass Wohnungen, weil sie kommerziell auf Airbnb angeboten werden, für normale Mieter knapper werden und die Mietpreise tendenziell steigen. Nicht zuletzt gerät durch die Internet-Zimmerbörsen auch die traditionelle Hotellerie unter Druck. (snep)

Studie des Inura-Instituts

Studie des Inura-Instituts

Der Mieterverband stützt sich bei seiner Forderung auf eine Studie des Inura-Instituts Zürich. Dieses schlägt regulatorische Massnahmen vor, wie die Beschränkung auf die Untervermietung auf den Hauptwohnsitz oder die Definition einer maximalen Zahl an Unterkünften, die ein Untervermieter auf Airbnb & Co. anbieten darf.

26 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
    Eigentlich ist das AirBnB laut Gesetz verboten oder es ist an der Grenze der Legalität, denn ein Wohnung ist nicht für ei n Gewerbe da, sonst muss man eine Amtliche Wohnung haben. Eine Wohnung ist zum Wohnen da und nicht zum Urlaub machen für Externe! Gerade die Überschreitung dieser Grenze schafft in der Schweiz nur Probleme und ist enorm Wirtschaftsschädigend!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Man mussdringen das Mietrecht ändern. Es kann ja nicht sein, dass die Mieter dem Eigentümer eine lange Nase machen und gegen dessen Willen aus eine Mietswohnung ein Hotel machen. Keine Untervermietung, welche den Hausfrieden stört und dem Mietobjekt einen anderen Zweck verleiht, als der Eigentümer ihn will.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Niklaus Bächler (sensus communis)
      Studieren sie das Mietrecht.Es braucht keine Änderung, es wäre grundsätzlich geregelt. kein Mieter ist berechtigt ohne Bewilligung des Vermieters Untermieter zu beherbergen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Eigentlich müssen Mieter für eine Untervermietung die Einwilligung ihres Vermieter einholen. Aber bei diesem Modell umgeht man das eben, weil eine Meldepflicht für Untervermietung erst ab 1 bis 3 Wochen besteht. Je nach Vertrag manchmal aber auch nur ein paar Tage. Vorher kann man sie als Gäste ausgeben. Eigentlich wird da ganz ordentlich beschissen. Wieder so ein Übel, welches wir aus Amerika importieren.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Die Wohnungs- und KMU-Geschaeftslokalmiete wird immer mehr zum neofeudalen Leibeigenschaftsknebelvertrag. In Nochrechtssaaten hat der Meter die Miete zu blechen und die Sache unfallfrei zurueckzugeben. Dass ein KMU dem Vermieter bis zu einem Drittel der Bruttoeinnahmen abliefern muss, und ein Privater kein Gewinn aus der Untervermietung bei kurzen Abwesenheiten ziehen darf, ist abwegig. Wenn die Vertragsmieter nachtlaermen, ist das dem Vermieter in der ruhigen Villa wurscht, obwohl er auch da du
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Letizia Stefani (Stefani)
    Wenn bei einer erlaubten Weitervermietung einer Wohnung die Miete gleich hoch ist wie bei einer permanenten Vermietung, dann finde ich das ok.Wenn jedoch eine Mietwohnung bei permanenter Vermietung CHF 2'400 pro Monat kostet, durch Vermietung auf Zeit über Airbnb jedoch knapp CHF 6'000, dann ist das Wucher. Vielleicht könnte man es auch unter ungerechtfertigte Bereicherung einordnen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Niklaus Bächler (sensus communis)
      Weshalb ist das Wucher? Wenn es Leute gibt, welche bereit sind so einen Preis zu zahlen?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Letizia Stefani (Stefani)
      @NB: Annahme: Sie haben eine Wohnung, die Sie für CHF 2'400/Mt. an eine Person vermietet haben. Ihr Mieter vermietet diese Wohnung weiter auf Zeit für CHF 6'000/Mt. Durchschnittlich sind etwa 3 - 6 Personen pro Monat in der Wohnung. Klatschen Sie da in die Hände und sagen: super, ich habe einen genialen Mieter, er holt aus meinem Eigentum einen super Gewinn für sich raus? Eine einzelne Person würde diese überhöhte Miete sicher nicht auf Dauer bezahlen. Falsche Wohnungsmarktentwicklung.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Niklaus Bächler (sensus communis)
      Sie blenden wesentliche Faktoren aus.Ein Mieter kann & darf seine Wohnung nicht ohne Zustimmung des Vermieters untervermieten. Zum zweiten ist dies ein hochgeschaukeltes Randproblem.In der CH sind von Airbnb nur gerade einmal 0.4 % aller Wohnungen «belegt» und betreffen hauptsächlich Genf, Zürich & Basel.In Thalwil dürfte Airbnb sicherlich kein Problem darstellen.Im übrigen kann bei ihrem Bsp. die Wohnung nicht ganzjährig vermietet werde und, der Vermeiter überlässt die Mietsache idR.unmöbliert!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Letizia Stefani (Stefani)
      @NB: Wie ich in meinem ersten Satz schreibe, habe ich nichts gegen eine genehmigte Untervermietung zu einem fairen Preis. Gemäss einer Statistik der Stadt Zürich sind dieses Jahr in der Sommersaison die Logiernächte bei nicht klassifizierten Betrieben um 40% gegenüber der gleichen Zeit im Vorjahr gestiegen. Bei den Vierstern-Hotels waren es 0% (provisorische Zahlen). Keine gute Entwicklung für die Hotels und ihre Angestellten. Deshalb braucht es 'Spielregeln', wie es sie auch im Fussball gibt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen