Vernetzung ist das Zauberwort Kluge Informationstechnologie soll Metropolen sauberer machen

Das Wichtigste in Kürze

  • Immer mehr Menschen leben weltweit in Städten. Die anonymen Ungetüme verbrauchen zwei Drittel der Energie eines Landes und stossen 80 Prozent der Treibhausgase aus.
  • Stadtentwickler aus aller Welt treffen sich ab heute an der «Smart City World Expo» in Barcelona, um über neue Technologien und die optimale Vernetzung nachzudenken.
  • Die Grossstadt Wien, aber auch Zürich haben sich vorgenommen, mit modernen Informationstechnologien den Weg zu «Smart City» zu beschreiten. Doch das braucht Zeit.

Fast drei Millionen Menschen leben in Wien und in nächster Nähe der österreichischen Hauptstadt. Bereits seit einigen Jahren ist die Metropole daran, eine so genannte «Smart City» zu werden. Immer mehr Menschen bedeuteten mehr Infrastruktur und mehr Energiebedarf, erklärt die Informationschefin der Stadt, Ulrike Huemer, gestern am Europaforum in Luzern.

«  Wien geht die Probleme gesamtheitlich an, indem alle Themenbereiche miteinander vernetzt werden. »

Ulrike Huemer
Informationschefin der Stadt Wien

«Diese Herausforderung soll in Kombination mit klugen Technologien gemeistert werden», sagt Huemer. Wien gehe dabei die Probleme gesamtheitlich an, indem alle Themenbereiche miteinander vernetzt würden.

Hier geht es gemäss Huemer zum einen darum, die Lebensqualität von Wien stabil zu halten beziehungsweise zu verbessern. Zugleich müssten mit besserer Energieeffizienz und CO2-Reduktion die Ressourcen geschont und Antworten auf den Klimawandel gefunden werden. Aber es brauche auch Anstrengungen in Forschung, Entwicklung und Innovation.

Verkehr – Energie – Information

In allen Bereichen versuche man dies mit dem Einsatz moderner Informationstechnologien. Begonnen beim automatisierten Verkehrsleitsystem, das die Fahrten der Menschen durch die Stadt so optimiere, dass sie mittelfristig ganz aufs Auto verzichten.

Über eine intelligente Elektrizitätsversorgung, die tausende kleiner Solarkraftwerke auf den Stadtdächern verbindet sowie den Einwohnern und der Wirtschaft durch gezielte Information beim Stromsparen hilft.

«  Zürich will den Bürgern ein Login geben, mit dem sie alle ihre städtischen Bedürfnisse abdecken können. »

Benno Seiler
Wirtschaftsförderung der Stadt Zürich

Man muss sich also nicht mehr an 100 Orten einwählen. Sondern es gibt nur noch einen Zugang zur Stadt, wo alles geregelt werden kann, wie Benno Seiler von der Zürcher Wirtschaftsförderung ausführt. Seiler ist daran, mit anderen Behördenstellen ein Smart-City-Konzept zu entwickeln. Mit einem Login sollen künftig alle städtischen Bedürfnisse abgedeckt werden.

Die Stadt Zürich arbeitet zurzeit an einer optimalen Vernetzung von Behörden und Einwohnern.

Bildlegende: Die Stadt Zürich arbeitet zurzeit an einer optimalen Vernetzung von Behörden und Einwohnern. Keystone/Archiv

Für ihn geht Vernetzung aber weit über Computersysteme hinaus: Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Dienststellen innerhalb der Stadt, aber auch die bessere Vernetzung nach aussen mit der Wirtschaft und er Bevölkerung.

Bedürfnisse abklären

Die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung, der Wirtschaft und den Bildungseinrichtungen sei überhaupt das Wichtigste bei so einem Grossprojekt, betont die Wienerin Huemer.

Ihre Stadt mache gerade mit älteren Menschen spannende Erfahrungen, die man zum Beispiel ein automatisiertes Alarmsystem bei Unfällen in der Wohnung ausprobieren lasse: «Wir machen das mit Pilotwohnungen, wo wir im Dialog sind. Durch diese Gespräche wollen wir erkennen, welche Bedürfnisse sie darüber hinaus haben. Aber auch um zu vermitteln, dass wir Lösungen für sie und nicht über ihren Kopf hinweg anbieten wollen.»

Nicht von heute auf morgen

Überhaupt sei es am klügsten, den Wandel über viele kleine Pilotprojekte herbeizuführen. Eine historisch gewachsene Stadt könne man nicht in ein paar Monaten in eine Smart City umwandeln, betont Huemer. Wien gibt sich bis ins Jahr 2050 Zeit dafür.