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Visionäres Fernwärme-Projekt Der See als Klimaanlage

Legende: Video Heizen mit Seewasser abspielen. Laufzeit 2:28 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 16.03.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Stadt Zug arbeitet an einer neuartigen Anlage: Gespeicherte Wärmeenergie aus dem Zugersee soll im Winter für warme und im Sommer für gekühlte sorgen.
  • Mittlerweile läuft die letzte Bauphase des Millionenprojekts.
  • Noch aber fehlen die Abnehmer.
Blick in einen Rohrleitungsschacht.
Legende: SRF

Das Mega-Bauprojekt ist von aussen kaum ersichtlich: Lediglich einzelne Bauschächte in der Stadt lassen erahnen, was im Untergrund tief unter der Stadt gerade entsteht.

Es sind kleine Tunnels von insgesamt rund drei Kilometern Länge, welche bis zu 10 Meter unter den Strassen Zugs in den Boden gefräst werden. Zum einen sollen diese neuen Leitungen sauberes Regenwasser in den Zugersee ableiten – denn heute wird noch ein beträchtlicher Teil davon zusammen mit dem Abwasser aus den Haushalten in die Kläranlagen geleitet. Spektakulärer ist aber der zweite Nutzen des Bauprojekts.

Erneuerbare Energie aus dem Zugersee

Das Schweizer Pionierprojekt nennt sich «Circulago». Dabei wird 400 Meter vom Zugerseeufer entfernt in 26 Metern Tiefe Seewasser gefasst und über eine unterirdische Leitung zu einer Seewasserzentrale transportiert. Die Energie des Seewassers wird mittels Wärmeaustausch in einen separaten Zwischenkreislauf übergeben.

So können im Winter Teile der Stadt durch Fernwärme geheizt werden – und im Sommer gekühlt. Im Herbst 2019 sollen die ersten Gebäude mit Wärme aus dem Zugersee geheizt werden. Würden dereinst alle Zuger mit dieser Technologie heizen, könnten jährlich rund 80 Prozent des CO2-Ausstosses durch Heizen vermieden werden, so die Zuger Wasserwerke.

Der geplante Kreislauf in 10 Meter Tiefe unter der Stadt Zug.
Legende: Der geplante Kreislauf unter der Stadt Zug. SRF

Teuer und noch keine Kunden

Alleine das Fernwärme-Projekt lassen sich die Wasserwerke Zug rund 100 Millionen Franken kosten. Die Bauarbeiten laufen mittlerweile wieder nach Plan, die Bohrungen der letzten 800 Meter werden gerade in Angriff genommen, nachdem die Arbeiten Ende letzten Jahres wegen einer Kollision des Bohrkopfs mit Hausankern zu Verzögerungen geführt hat.

Etwas Wichtiges fehlt dem Projekt aber noch zum Erfolg: Bislang haben die Zuger Wasserwerke lediglich Absichtsunterzeichnungen von potenziellen Kunden erhalten. Verbindliche Verträge zum Bezug von Fernwärme aus dem Zugersee sind aber noch keine abgeschlossen worden.

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