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Legende: Video Analyse zum Wahlbarometer mit Urs Leuthard und Michael Hermann abspielen. Laufzeit 09:15 Minuten.
Aus News-Clip vom 05.09.2019.
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Ab an die Wahl-Urne! Nicht-Wähler haben keine Stimme

Nicht einmal jeder oder jede zweite Wahlberechtige geht in der Schweiz wählen. Das ist, sagen wir es einmal vorsichtig, suboptimal für ein Land, das sich gerne als Vorzeige-Demokratie versteht. Vor allem diejenigen, die gerne eine andere Politik hätten als bisher – grüner und linker oder bürgerlicher und konservativer – die sollten eigentlich umso mehr daran interessiert sein, ihren Wahlzettel abzugeben.

Das zeigen exemplarisch die Umfragewerte zum neuen Wahlbarometer. Demnach hängen die Parteienstärken ganz entscheidend davon ab, wie viele bisherige Nicht-Wähler und Neu-Wähler für eine Partei stimmen. Oder wie viele Wähler, die vorher für eine Partei gestimmt haben, nicht mehr wählen gehen.

Enttäuschte Wähler bleiben zu Hause

Der in der Umfrage erhobene Erfolg der Grünen zum Beispiel, ein Plus von 3.4 Prozentpunkten gegenüber den Wahlen von 2015, ist nur zu einem kleinen Teil Überläufern von anderen Parteien zu verdanken, in erster Linie aber den vielen Neu-Wählern und bisherigen Nicht-Wählern, die dieses Mal den Grünen ihre Stimme geben wollen.

Das umgekehrte Problem hat die SVP: Ihre gemäss Wahlbarometer zu erwartenden Verluste von fast 3 Prozentpunkten entstehen nicht, weil plötzlich viele SVP-Wähler eine andere Partei wählen wollen. Sondern weil viele SVP-Wähler – offensichtlich enttäuscht – nun der Urne fernbleiben wollen. Auch bei den anderen Parteien, ob Umfragen-Gewinner oder Verlierer, spielen die Nicht-Wähler eine bedeutende Rolle.

Demokratie ohne Partizipation funktioniert nicht

Gerne wird das Argument angeführt, dass es doch auf die einzelne Stimme nicht ankomme. Viele sehr knappe Abstimmungen in den letzten Jahren haben aber gezeigt, dass ein paar wenige Stimmen durchaus den Unterschied machen können. Und auch die Wahlen 2015, mit der am Schluss resultierenden hauchdünnen rechtsbürgerlichen Mehrheit von einem Sitz für SVP und FDP, sollten den Wahl-Abstinenten die Augen geöffnet haben. Egal, ob sie sich eine Fortführung dieser Mehrheit oder einen Linksrutsch wünschen.

Eine andere Politik fordern, aber nicht an den Wahlen teilnehmen, und dann allenfalls auch noch über die da oben in Bern motzen, ist schlechter Stil. Und kurzsichtig. Wenn mehr Bürgerinnen und Bürger an den Wahlen teilnehmen, dann bedeutet das auch, dass sich mehr Leute durch das Parlament repräsentiert fühlen. Und könnte vielleicht auch dazu führen, dass die Schweiz erstmals seit 1975 wieder mehr als 50 Prozent Wahlbeteiligung hätte.

Urs Leuthard

Urs Leuthard

Moderator Wahl- und Abstimmungssendungen, SRF

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Seit 2002 analysiert Urs Leuthard die Wahlen und Abstimmungen bei SRF. Mehrere Jahre moderierte er die Diskussionssendung «Arena» und war Redaktionsleiter der «Tagesschau». Als Projektleiter ist Urs Leuthard seit 2016 für die Newsroom-Entwicklung bei SRF zuständig.

(Sendebezug: SRF 4 News, 17:00 Uhr)

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24 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip  (W. Pip)
    Suboptimal? Das ist der Idealzustand aus dem Blickwinkel der politischen und wirtschaftlichen Elite. Man hat die demokratische Zermürbung durch "über den Tisch ziehen" oder "Nichtumsetzen" bei Abtimmungsvorlagen der letzten 25 Jahre systematisch auf diesen Level heruntergedrückt, um jetzt für Vorlagen leichtes spiel zu haben. Plan aufgegangen, gratuliere. Und keiner hat's gemerkt, weil sie sich alle einlabern lassen. Tschultigung für das harte Verdikt.
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  • Kommentar von Daniele Schranz  (CWL Media Group)
    Wahlen bringen Nichts weil Politiker/innen sich selbst oder Ihrem Wohltäter dienen und abstimmen bringt genauso wenig weil Politiker/innen des öfteren mal kein Bock haben das umzusetzen. Was in diesem Artikel suggeriert wird ist in meinen Augen hinterhältige Stimmungsmache um Nicht Wählern/Absitmmern das Gefühl zu geben, Sie wären so was wie "Spiel Kaputtmacher" dadurch das Sie eben nicht mitspielen. Es wäre angebracht über das "Spiel" an sich nachzudenken, statt Gedankenlos mit zu spielen.
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  • Kommentar von Urs Petermann  (Rhf)
    Nicht-Wähler haben keine Stimme und manchen Wählerinnen und Wählern kommt es in der folgenden Legislaturperiode vor, als hätten sie auch als Wähler*innen keine Stimme...
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