Was sich die Schweizer für ihr Land wünschen

Die Zukunft der Schweiz – vermutlich das häufigste Thema der Ansprachen zum Nationalfeiertag. Geht es nach zehntausenden Schweizern soll sich das Land wenig verändern. Das zeigt eine SRG-Umfrage von 2013. Die EU-Mitgliedschaft ist unrealistisch und der Finanzplatz Schweiz soll erhalten bleiben.

Online-Umfrage: Die Schweiz in 30 Jahren

Wenn es nach den Wünschen und Einschätzungen der Schweizerinnen und Schweizern geht, soll sich das Land in 30 Jahren kaum verändern – jedenfalls nicht in einigen politischen Schwerpunktthemen.

So soll nach Auffassung von über 27‘000 Teilnehmern einer Online-Umfrage der SRG SSR von 2013 die Schweiz auch in 30 Jahren nicht Mitglied der Europäischen Union sein und weiterhin als weltweit führender Finanzplatz gelten. Eine deutliche Mehrheit wünscht sich auch in der Zukunft das Milizsystem in der Armee und in der Politik.

EU-Mitgliedschaft undenkbar

Fast drei Viertel der Umfrageteilnehmer sehen die Schweiz auch in 30 Jahren nicht als Mitgliedstaat der Europäischen Union. Frauen wie Männer sind sich darüber zu mehr als 73 Prozent einig. Auf dem Land liegt die Einschätzung über die Nicht-Mitgliedschaft gar bei 80,1 Prozent. In Agglomerationen sind es fast drei Viertel (73,5 %) und auch zwei Drittel der Umfrageteilnehmer, die in der Stadt wohnen, sehen das Land nicht in der EU.

Die Ablehnung einer EU-Mitgliedschaft in ferner Zukunft wird am stärksten von Schweizern vertreten, deren Muttersprache Italienisch ist. Nur wenig darunter (73 %) liegt die Einschätzung der Schweizer, die deutscher oder rätoromanischer Muttersprache sind. Der niedrigste Wert mit 70,3 Prozent wird von den französischen Muttersprachlern vertreten.

Das gleiche Bild zeigt sich bei den Kantonen. Die Kantone Thurgau, Zug und Schaffhausen sehen mit Werten über 85 Prozent keine zukünftige EU-Mitgliedschaft. Am anderen Ende der Skala rangiert der Kanton Jura mit noch 56,8 Prozent, aber auch dort sieht sich weniger als die Hälfte der Einwohner in der EU.

Bei den Altersgruppen ist die Einschätzung vollständig linear: Je jünger, desto deutlicher Nein. Für 84,8 Prozent der Jugendlichen bis 17 Jahre soll die Schweiz nicht Mitglied der EU sein. Bei den 35- bis 44-Jährigen liegt der Nein-Anteil bei drei Viertel und bei älteren Personen über 65 Jahre noch bei 62,5 Prozent.

Atomkraftwerke – Nein, danke

Auf die Frage, ob die Schweiz in 30 Jahren noch neue Atomkraftwerke haben soll, sagten 86,3 Prozent der Teilnehmer der Online-Umfrage Nein. Die Frauen sind mit 12 Prozentpunkten dezidierter dagegen als Männer (80,4 Prozent).

Nach Altersgruppen rangiert zeigt sich auf hohem Niveau ein linearer Trend: Je jünger, desto stärker Nein zu neuen Atomkraftwerken. Bei Jugendlichen bis 17 Jahre beträgt der Anteil 89 Prozent. Wer zwischen 18 und 64 Jahre alt ist, sagt mit 86 Prozent Nein – mit minimalen Abweichungen. Bei den über 65-Jährigen beträgt der Nein-Anteil noch 83 Prozent.

Wer Deutsch spricht (85,3 %), vertritt dabei den relativ «geringsten» Nein-Anteil zu neuen AKW. Bei den französisch- und italienischsprachigen Schweizern sind es 90 Prozent. Zu 92,3 Prozent äussert sich ablehnend, wer ein rätoromanisches Idiom spricht.

Bankenplatz Schweiz – wie bisher

Seit 2008 hat sich die weltweite Banken- und Verschuldungskrise auch auf die Schweizer Grossbanken ausgewirkt. Trotz der tiefgreifenden Veränderungen im internationalen Bankensektor hoffen über 79,8 Prozent der 27‘700 Teilnehmer der Online-Umfrage, dass die Schweiz auch in 30 Jahren ein weltweit führender Finanzplatz sein soll. Die Männer (81,4 %) trauen dem Finanzsektor stärker als die Frauen (78,3 %).

Der hohe Vertrauensbeweis ergibt sich aus der starken zustimmenden Einschätzung durch die jüngere Generation. Während Jugendliche bis 17 Jahre den Finanzplatz auch noch in Zukunft als weltweit führend sehen, nimmt diese Bewertung mit zunehmendem Alter ab. Die über 65-Jährigen sehen das nur noch zu 70,3 Prozent.

Die hohe Zustimmung (85,9 Prozent) ist bei den Italienisch Sprechenden am deutlichsten, es folgen die Französischsprachigen (81,4 Prozent). Bei den deutschen (79,4 Prozent) und rätoromanischen (72 Prozent) Muttersprachlern ist die Einschätzung gedämpfter.

Armee und Politik weiterhin als Milizsystem

Eine Berufsarmee in der Schweiz in 30 Jahren? 62,9 Prozent der Umfrageteilnehmer winken ab, Männer wie Frauen gleichermassen. Das Milizsystem als Schweizer Tradition, wonach öffentliche Aufgaben mehrheitlich nebenberuflich ausgeübt werden, scheint auch in der Zukunft unbestritten.

Das gleiche Bild zeigt sich auch beim politischen Milizsystem. 76,8 Prozent der Befragten glauben, dass die «Ochsentour» der Hauptweg bleibt, auf dem sich ein Bürger politische Ämter erarbeiten muss. Männer sehen das sogar mit 81,2 Prozent, Frauen noch mit 72,2 Prozent. Bei den über 55-Jährigen ist der Zustimmungswert für zukünftige freiwillige Politikmitarbeit bei über 80 Prozent; bei Jugendlichen bis 17 Jahre liegt er noch bei 70,9 Prozent.

Bei der Milizarmee bestätigt sich diese Aussage, wenn auch auf tieferem Niveau. Die Altersgruppe über 65 Jahre wünscht sich in 30 Jahren mit über 72 Prozent keine Berufsarmee. Der Wert nimmt laufend ab, bei den 35- bis 44-Jährigen sind noch fast 60 Prozent dafür. Interessant aber, dass bei den beiden wehrpflichtigen Altersgruppen (18-24 und 25-34 Jahre) der Ja-Anteil für eine mögliche zukünftige Berufsarmee um rund fünf Prozentpunkte steigt – möglicherweise die Wunschvorstellung, diese Milizleistung in Zukunft nicht mehr selber erbringen zu müssen?

Keyvisual der Sendereihe «Die Schweizer»

Die Daten stammen aus der Online-Umfrage «Wie klickt die Schweiz?». Sie wurde für den SRG-SSR-Themenmonat «Die Schweizer» im November 2013 in Zusammenarbeit mit Smartvote durchgeführt. 27‘793 Schweizer/innen äusserten sich dabei auch zu Fragen rund um die Zukunft der Schweiz.

Methodik der Datenaufbereitung

Methodik der Datenaufbereitung

Die Datenbasis stammt aus der SRG-Online-Umfrage «Wie klickt die Schweiz?». Lesen Sie hier mehr zur Methodik.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Burkhalter spricht über Zukunft der Schweiz mit Europa

    Aus Tagesschau vom 31.7.2014

    Bundesrat Didier Burkhalter äussert sich im Gespräch zum 1. August zum weiteren Vorgehen nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative. Zentrale Frage ist jene nach dem Verhältnis der Schweiz zu Europa nach der Absage aus Brüssel, dass die Personenfreizügigkeit nicht verhandelbar sei.