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Schweiz Weniger Bildung – mehr Kinder?

Acht von zehn Schweizer Frauen wünschen sich mindestens ein Kind. Und je tiefer der Bildungsstand, desto eher geht der Wunsch in Erfüllung. Dies zeigt eine grossangelegte Studie des Bundes.

Eine Mutter beim Essen mit ihren beiden Kleinkindern
Legende: Trautes Familienglück: Ein verbreiteter Wunsch, der mit unterschiedlichem Erfolg umgesetzt wird. Keystone

Bei den Kinderwünschen unterscheiden sich Mann und Frau kaum: Die Zwei-Kind-Familie ist für die Mehrheit das Ideal. Ob der Wunsch auch real wird, hängt laut Bundesamt für Statisik stark von der Ausbildung der Frau ab. Hat sie einen Hochschulabschluss, verzichtet sie oft auf ein Kind. Ein Drittel der Akademikerinnen bleibt kinderlos.

Ein Kind – so die Mehrheit – sei nicht zwingend für das persönliche Glück. Wichtiges Argument kinderlos zu bleiben ist die Kinderbetreuung. Denn die meiste Arbeit übernimmt die Mutter, auch wenn sie eine Teilzeitstelle hat.

Akzeptanz der Kinderbetreuung wächst

Bei der Einstellung zu berufstätigen Müttern zeige sich ein Wandel, sagt George-Simon Ulrich, Direktor vom Bundesamt für Statistik. Für die Mehrheit der Befragten nimmt das kleine Kind keinen Schaden, wenn seine Mutter arbeitet: «Hier sieht man insbesondere, dass es mittlerweile eher akzeptiert ist, kinderbetreuende Angebote in Anspruch zu nehmen.»

Zwar gebe es nach wie vor eine «etwas konservative Haltung», insbesondere bei Deutschschweizer Männern: «In den letzten 20 Jahren sieht man aber einen Meinungswandel», so der oberste Bundesstatistiker. Vor zwanzig Jahren hielt es die Mehrheit der Männer für schädlich für das Kind, wenn die Mutter arbeitet. Heute sind es noch 40 Prozent bei den Männern und 30 bei den Frauen.

Dabei wird die Kinderbetreuung rege in Anspruch genommen; in fast sieben von zehn Haushalten. Oft schauen die Grosseltern kostenlos zu den Kleinen, während die Eltern arbeiten. Nur ein kleiner Teil der Haushalte greift ausschliesslich auf bezahlte Betreuungsformen zurück: Kinderkrippe, Tagesschule oder Tagesfamilien.
Die Frage der Betreuung bleibt das ganze Leben wichtig.

Solidarität als Generationenfrage

Eine grosse Mehrheit findet weiterhin, dass sich die Generationen gegenseitig finanziell unterstützen sollten. Wenn es aber darum geht, dass erwachsene Kinder ihren betagten Eltern helfen, schwindet die Solidarität, wie die Leiterin der Studie, Andrea Mosimann, ausführt: «Die Erwartung, dass Kinder ihre Eltern bei sich aufnehmen sollen, nimmt mit zunehmendem Alter ab.» Dies sei insofern erstaunlich, als gerade die älteren Menschen auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen wären.

Der «Erhebung Familien und Generationen» mit Daten aus 2013 sollen nun weitere folgen. Denn das Bundesamt für Statistik hat festgestellt, dass es kaum Daten zum Thema gibt. Um diese Lücke zu schliessen, werden die Einstellungen zu Familie und den Generationen nun alle fünf Jahre erhoben. So will das Bundesamt Grundlagen für die Familien- und Generationenpolitik liefern.

Hohe Solidarität im Tessin

Am tiefsten ist die Zustimmung zu den Aussagen, dass Eltern ihre erwachsenen Kinder und erwachsene Kinder ihre Eltern bei finanziellen Schwierigkeiten unterstützen sollten, in der Deutschschweiz (57 bzw. 54 Prozent). In der italienischen Schweiz dagegen betragen die entsprechenden Werte 72 und 78 Prozent (Westschweiz 63 bzw. 61).

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47 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    H-Knecht, 25.3./22:39 "1.gemäss BFS müssten Akademierinnen mehr verdienen als Handwerker" Handwerksberufe sind durch Akademisierung der Gesellschaft u.praktischer Berufe zur abgewerteten Rarität geworden.Das bewirkte Lohnanstieg.Leider aber auch umgekehrt,nurdas hält auf Dauer nicht stand.Nach doppelt-3facher Ausbildungszeit dürfen Löhne nicht derart nach unten angeglichen werden.Ihr 2.Punkt:1.Ausbildungsdauer viel länger,2.zu wenig Männer,die die 50/50 Arbeitsteilung mitmachen wollen od.können.
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  • Kommentar von heidi gisi, basel
    Es werden niemals alle Frauen denselben Bildungsstand erreichen können. Dazu fehlt es oft nicht an der Intelligenz, sondern am nötigen sozialen Hintergrund und Geld. Wer sagt denn, dass solche Frauen nicht aber, über sehr viel Herzensbildung verfügen können? Und ihre Kinder zu empathischen, lernfähigen und sozialen Menschen zu erziehen, imstande sind? Zu viele Kinder? Ja, wer jammert denn stets, wir bräuchten immer mehr aus dem Ausland für die Alterspflege, weil zuwenig Nachwuchs vorhanden sei?
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Die Schweizer sind unfreundlich, taktlos und arrogant. Wenn man diese Zeilen liest, hat man das Gefühl, dass Frauen mit Kindern eher dumm seien. Wenn man nur ein bisschen Respekt vor anderen hat, schreibt man so etwas nicht in dieser Form. Es ist doch klar, dass eher die Frauen Kinder haben, welche nicht höhere Ausbildungen + Studium gemacht haben. Diese Frauen lassen sich meist Zeit, ihre Weiterbildung +den Anschluss im Berufsleben nach den Kindern zu planen. Vernünftiger kann man nicht planen.
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