Weniger Bildung – mehr Kinder?

Acht von zehn Schweizer Frauen wünschen sich mindestens ein Kind. Und je tiefer der Bildungsstand, desto eher geht der Wunsch in Erfüllung. Dies zeigt eine grossangelegte Studie des Bundes.

Eine Mutter beim Essen mit ihren beiden Kleinkindern

Bildlegende: Trautes Familienglück: Ein verbreiteter Wunsch, der mit unterschiedlichem Erfolg umgesetzt wird. Keystone

Bei den Kinderwünschen unterscheiden sich Mann und Frau kaum: Die Zwei-Kind-Familie ist für die Mehrheit das Ideal. Ob der Wunsch auch real wird, hängt laut Bundesamt für Statisik stark von der Ausbildung der Frau ab. Hat sie einen Hochschulabschluss, verzichtet sie oft auf ein Kind. Ein Drittel der Akademikerinnen bleibt kinderlos.

Ein Kind – so die Mehrheit – sei nicht zwingend für das persönliche Glück. Wichtiges Argument kinderlos zu bleiben ist die Kinderbetreuung. Denn die meiste Arbeit übernimmt die Mutter, auch wenn sie eine Teilzeitstelle hat.

Akzeptanz der Kinderbetreuung wächst

Bei der Einstellung zu berufstätigen Müttern zeige sich ein Wandel, sagt George-Simon Ulrich, Direktor vom Bundesamt für Statistik. Für die Mehrheit der Befragten nimmt das kleine Kind keinen Schaden, wenn seine Mutter arbeitet: «Hier sieht man insbesondere, dass es mittlerweile eher akzeptiert ist, kinderbetreuende Angebote in Anspruch zu nehmen.»


Die Familie der Zukunft

2:56 min, aus Rendez-vous vom 24.03.2015

Zwar gebe es nach wie vor eine «etwas konservative Haltung», insbesondere bei Deutschschweizer Männern: «In den letzten 20 Jahren sieht man aber einen Meinungswandel», so der oberste Bundesstatistiker. Vor zwanzig Jahren hielt es die Mehrheit der Männer für schädlich für das Kind, wenn die Mutter arbeitet. Heute sind es noch 40 Prozent bei den Männern und 30 bei den Frauen.

Dabei wird die Kinderbetreuung rege in Anspruch genommen; in fast sieben von zehn Haushalten. Oft schauen die Grosseltern kostenlos zu den Kleinen, während die Eltern arbeiten. Nur ein kleiner Teil der Haushalte greift ausschliesslich auf bezahlte Betreuungsformen zurück: Kinderkrippe, Tagesschule oder Tagesfamilien.
Die Frage der Betreuung bleibt das ganze Leben wichtig.

Solidarität als Generationenfrage

Eine grosse Mehrheit findet weiterhin, dass sich die Generationen gegenseitig finanziell unterstützen sollten. Wenn es aber darum geht, dass erwachsene Kinder ihren betagten Eltern helfen, schwindet die Solidarität, wie die Leiterin der Studie, Andrea Mosimann, ausführt: «Die Erwartung, dass Kinder ihre Eltern bei sich aufnehmen sollen, nimmt mit zunehmendem Alter ab.» Dies sei insofern erstaunlich, als gerade die älteren Menschen auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen wären.

Der «Erhebung Familien und Generationen» mit Daten aus 2013 sollen nun weitere folgen. Denn das Bundesamt für Statistik hat festgestellt, dass es kaum Daten zum Thema gibt. Um diese Lücke zu schliessen, werden die Einstellungen zu Familie und den Generationen nun alle fünf Jahre erhoben. So will das Bundesamt Grundlagen für die Familien- und Generationenpolitik liefern.

Hohe Solidarität im Tessin

Am tiefsten ist die Zustimmung zu den Aussagen, dass Eltern ihre erwachsenen Kinder und erwachsene Kinder ihre Eltern bei finanziellen Schwierigkeiten unterstützen sollten, in der Deutschschweiz (57 bzw. 54 Prozent). In der italienischen Schweiz dagegen betragen die entsprechenden Werte 72 und 78 Prozent (Westschweiz 63 bzw. 61).

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Studie zu Familie und Kinderwunsch

    Aus Tagesschau vom 24.3.2015

    Acht von zehn Frauen in der Schweiz wünschen sich mindestens ein Kind. Und je tiefer der Bildungsstand, umso eher geht dieser Wunsch in Erfüllung. Das geht aus einer grossangelegten Studie des Bundes hervor.