Sicherheit fürs Spitalpersonal Wenn Trauer und Wut zu Ausrastern führen

  • Einmal pro Monat kommt es im Universitätsspital Zürich zu bedrohlichen Situationen fürs Personal.
  • Patienten rasten aus, Angehörige beschimpfen Angestellte oder Ähnliches.
  • Um auf solche Situationen richtig zu reagieren, hat das Unispital erfolgreich ein Bedrohungsmanagement eingeführt.

Emotionen gehören zum Spital-Alltag: Als Patient oder Angehörige erlebt man Freud und Leid, oftmals geht es um Leben und Tod.

Gerade, wenn jemand sterbe, richte sich die Trauer und die Wut der Angehörigen nicht selten gegen das Spitalpersonal, sagt Claudio Leitgeb. Er ist Sicherheitschef des Zürcher Universitätsspitals. «Die Palette ist relativ gross.» Das gehe von der Ankündigung einer «Abrechnung» bis hin zu Todesdrohungen.

Zertifiziertes Bedrohungsmanagment im Unispital

Als erstes Unternehmen in Europa hat das Zürcher Universitätsspital kürzlich ein Zertifikat für sein Bedrohungsmanagement erhalten. Es wird vom Europäischen Fachverband für Bedrohungsmanagement verliehen. Seit mittlerweile drei Jahren kümmert sich die interdisziplinäre Spitalgruppe um Angriffe von Patienten und Angehörigen auf Ärzte und Pflegepersonal.

Jeder Fall ein Einzelfall

Auch Esther Linka, die Pflegeleiterin am Universitätsspital, hat in ihrer Karriere schon viele brenzlige Momente erlebt. Manchmal erkenne sie die wahre Gefahr erst nachträglich, etwa wenn sie nach einer Drohung das Patientenzimmer verlassen habe. «Dann spürt man schon eine gewisse Angst», konstatiert sie.

Um solche Situationen kümmert sich im Unispital das Bedrohungsmanagement. Es ergänzt den normalen Sicherheitsdienst, der bei Handgreiflichkeiten einschreitet. Das interdisziplinäre Team aus Pflege, Rechtsdienst, Psychiatrie und Sicherheit schaut sich die Fälle genau an:

  • In welcher Verfassung befindet sich die drohende Person?
  • Besteht vielleicht auch ausserhalb des Spitals eine Gefahr?
  • Muss die Polizei informiert werden?

Besuch unter polizeilicher Aufsicht

Sicherheitschef Leitgeb erinnert sich an den Fall einer Patientin, die mehrere Tage im Sterben lag. Ihr trauernder Ehemann wurde gegenüber dem Personal massiv gewalttätig, so dass aufwendige Massnahmen getroffen werden mussten.

«Wir zogen die Polizei bei, denn schliesslich wollte man dem Mann ermöglichen, von seiner Frau Abschied zu nehmen.» So sei ein Vorgehen definiert worden, welches der Mann «peinlich genau» einhalten musste, damit er seine Frau jeden Tag besuchen konnte.

Insgesamt habe sich das Bedrohungsmanagement bewährt, so Leitgeb. Seit 2014 habe das Team rund 60 Bedrohungsfälle behandelt und immer eine Lösung gefunden.