Werbebranche will weiterhin für Zigaretten werben

Der Bund plant ein umfassendes Werbeverbot für Zigaretten. Die Werbeindustrie wehrt sich dagegen, als Sündenbock abgestempelt zu werden. Für den Werbemarkt hat die Tabakwerbung mit einem Anteil von weniger als 0,5 Prozent aber nur geringe Bedeutung.

Letztes Jahr hatte die Tabakindustrie rund 21 Millionen Franken in den Schweizer Werbemarkt investiert. Dabei handelt es sich um Brutto-Zahlen. Die teils beträchtlichen Rabatte, die im Rahmen einer Werbekampagne gewährt werden, sind darin noch nicht berücksichtigt.

Schlusslicht bei der Werbung

Die Tabakbranche bildet damit das Schlusslicht der 24 Branchen, welche Media Focus erhob. Zum Vergleich: In Nahrungsmittelwerbung werden laut Mediafocus jährlich brutto 500 Millionen Franken investiert. Insgesamt beliefen sich die Ausgaben in den klassischen Werbeträgern TV, Print, Plakate, Radio oder Digital 2013 in der Schweiz auf 4,84 Milliarden Franken.

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Entwurf für neues Tabakgesetz

4:17 min, aus 10vor10 vom 6.2.2014

«10vor10» hatte am Donnerstag publik gemacht, dass der Bund ein umfassendes Werbeverbot für Tabakprodukte plant. Gemäss Vorentwurf für ein neues Tabakproduktegesetz soll Werbung in Zeitungen und Zeitschriften, auf Plakatwänden, in elektronischen Medien, Radio und Fernsehen verboten werden.

Auch für Werbeaktionen, bei welchen Zigaretten günstiger abgegeben werden, ist ein Verbot geplant. Das Tabakproduktegesetz sieht ausserdem vor, die elektronische Zigarette dem Rauchen von Zigaretten gleichzustellen.

Weiterhin erlaubt sein soll jedoch das Sponsoring, soweit die Veranstaltung nicht internationalen Charakter oder grenzüberschreitende Wirkung hat. Damit wären Openairs, an welchen die Zigarettenhersteller jeweils stark präsent sind, vom Verbot ausgenommen.

Lungenliga zufrieden

Warum das Gesetz gerade dieser Zugang zu vorwiegend jugendlichem Publikum offenlässt, war beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) nicht zu erfahren. Wie die zukünftige Regelung ausgestaltet sein soll, werde derzeit geprüft, heisst es auf Anfrage beim BAG. Der Vorentwurf befindet sich zur Zeit in der Ämterkonsultation.
Obwohl Sponsoring an Openairs weiterhin erlaubt sein soll, ist die Lungenliga mit der Stossrichtung des Vorentwurfs zufrieden. Werbeverbote machten Sinn, weil über die Werbung Junge geradezu zum Rauchen verführt würden, sagte Geschäftsführerin Sonja Bietenhard zu «10vor10».

Zigaretten-Werbung

Bildlegende: Zigaretten-Werbung soll es künftig nicht mehr geben. Keystone

Keine Freude hat die Schweizer Werbeindustrie: Die Zigarettenbranche habe in den letzten Jahren grosse Schritte gemacht, sagte Thomas Meier von Branchenverband Schweizer Werbung. «Wir unterstützen einen guten Jugendschutz, aber wir wehren uns dagegen, dass die Werbung vorschnell für alles verantwortlich gemacht wird.»

Meier erinnert an die geplanten Einschränkungen für Werbung für Kleinkredite. Der Anteil der Jugendlichen, die sich auf diesem Weg verschuldeten, sei sehr gering, gibt Meier zu bedenken. «Man zeigt mit dem Finger auf die Werbebranche, in der Pflicht wären aber beispielsweise die Eltern», sagte er.

Sinkende Einnahmen

Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbands Schweizer Medien, lehnt das Werbeverbot rundweg ab: «So lange das Rauchen nicht verboten ist, sollte man es auch bewerben dürfen», sagte er.

Der Vorentwurf soll im Sommer 2014 in die Vernehmlassung geschickt werden. Bereits zu Ende ist die Vernehmlassung für die ebenfalls geplante Erhöhung der Tabaksteuer. Diese will der Bundesrat nicht zuletzt deshalb anheben, weil immer weniger Leute rauchen. Diese Ausfälle konnten in den letzten Jahren nur mit einer stetigen Erhöhung der Tabaksteuer kompensiert werden.