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Schweiz Wie bilingue ist die Schweiz?

Eine der grossen Besonderheiten der Schweiz ist ihre Viersprachigkeit. Eine Erhebung des Bundesamtes für Statistik zeigt, dass dieses Bild nicht ganz der Realität entspricht. Nur eine Minderheit der Menschen ist bilingue oder spricht zwei oder mehr Landessprachen im Alltag.

Strassenschilder auf Deutsch und Französisch
Legende: Der Anteil der Menschen, die zwei oder mehr Landessprachen als Muttersprache haben, ist verschwindend klein. Keystone

Die Schweiz rühmt sich gerne ihrer Mehrsprachigkeit – für viele ist sie integraler Bestandteil der nationalen Identität. Darüber, wie stark dieses Bild der Realität entspricht, war bisher wenig bekannt.

Eine Auswertung des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigt: Bereits die Schweizer Wohnbevölkerung ist weit weniger vielsprachig als gemeinhin angenommen, wenn es um die Landessprachen geht. So sind gerade mal 2 von 100 Menschen bilingue mit Deutsch und Französisch als Hauptsprache. Zählt man jene dazu, die die Sprache im Beruf oder auf der Strasse sprechen, sind es 7.5 Prozent.

Legende:
Muttersprachen in der Schweiz in absoluten Zahlen, Schätzungen der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren BFS 2014

Noch düsterer sieht es bei den bilinguen Schweizern aus, deren Hauptsprachen Deutsch und Italienisch sind. Mit dieser Sprachenkombination sind nur 1,8 Prozent der Wohnbevölkerung gesegnet. Im alltäglichen Gebrauch sprechen immerhin vier Prozent beide Sprachen.

Legende:
Mehrsprachigkeit im Alltag in absoluten Zahlen, Schätzungen der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren BFS 2014

Der Anteil von dreisprachigen Personen ist erst recht verschwindend klein. Nur 0,2 Prozent der Schweizer sprechen Deutsch, Französisch und Italienisch von Kindesbeinen an. Überraschend hoch hingegen ist der Anteil der Menschen, die alle drei Sprachen in Beruf oder Alltag sprechen. Er liegt bei 1,8 Prozent.

Mehrsprachigkeit bringt wirtschaftliche Vorteile

Denkt man an das Image der Schweiz als besonders vielsprachiges Land, dann gibt es hierzulande in Tat und Wahrheit nur wenige mehrsprachige Personen. Dabei sind die gegenseitigen Landessprachen auch in der Wirtschaft durchaus gefragt – vor allem zwischen der Deutsch- und der Westschweiz.

Für François Grin, Professor für Volkswirtschaft an der Universität Genf, ist klar, dass die Mehrsprachigkeit auf dem Arbeitsmarkt messbare Vorteile bringt. Dazu zählt er eindeutig auch Vorteile finanzieller Art. «Man kann dank den Fremdsprachen-Kompetenzen in den jeweiligen Landessprachen einen Lohnzusatz von circa 14 Prozent erreichen.»

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Charly Ball (Charly Ball)
    Als langjähriger Personalmensch rekrutiere ich Personen, welche möglichst die beiden Landessprachen D+F sprechen. Ist in ZH wie in GE zunehmend nur äusserst schwer zu finden. Aber was nützen uns billingue CH-er mit D/albanisch, D/serbisch, D/arabisch, etc. Wäre schön, wenn ALLE sich mehr Mühe geben würden und mind. 1 weitere Landessprache lernen würden. In ein paar Jahren reden wir in der CH nur noch englisch miteinander - die einzige Sprache, die alle lernen wollen.
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  • Kommentar von Srdjan Dragojevic (Sergio)
    (2) Noch komischer ist dieser Artikel bezüglich der Mehrsprachigkeit der Schweiz.Die Schweiz ist mehrsprachig, weil nicht eine einheitliche Sprache vorherrscht,sondern weil wir je nach Region eine andere dominante Sprache haben.Dies bedeutet nicht das die Menschen in der Schweiz mehrsprachig aufwachsen.Wie sollte dies überhaupt funktionieren?Wenn beide Elternteile eine Sprache sprechen, dann wird das Kind nicht bilingual.Die obigen Zahlen repräsentieren wohl die Menschen in Sprachgrenzregionen.
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  • Kommentar von Srdjan Dragojevic (Sergio)
    (1)"Denkt man an das Image der Schweiz als besonders vielsprachiges Land, dann gibt es hierzulande in Tat und Wahrheit nur wenige mehrsprachige Personen" Hier wird völlig ausgeblendet, dass es auch noch Second@s gibt, welche oftmals mehrsprachig sind. Ausserdem ist es aus linguistischer Sicht komisch, was hier überhaupt untersucht wird. Jeder Mensch hat eine dominante Sprache, die man als Muttersprache bezeichnet. Selbst wenn er mit zwei Sprachen aufwächst, preferiert er eine davon.
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Srdjan Dragojevic: Ihr Argument ist sicher diskussionswürdig. Ich glaube aber verstanden zu haben, dass es bei dieser Auswertung des BFS ausschliesslich um die Schweizer Landessprachen geht und nicht um die Sprachen, die sonst noch in der Schweiz gesprochen werden (wahrscheinlich die Hälfte aller Weltsprachen). Dies wäre dann ein anderes, sicher auch interessantes, Thema.
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    2. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Srdjan Dragojevic: Ihr Argument ist sicher diskussionswürdig. Ich glaube aber verstanden zu haben, dass es bei dieser Auswertung des BFS ausschliesslich um die Schweizer Landessprachen geht und nicht um die Sprachen, die sonst noch in der Schweiz gesprochen werden (wahrscheinlich die Hälfte aller Weltsprachen). Dies wäre dann ein anderes, sicher auch interessantes, Thema.
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