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Schweiz Wie Callcenter Beratungstermine für Krankenkassen vergolden

Callcenter belästigen dieser Tage tausende Schweizerinnen und Schweizer. Der Ärger bei Konsumenten über die aufdringliche Krankenkassenwerbung ist gross. «10vor10» zeigt das lukrative Geschäft, welches hinter den Terminen mit den Kunden steht und von den Kassen in Kauf genommen wird.

Legende: Video Ärgernis Telefonwerbung abspielen. Laufzeit 3:18 Minuten.
Aus 10vor10 vom 26.10.2015.

Tausende Kunden dürften in diesen Tagen das gleiche Problem haben. Sie erhalten lästige Telefonanrufe von Callcentern, welche mit den Kunden Termine für neue Versicherungslösungen vereinbaren möchten. Immer häufiger werden die Konsumenten auch auf ihre Handys angerufen.

Beratungstermine werden im Internet verkauft

Ziel der Anrufe ist die Vereinbarung eines Beratungstermins. Was viele belästigte Kunden nicht wissen: Hinter den Anrufen steckt ein lukratives Geschäftsmodell für Terminvermittler. Und so funktioniert es: Der Call-Agent vereinbart mit dem Kunden einen Termin für eine kostenlose Beratung. Der vereinbarte Termin wird anschliessend auf einer Terminbörse im Internet zum Kauf angeboten. Diese Termine werden durch Versicherungsmakler gekauft, um anschliessend beim Kunden das versprochene Beratungsgespräch wahr zu nehmen.

Legende: Video So läuft das Geschäft mit Beratungsterminen abspielen. Laufzeit 0:39 Minuten.
Vom 26.10.2015.

Mit dem Handel von Beratungsterminen lässt sich gutes Geld verdienen. Für einen einzigen Beratungstermin können Vermittler in Terminbörsen bis zu 100 Franken verlangen, wie die Sendung «10vor10» recherchiert hat.

Oft seien die Preise sogar noch höher, sagt der Krankenkassenexperte von Camparis, Felix Schneuwly, in der Sendung. «Wenn jemand nur an einer Grundversicherung interessiert ist, hat der Termin weniger wert. Ist aber jemand an einer privaten Spitalversicherung interessiert und bleibt dann 30 oder 40 Jahre bei einer Versicherung, hat der Termin viel mehr wert und ist daher teurer.»

Krankenkassen wissen Bescheid

Vom Terminhandel wissen auch die Krankenkassen. Diese erklären jedoch, ihre Makler kauften die Termine nur über seriöse Vermittlungskanäle. Die grosse Schweizer Krankenkasse, Helsana, mit über einer Million Versicherten, erklärt bei «10vor10»: «Die Anrufe unseriöser Callcenter sind ein grosses Ärgernis und rufschädigend für die Branche. Beschwerden von Kunden gehen wir rigoros nach.»

Schneuwly.
Legende: Krankenkassen nehmen Callcenter-Ärger in Kauf: Comparis-Experte Felix Schneuwly. srf

Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly sagt jedoch, die Kassen würden den Ärger durch Callcenter in Kauf nehmen. Er vergleicht den Vorgang mit dem System des Geldwaschens bei Banken: «Wenn eine Krankenkasse nicht prüft, ob ein solcher Termin korrekt zustande gekommen ist, hat sie schlussendlich ein Imageproblem.»

Branchenverband gelobt Besserung

Dass die Krankenkassen wegen der ärgerlichen Kundenwerbung ein Imageproblem haben, ist sich auch der Dachverband der Schweizer Krankenversicherer, Santésuisse, bewusst. Der Verband reagiert mit einer neuen Branchenvereinbarung, welche per Anfang 2016 in Kraft tritt. Sie verpflichtet die Krankenversicherer, weder selbst, noch durch beauftragte Dritte – namentlich Vermittler und Callcenter – Werbeanrufe durchführen zu lassen.

Ziel ist es, dass es keine aggressiven Telefonanrufe mehr gibt.
Autor: Verena NoldDirektorin Santésuisse

Gemäss «10vor10»-Recherchen haben bisher 14 Versicherer die Vereinbarung unterzeichnet. Gut ein Drittel der Versicherten. Verena Nold, Direktorin von Santésuisse, geht davon aus, dass sich weitere der Branchenvereinbarung anschliessen werden. «Das Ziel ist es, dass es keine aggressiven Telefonanrufe mehr gibt. Es sollen nur noch die Leute angerufen werden, die die Versicherung wechseln wollen.»

8 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Sobald 50'000 Leute einen Termin vereinbart haben und dann nichts mehr davon wissen oder nicht zu Hause sind, gibt es dieses System nicht mehr. Also freundlich was vereinbaren und nicht zum Termin erscheinen. Oder, genauso unbeliebt: Einfach sagen, man müsste erst was in der Küche machen, in einer Minute sei man wieder am Telefon ... tja, und einfach mal 10 Minuten liegen lassen. Da gilt mann oder frau schnell als «unbeliebt».
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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Diese Anrufe sind sehr lästig. Ich würde gerne wissen woher die Call Center die Telefonnummer von den Handys haben? Handy-Nr. sind doch sehr privat. Das fragen sich doch viele. Eine Frage an den Datenschützer. Ich sperre alle diese Nummern sei es auf dem Handy wie Festnetz. Leider kommen noch neue Nr. dazu.
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  • Kommentar von Heiner Zumbrunn (Heiner Zumbrunn)
    Ich glaube nicht, dass die Einheitskasse des Bundes eine Möglichkeit wäre. Die wirklich doofe Telefonwerbung würde zwar wegfallen. Aber eine Krankenkasse, effizient wie die SBB, wäre doch ein Graus. Bemerkt man jemand der einen anruft und etwas fragt, anbietet oder behauptet: Immer Gegenfragen stellen. Die einfachste Frage ist: Warum rufen Sie mich an? Und dann auf einer Antwort beharren und sich nicht in ein Gespräch verwickeln lassen. Nicht selten wird einfach aufgelegt.
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