Parmelin zum Flug-Zwischenfall «Wir haben ziemlich oft solche Unfälle»

Der Verteidigungsminister findet deutliche Worte zum durchtrennten Kamera-Seil bei der Ski-WM in St. Moritz. Laut der Luftwaffe wussten die Piloten vom Kabel.

  • Eine PC-7 der Schweizer Luftwaffe hat an der Ski-WM in St. Moritz das Zugseil einer SRG-Seilbahnkamera durchtrennt.
  • Beim Absturz der Kamera in den Zielraum wurde niemand verletzt.
  • Der Pilot der PC-7 konnte die beschädigte Maschine selbständig in Samedan landen und blieb ebenfalls unverletzt.
  • Verteidigungsminister Guy Parmelin verspricht eine genaue Analyse der Situation angesichts wiederholter Unfälle bei der Luftwaffe.

«Ich bin der Meinung, dass wir ziemlich oft derartige Unfälle haben», sagt Verteidigungsminister Guy Parmelin (SVP) am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz zur «Tagesschau». In einer ersten Reaktion auf den Zwischenfall über dem Zielraum der Ski-WM in St. Moritz verspricht er deshalb eine genaue Analyse der Situation. Auch wenn man grosses Glück gehabt habe und niemand zu Schaden kam, handle es sich um einen schwerwiegenden Zwischenfall.

Luftwaffe kannte das Kamera-Seil

Völlig unklar ist derzeit, weshalb die PC-7 bei einem Trainingsflug das Zugseil einer SRG-Kamera touchieren und durchtrennen konnte. Die Luftwaffe war laut dem stellvertretenden Kommandanten Bernhard Müller im Vorfeld über das Seil und dessen Höhe informiert worden.

«  «Das Team hat dieses Kabel rekognosziert und es wurde in jedem Flugbriefing mehrfach erwähnt.» »

Bernhard Müller
Stv. Kommandant der Luftwaffe

Die Ursachen für die Ereignisse von St. Moritz müsse nun die Untersuchung durch die Militärjustiz klären. Zwar sei ein Seil für den Piloten aus dem Cockpit nicht sichtbar, in Kenntnis seiner Existenz würde es normalerweise jedoch in angemessenem Abstand überflogen.

Stopp der Flugshows in St. Moritz

Wie am Nachmittag bei einer Medienkonferenz mitgeteilt wurde, hat die Luftwaffe die für Samstag und Sonntag geplanten Vorführungen der PC-7-Staffel in St. Moritz gestoppt. Laut Verteidigungsminister Parmelin kann erst wieder geflogen werden, wenn geklärt ist, was in St. Moritz genau passierte.

Zwei PC-7

Bildlegende: Die zweiplätzige Pilatus PC-7 Turbo Trainer werden für die Grundausbildung von Jet-Piloten sowie Vorführungen genutzt. Keystone

Das PC-7-Team ist neben der Patrouille Suisse das zweite Vorführteam der Schweizer Luftwaffe. Es umfasst neun Turbopropellermaschinen, die allesamt im Nebenjob von F/A-18-Kampfjet-Piloten geflogen werden. Gemäss Angaben auf seiner Homepage fliegt es pro Saison an bis zu 15 Veranstaltungen im In- und Ausland.

Das Arbeitsgerät des Kunstflugteams, der Pilatus PC-7 Turbo Trainer, steht bei der Luftwaffe seit 1983 im Einsatz. Insgesamt wurden 28 Maschinen dieses Typs bei den Pilatus-Flugzeugwerken in Stans NW beschafft. 2008 wurden sie komplett modernisiert und in den Landesfarben rot-weiss bemalt. Hauptsächlich wird der zweiplätzige PC-7 für die Grundausbildung der Jetpiloten genutzt.

Auch Athleten-Lift mit Fahrern beeinträchtigt

Vom Zwischenfall betroffen war der WM-Riesenslalom der Herren. Da die Tragseile der Kamera über dem Zielbereich und auch über dem Sessellift Salastrains gespannt waren, musste der Betrieb der Sesselbahn eingestellt werden. Die blockierten Fahrer, darunter alle vier Schweizer, kamen dadurch zu spät ins Startgelände. Weil sich deshalb die Streckenbesichtigung verzögerte, wurde der Beginn des zweiten Laufs um eine halbe Stunde verschoben.

Dennoch habe der Zweite Lauf des Rennens regulär und fair durchgeführt werden können, sagte FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis vor den Medien. OK-Direktor Franco Giovanoli gab bei gleicher Gelegenheit seiner Erleichterung darüber Ausdruck, dass es keine Verletzten gegeben habe. So könne das Skifest ungetrübt weitergehen.