«Wir müssen mehr von unseren Schülern fordern»

Eine Initiative im Kanton Zürich verlangt, dass eine zweite Fremdsprache erst auf Sekundarstufe eingeführt wird. Für den Präsidenten der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren könnte diese Forderung im schlimmsten Fall die Schweiz entzweien.

Kind hätl Prüfungsbogen auf Französisch.

Bildlegende: Sollte die zweite Fremdsprache auf Primarstufe gekippt werden, denken viele ans Französisch. Keystone

Zürcher Kinder sollen in der Primarschule nicht mehr zwei Fremdsprachen lernen. Dies verlangt die kantonale Volksinitiative «Mehr Qualität – eine Fremdsprache an der Primarschule», die gestern eingereicht wurde. Zu den Initianten zählen auch Lehrerverbände. Auch in anderen Kantonen mehren sich die Stimmen, die zwei Fremdsprachen auf der Primarstufe als zu viel erachten. Das Zürcher Vorbild könnte demnach Schule machen.

Christoph Eymann, der Präsident der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) hält ein solches Szenario für möglich. Wie er erklärt, wäre jedoch der Kanton Zürich nicht ganz frei bei der Umsetzung der Initiative: «Die Bundesverfassung schreibt vor, dass die Inhalte der Schulen in den Kantonen auf Schulstufe koordiniert werden müssen. Davon würde sich der Kanton Zürich entfernen, falls die Initiative angenommen wird.»

Lehrer gegen zweite Fremdsprache

Laut einer Befragung sind drei Viertel der Zürcher Lehrerschaft gegen zwei Fremdsprachen auf Primarstufe. Die Kinder insbesondere die schwächeren Schüler seien überfordert, heisst es. Eine zweite Fremdsprache auf Primarschulstufe habe sich nicht bewährt, so die vorläufige Bilanz.

Für Eymann stellt sich angesichts der Rückmeldung der Lehrerschaft vor allem die Frage nach den Bedingungen, unter welchen die Strategie Erfolg haben kann: «In einer Zeit, in welcher die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt internationaler wird, müssen wir mehr von unseren Schülern fordern. Wir dürfen nicht immer entgegenkommen, wenn etwas als mühsam empfunden wird. Aber wir müssen den Lehrkräften gute Bedingungen bieten, damit sie diese Zielsetzungen auch erreichen können.»

Risiko für den Zusammenhalt der Schweiz

Der Text der Zürcher Initiative macht keine Angaben, welche Fremdsprache gestrichen werden müsste. Es ist jedoch ein offenes Geheimnis, dass viele ans Französisch denken. Bundesrat Alain Berset hat angesichts dieser Möglichkeit bereits gewarnt, dass wenn ein Kanton ausscheren und eine Landesssprache auf Primarstufe streichen sollte, er intervenieren würde.

Eymann ist überzeugt, dass der Bundesrat dies nicht zulassen würde und mit einem entsprechenden Gesetzesvorschlag zu verhindern versuchen würde. «Wenn man sich vorstellt, dass ein solches Gesetz in der Bundesversammlung durchkommt und gegen dieses das Referendum ergriffen wird, könnte es zu einer unschönen Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Landesteilen kommen. Das sollten wir im Sinne des Zusammenhaltes der Schweiz vermeiden», so der Präsident der EDK.