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Schweiz Wird der «Lehrplan 21» versenkt?

Der Widerstand gegen die Harmonisierung des Bildungssystems in der Deutschschweiz wächst. Der Kanton Aargau hat beschlossen, die Einführung des «Lehrplan 21» um drei Jahre zu verschieben – auf das Schuljahr 2020/21. Manche Kantone wollen den Lehrplan sogar ganz versenken.

Ein Schulzimmer mit Schüler.
Legende: Harmonisierung des Bildungssystems in der Deutschschweiz: Bald Zukunft oder Utopie? Keystone

Seit Montag gibt es auch im Aargau sechs Primarschulklassen. Bis jetzt begann schon nach der fünften Klasse die Sekundarstufe. In diesem Punkt hat sich der Aargau den andern Kantonen angepasst. Aber jetzt ist vorläufig Schluss mit Schulreformen.

Auch die Einführung des Deutschschweizer Lehrplans 21 verschiebt die Aargauer Regierung bis ins Jahr 2020. Das sei ihr gutes Recht, sagt dazu Nicole Wespi von der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz. «Das ist die Sache jedes einzelnen Kantons. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.»

«Ich merke ein allgemeines Unbehagen»

Möglicherweise doch. Denn hinter dem Aargauer Entscheid scheint mehr zu stecken, als bloss das Bedürfnis der Regierung nach etwas mehr Ruhe im Bildungssystem. Der altgediente konservative Aargauer Bildungspolitiker Bruno Nüsperli stellt jedenfalls ein grundsätzliches Unbehagen gegen den kantonsübergreifenden Lehrplan fest. «Ich merke, wie das Bewusstsein breiter Kreise sich gegen diesen Lehrplan stellt», sagt er.

Wobei die verschiedenen Kreise unterschiedliche Aspekte kritisieren: Die einen stören sich daran, dass für die Schulkinder umfangreiche Kompetenzziele festgelegt werden, statt die Wissensvermittlung zu betonen. Andere sind gegen zwei Fremdsprachen auf der Primarschulstufe oder vermuten ideologische Beeinflussungsversuche in heiklen Bereichen wie der Sexualerziehung.

«Lehrplan 21»: Wille des Volkes

Bis Ende Jahr werde der Lehrplan ja noch überarbeitet, sagt dazu SP-Politiker Mathias Aebischer, Präsident der nationalrätlichen Bildungskommission. Grundsätzlich aber habe vor acht Jahren das Stimmvolk einer Harmonisierung des schweizerischen Bildungswesens mit einer überwältigenden Mehrheit zugestimmt. «Der Lehrplan 21 ist das Instrument der Harmonisierung, er ist zwingend», so Aebischer. Ansonsten entspreche das nicht der Verfassung und vor allem nicht dem Willen der Stimmbürger.

Diese werden wohl aber in verschiedenen Kantonen noch einmal gefragt werden. In Baselland und in St. Gallen sind die Unterschriften für entsprechende Initiativen bereits beisammen. Im Thurgau und in Graubünden laufen Vorbereitungen genau gleich wie im Aargau. Dort stellen Bruno Nüsperli und seine Gesinnungsfreunde nächste Woche eine Initiative vor. Damit wollen sie den Lehrplan 21 nicht nur verschieben, sondern gleich versenken.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach BL
    Wie kann mann etwas ablehnen, wenn man noch gar nicht angefangen hat und überhaupt keine Erfahrung hat. Das Volk hat ja gesagt und ich frage mich, was das ganze soll. Mann kann immer etwas verbessern, aber man sollte nicht Millionen ausgeben für nichts und wieder nichts, nur weil es gewissen Kreisen nicht passt.
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  • Kommentar von kari huber, surin
    Die meisten Schweizer wissen halt nicht, das "Wissensvermittlung" nicht funktioniert und nie funktioniert hat. Schon Sokrates wusste: "Du kannst einem Menschen nichts beibringen, du kannst ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken". Das Gegenteil davon ist der "Nürnberger Trichter" mithilfe dessen faule und/oder inkompetente Lehrer sich nice and easy ihrer vermeintlichen Bringschuld entledigen. 80% der Schüler können etwas nicht? "Es wurde vermittelt" ist die Antwort.
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  • Kommentar von d meier, 4566
    Eeeeenndlich!!! Lehrplanversenkerlispiel! Der teuerste, unsinnigste und dämonischste Papiertiger, der nur geschaffen wurde, um unsere Kinder gänzlich zu Vollidioten und wertefreien, lebensuntauglichen Menschen heranzuziehen. Wie einfach wäre der Grundauftrag der Schule: Lesen, Schreiben, Rechnen und etwas über Geschichte, Naturkunde und Geographie lernen.
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