WK in der Badehose statt in Uniform

Ein Wiederholungskurs am Sandstrand: Das ist nicht einfach der Traum eines geschundenen Schweizer Soldaten. Für manche Schweizer Spitzensportler ist das Realität. Nun schiebt das Bundesamt für Sozialversicherung den Riegel – zumindest für Betreuer.

Beachvolleball-Spieler.

Bildlegende: Sport statt militärischer Drill. Schweizer Athleten profitierten bislang von einer speziellen Sportförderung. Keystone / Symbolbild

Temperaturen um 20 Grad – mitten im Winter: Beste Bedingungen! Das Trainingslager der Schweizer Beachvolley-Ball-Spitze im Februar auf Teneriffa war ein Erfolg. Für sieben der Ballkünstler waren die drei Wochen auf der Kanaren-Insel auch ein WK.

Gewehr und Uniform blieben aber zu Hause. Mit militärischem Drill hätten die WK-Tagen  nichts zu tun, sagt Kurt Henauer vom Bundesamt für Sport.

Hockeyspieler, Snowboarder oder beispielsweise Skifahrer profitieren von diesem System. Im vergangenen Jahr «trainierten und regenerierten» fast 200 zum Teil prominente Spitzensportler und liessen sich das als WK anrechnen.

Meistens trainierten sie im Inland, regelmässig aber auch im Ausland. Vier Radsportler leisteten ihren Dienst gar an der Weltmeisterschaft in Australien.

Die Sportler können auf ein Gesuch hin mehr Diensttage leisten als ein normaler Soldat – bis zu zehn Wochen pro Jahr. Viele leisten freiwillige Tage. Für jeden Diensttag erhalten sie Geld von der Erwerbsersatzordnung  (EO), Geld vom Bundesamt für Sozialversicherung.

Darauf seien viele Athleten für ihre Trainings angewiesen, sagt Kurt Henauer. «Vertreter von kleinen Sportarten profitieren von diesen WK-Tagen, sie müssen nicht auf Lohn verzichten.»

Stopp für Trainingslager auf Kosten der Steuerzahler

Regelmässig wurden auch Trainer und Masseure der Sportler via EO entschädigt. Seit fast sieben Jahren läuft das so bis sich kürzlich das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) für die Sportler-WK zu interessieren begann. Ende Februar kam das Amt zum Schluss: Die WK bewegten sich in einem Graubereich.

Im Untersuchungsbericht heisst es: «Das BSV ist der Auffassung, dass die bisherigen rechtlichen Grundlagen für die Sportförderung durch die Armee ungenügend sind».

Vor allem  fraglich sei insbesondere auch, ob WK auf Teneriffa, in Australien oder Portugal zulässig seien.

Pro Jahr zahlt die EO eine Million Franken für die umstrittenen Sportler-WK. Das BSV verlangte nun eine Entschädigung von mehreren Millionen für die letzten Jahre.

Im Februar kam es zum Kompromiss: Die Armee zahlt pauschal eine Million und  dreht den Geldhahn zu für den Begleittross der Sportler zu.

Neu ist, dass Trainer und Betreuer im Moment keine freiwilligen Diensttage mehr leisten können. Das sei die Folge der Diskussionen zwischen VBS und dem Bundesamt für Sozialversicherungen BSV, sagt Henauer.

Klare Regeln für Sportförderung gefordert

Parlamentarier waren schlecht informiert über die umstrittenen WK: SP-Nationalrätin Chantal Galladé, die Präsidentin der sicherheitspolitischen Kommission, spricht von Missbrauch. Auch Galladés Kommissionskollege Jakob Büchler (CVP) will Verteidigungsminister Ueli Maurer Fragen stellen.

Im Verteidigungs-Departement gibt man sich wortkarg, anerkennt aber Handlungsbedarf. Bis im Sommer will Maurers Departement dem Bundesrat eine klare Rechtsgrundlage ausarbeiten für die Spitzensport-Förderung.

Die umstrittenen WK finden derweil weiter statt: Anfang Mai zum Beispiel fliegen zwei Schwimmer in militärischer Mission für zwei Wochen nach Mallorca.

(blur;basn)