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Zürcher Bahnhofstrasse Wenn die Kunden plötzlich ausbleiben

Legende: Video Krise an der Zürcher Bahnhofstrasse abspielen. Laufzeit 8:11 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 26.04.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Umsätze auf der teuersten Einkaufsmeile der Schweiz sind bis zu 20 Prozent eingebrochen – seit dem Frankenschock 2015.
  • Viele Kunden kaufen seither lieber im Ausland oder im Internet ein.
  • Jetzt zeigen erstmals Zahlen, dass die Mieten an der Zürcher Bahnhofstrasse sinken.
  • In der vergangenen fünf Jahren haben Vermieter 200 Millionen Franken weniger eingenommen.
Menschen und Tram auf dem Zürcher Paradeplatz
Legende: Die Zürcher Bahnhofstrasse verliert an Anziehungskraft. Keystone

Der Frankenschock blieb nicht ohne Wirkung auf das grösste «Einkaufszentrum» der Schweiz, die Zürcher Bahnhofstrasse. Genaue Zahlen gibt es zwar nicht, Schätzungen verschiedener Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Boutiquen und grossen Warenhäuser seit 2015 etwa 3 Millionen Kunden weniger haben pro Jahr, die ihn ihren Geschäften einkaufen.

Es gibt Geschäfte, die haben bis zu 20 Prozent weniger Umsatz.
Autor: Milan PrenosilPräsident Cityvereinigung Zürich

Milan Prenosil, Präsident der Cityvereinigung Zürich, der Dachorganisation der Zürcher Geschäftsverbände, beschreibt die Situation als dramatisch: «Es gibt Geschäfte, die haben bis zu 20 Prozent weniger Umsatz.» Globus-Chef Thomas Herbert beziffert den Umsatzeinbruch zwischen 10-15 Prozent: «Besonders hoch ist der Einbruch bei den Textilien.»

Kleidungsstücke mit Knöpfen gegen Diebstahl
Legende: Textilien verzeichnen die stärksten Einbussen. Keystone

Erstmals tiefere Mieten

Der Umsatzeinbruch habe dazu geführt, dass die Mieten rund um die Bahnhofstrasse sinken, sagt Immobilienmakler Marc-Christian Riebe, der seit Jahren die Entwicklung an der Bahnhofstrasse beobachtet: «Die Mieten sind um 200 Millionen Franken in den vergangen fünf Jahren gesunken.» 42 Geschäfte hätten ihre Mieter gewechselt, so viel wie noch nie innert so kurzer Zeit.

Für Milan Prenosil sind die Mieten teilweise immer noch zu hoch. Es finde ein Verdrängungswettbewerb statt. Das Zürcher Gewerbe kämpfe mit ungleichen Spiessen gegen internationale Grosskonzerne. «Ich wünsche mir mehr Verantwortungsbewusstsein von den Vermietern», sagt der Präsident der Zürcher Cityvereinigung. Die Bahnhofstrasse brauche einen gesunden Mix von Grosskonzernen und lokalem Gewerbe.

Hoffen auf ein besseres Geschäftsjahr

Die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich geht davon aus, dass sich der wirtschaftliche Abschwung verlangsamt. Die Geschäfte in der City hoffen denn auch, davon profitieren zu können. Manuel Wiesendanger, Chef des Haushaltswarengeschäfts Sibler am Münsterhof, glaubt der Krise trotzen zu können. Wiesendanger musste vergangenes Jahr erstmals seit 35 Jahren Stellen streichen: «Wir mussten drei Mitarbeiter entlassen. Das tat weh.»

Einen kleinen Silberstreifen am Horizont sieht er dennoch: «Der Märzumsatz ist im Vergleich zum letzten Jahr um 2 Prozent gestiegen.» Die Krise aber, die sei noch lange nicht vorbei.

Legende: Video «Die guten alten Zeiten kommen nicht zurück», sagt Milan Prenosil von der Zürcher Cityvereinigung abspielen. Laufzeit 0:07 Minuten.
Aus News-Clip vom 26.04.2018.

Der Schweizer Detailhandel hat seit dem 15. Januar 2015 vier Milliarden Franken verloren – als die Schweizerische Nationalbank den Euromindestkurs von 1.20 Franken aufhob. Die Verteuerung des Schweizer Frankens führte dazu, dass die Kunden vor allem im Internet oder im Ausland einkaufen.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Liebe Zürcher, das selbe Problem haben wir auch in Basel. Die Freie Strasse war einmal eine Strasse wo man schöne und edle Ware anschauen und kaufen konnte. Heute sind es meist Billigläden ohne Flair , Das gute Verkaufspersonal wurde durch Personal ersetzt welche von tuten und blasen keine Ahnung hat. Billig muss es sein. Mit den Parkhäusern das selbe Lied.
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  • Kommentar von Heidy Rüegg (heidy70)
    In ZH geb. und aufgewachsen. Schon in den 50er Jahren kostete ein Abendkleid bei Feldpausch sfr 1000.- Ich weiss nicht wie oft ich vor dem Schaufenster stand, und es bewunderte, aber ich hatte schon damals nie an der Bahnhofstr. eingekauft. denn an der Bahnhofstr. gab es nur teure Geschafte. Wie das Heute ist weiss ich nicht, denn seit mehr als 50 J. wohne ich nicht mehr Zürich.
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    1. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Ich kam in den 90ern das erste Mal in die Schweiz. Als Touristin, Studentin mit osteuropäischem Portemonnaie habe mich in ein sensationelles Abendkleid verliebt. Das Stück kostete auch ziemlich genau CHF 1000,- Ich stand auch vor dem Schaufenster und sinnierte darüber, dass es tatsächlich Leute gibt, die sich sowas leisten können. Krasses Gefühl! Später, hier lebend, habe ich ein Spiel daraus gemacht, mit meinen ostEU-Besuchern die teuersten Stücke der Strasse zu suchen. Die Zeit ist legendär.
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  • Kommentar von B Näf (uluru)
    Zürich zeigt mir deutlich, dass ich mit dem Auto unerwünscht bin. Also bleibe ich weg.
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