Zum Inhalt springen

Schweiz Zugkollision in Rafz (ZH): Lokführer-Aspiranten im Führerstand

Sechs Personen sind am Morgen bei einer Zugkollision beim Bahnhof Rafz (ZH) verletzt worden. Eine S-Bahn und ein Interregio-Zug der SBB streiften sich seitlich auf der Bahnhofausfahrt Richtung Schaffhausen. Im Führerstand beider Züge befanden sich Ausbildungslokführer und Lokführer-Aspiranten.

Legende: Video Zugkollision fordert sechs Verletzte abspielen. Laufzeit 7:18 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 20.02.2015.

Um 6.43 Uhr stiessen in Rafz (ZH) eine S-Bahn und ein Interregio-Zug in einer sogenannten Flankenfahrt seitlich zusammen. Laut der Kantonspolizei Zürich sind dabei sechs Personen verletzt worden.

Unter ihnen befindet sich der schwerverletzte 49-jährige Lokführer. Die Feuerwehr musste ihn aus dem Führerstand der Lokomotive befreien. Er wurde mit einem Helikopter der Rega ins Spital geflogen.

Bei der Kollision wurden fünf Passagiere leicht verletzt, wie die Kantonspolizei Zürich mitteilte. Sie mussten mit Ambulanzfahrzeugen ins Spital gefahren werden. Dabei handelt es sich um drei Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 25 und 46 Jahren. Wie viele Passagiere insgesamt in den Zügen waren, ist gemäss SBB-Sprecher Daniele Pallecchi noch unklar.

Ein Care-Team der SBB war für die Betreuung der Betroffenen vor Ort. Die Hotline wurde inzwischen eingestellt. In Rafz, Bülach, Jestetten und Schaffhausen bleiben bis auf weiteres SBB-Kundenbetreuer im Einsatz.

Beide Lokomotiven doppelt besetzt

Beide Züge wurden jeweils durch einen Ausbildungs-Lokführer und einen Lokführer-Aspiranten gesteuert. Es ist unklar, ob diese Personalbesetzung etwas mit der Kollision zu tun hat.

Aspiranten sind gemäss SBB-Sprecher aber keineswegs Anfänger, sondern dürfen bereits Züge lenken. Sie werden dabei aber noch von einem erfahrenen Lokführer beaufsichtigt. Die SBB klärt nun ab, ob in den beiden Zügen gerade die Aspiranten am Steuer waren oder die Ausbildner.

Flankenfahrt bei Ausfahrweiche

In Rafz fuhr am frühen Morgen der verspätete Interregio-Zug von Zürich nach Schaffhausen auf dem Aussengleis durch den Bahnhof. Gleichzeitig nahm auch eine S-Bahn die Fahrt in die gleiche Richtung auf. Bei der Ausfahrweiche Richtung Schaffhausen kollidierten dann die beiden Züge seitlich. Wie SBB-Mediensprecher Stefan Wehrle erklärte, seien beide Züge nicht mit hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen.

Legende: Video Zugunglück trotz modernster Sicherheitsanlagen abspielen. Laufzeit 3:33 Minuten.
Aus 10vor10 vom 20.02.2015.

Bei dieser Flankenfahrt entgleiste der Interregio-Zug. Die Lokomotive und fünf Waggons des Interregio sprangen aus den Schienen, zwei Waggons neigten sich zur Seite. Die S-Bahn-Komposition blieb relativ unbeschädigt. Der entstandene Sachschaden ist gemäss SBB noch nicht abschätzbar.

Die beiden Züge standen am Morgen unmittelbar nach dem Bahnhof Rafz in Richtung Schaffhausen. Der leicht gekippte Interregio-Zug musste gesichert werden. , Link öffnet in einem neuen Fenster

Die Bergung der beschädigten Züge und die Instandstellungsarbeiten an der Geleiseanlage begannen am Freitagnachmittag. Rund 60 Meter Geleise müssen erneuert und ein zerstörtes Mast-Fundament ersetzt werden. Bei der sich an der Unfallstelle befindenden Brücke wurden keine Schäden festgestellt.

Legende: Video Blick auf die Unfallstelle in Rafz abspielen. Laufzeit 0:34 Minuten.
Vom 20.02.2015.

Unterbruch bis Betriebsschluss

Laut der SBB ist die Linie Bülach-Schaffhausen zwischen Hüntwangen-Wil und Jestetten für den Bahnverkehr bis Mitternacht unterbrochen. Der Regionalverkehr wird mit Bussen sichergestellt.

Reisende von Zürich nach Schaffhausen und weiter nach Stuttgart müssen über Winterthur fahren. Von dort verkehren doppelstöckige S-Bahn-Züge nach Schaffhausen. Die Interregio-Züge zwischen Schaffhausen und Zürich fallen bis auf weiteres aus. Für die abendliche Hauptverkehrszeit werden Verstärkungszüge eingesetzt, teilte die SBB mit. Internationale Züge verkehren über Winterthur–Andelfingen.

Voraussichtlich bis zum fahrplanmässigen Betriebsbeginn am Samstagmorgen sollten die Gleise 1 bis 3 in Rafz für die Abwicklung des Zugverkehrs wieder zur Verfügung stehen.

Modernste Sicherheitstechnik

Die Strecke zwischen Hüntwangen und Rafz war ab 2009 als Doppelspur ausgebaut und der Bahnhof in Rafz modernisiert worden. Neben dem bisherigen Zugsicherungssystem «Integra Signum» wurde damals zusätzlich das moderne System «ZUB» installiert.

«Integra Signum» warnt den Lokführer beim sogenannten Vorsignal, wenn der Zug auf ein Haltesignal zufährt. Hält der Lokführer nicht an, wird der Zug automatisch abgebremst. Das System «ZUB» wiederum überwacht die Geschwindigkeit des Zuges zwischen Vor- und Hauptsignal. Wie es dennoch dazu kam, dass die S-Bahn seitlich in den Schnellzug prallte, wird nun abgeklärt.

Flankenfahrt

Blick vom Bahngeleise in Richtung Weiche, wo die beiden Züge seitlich kollidierten
Legende: Keystone

Eine Flankenfahrt ist eine seitliche (Streif-)Kollision von zwei Zügen an einer Stelle mit einer Weiche oder Gleiskreuzung, wo sich die beiden Fahrzeuge zu nahe kommen und touchieren. Ursache kann eine falsch gestellte Weiche oder Signal sein, aber auch ein nichtbeachtetes Signal.

19 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Daniel Schenker, Bern
    Alles Beste und Gute den Betroffenen. Der Otto-Normalverbraucher hat nicht die geringste Vorstellung über die technische und organisatorische Komplexität, Vielfalt und Umfang eines flächenmässigen Vollbahnbetriebes. Er meint, dies sei so simpel und überschaubar wie in seinem Industrie-Betrieb an einem oder zwei Standorten. Oder er meint der Bahnbetrieb habe etwas mit seinen Erfahrungen im Strassenverkehr gemein , spricht dann von Ampeln statt Signalen, usw.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Adriano Granello, Zürich
      Bei der Bahn handelt es sich im Gegensatz zum Strassenverkehr um ein geschlossenes System, das grundsätzlich zentral gesteuert und zusätzlich flächendeckend überwacht werden kann (fest definierte Sollzustände). Die Automatisierung ist im Gegensatz zu früher inzwischen so weit fortgeschritten, dass in Fällen wie diesem fast nur menschliches Versagen in Frage kommt (Überfahren von Halt zeigenden Signalen und / oder fahrlässiges Überbrücken von Sicherungs-Einrichtungen durch den Lokführer).
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Schreier Barbara, Rüti Zh
    allen Helfern und Notärzten caerteam sbb Mitarbeiter unfallbeteilligen schönes Wochenende gute Erholung nach dem Stress gute Besserung da wo das braucht! Eine tägliche Pendlerin zwischen Rüti zh und pfäffikon zh
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Unfaelle gibt es und wird es immer geben.. der Hinweis, dass "Lehrlinge" im Fuehrerstand waren finde ich ueberfluessig..., sie waren ja offensichtlich zusammen mit Lehrbeauftragten und DIE gehoeren zu den Besten ihres Faches!!! Wetten das technisches Versagen die Ursache ist.. weil der Lokfuehrer hat ja genaue Vorgaben wann er zu fahren hat und wie schnell.. der Rest ist fremdgesteuerte Technik! Es sei denn man hat in der Steuerzentrale gepatzt!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von H. Labhardt, Pfäffikon
      Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass die allermeisten Unfälle menschliche Ursachen haben, bei Bahn-, Flugzeug- wie Autoverkehr. Umso schlimmer, dass 4 Lokführer, davon 2 Experten so was nicht verhindert haben. Jedes Jahr fahren ca. 80 Lokführer über ein Rotlicht, das weiss auch die SBB und führt ja Buch dazu (muss sie auch), nur die Technik verhindert Schlimmeres.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hans Knecht, Trony
      H. Labhardt, es wäre noch interessant zu unscheiden welche Personen aus welchem Grund den Fehler verursachten. Machmal ist es der Endanwender, manchmal aber der Entwickler der ein schlechtes Mensch-Maschine-Interface oder unrealistischen Abläufe Fehler verursachten. Und manchmal sind es auch Führungskräfte die einfach manipulieren und "Druck" aufsetzen um etwas schneller zu sein. Man will doch kein Mitarbeiter sein der versagt und im Dialog und Arbeitszeugnis ein "arbeitet ineffizient" haben?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Fritz Walper, Embrach
      Und die Technik wurde von der Technik erfunden oder von Menschen?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen