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Staatsbesuch aus China Zwerg und Riese in Harmonie

Die Schweiz zählt gerade einmal ein Drittel der Einwohner von Shanghai. Was muss sich China mit seinen 1,3 Milliarden Menschen also um so einen Zwerg kümmern? Mehr als man denkt. Die Schweiz geniesst bei Chinas Regierung hohes Ansehen. Doch es gilt einige Regeln zu beachten.

Zwei Personen rücken die Schweizer und die chinesische Flagge zurecht
Legende: Alles muss passen: Harmonie wird in Chinas Diplomatie gross geschrieben. Keystone/Archiv

Metaphern verstehen: Harmonie ist in China mehr als ein Schlagwort: Die Vision einer harmonischen Gesellschaft prägt schon Jahrhunderte das Denken chinesischer Philosophen und Meinungsträger. Und dieses Denken schlägt sich denn auch gerne im Vokabular des Propagandapparates nieder.

In der Lehre, wo Himmel und Erde Eins sein sollen, Gut und Böse harmonieren, das Ying nicht ohne das Yang auskommt, braucht auch der Riese den Zwergen und umgekehrt. Wer Chinas Propagandaapparat verstehen will, tut gut daran, sich solche Metaphern immer wieder vor Augen zu führen. Dies gilt besonders auch für uns Journalisten, die hier arbeiten.

China will in der Schweiz gut dastehen, wenn der mächtige Xi Jinping nach Europa reist.
Autor: Pascal NuferSRF-Korrespondent, Shanghai

Verbales Schattenboxen: Sie klingt wie ein Befehl, die kurz gehaltene Einladung, die alle in China akkreditierten Schweizer Journalisten Anfang Januar ins Propagandaministerium ruft. Schnell wird klar, dass die Einladung in Zusammenhang mit dem Staatsbesuch Xi Jinpings steht. Doch auch in den darauf folgenden Telefonaten und Kurznachrichten wird das nie so richtig erwähnt.

Es ist einer der schlimmsten Smog-Tage des Jahres, als sich in einem viel zu grossen Empfangsraum in Pekings Propagandaministerium schliesslich vier Schweizer Journalisten und etwa doppelt so viele Staatsbeamten gegenübersitzen und eine Art verbales Schattenboxen betreiben.

Der Minister persönlich erklärt uns Journalisten schliesslich, worum es geht: China will in der Schweiz gut da stehen, wenn der mächtige Xi Jinping nach Europa reist.

Der Besuch in der Schweiz ist aus chinesischer Sicht vor allem deshalb wichtig, weil Davos in der Schweiz liegt.
Autor: Pascal NuferSRF-Korrespondent, Shanghai

Lange Freundschaft: Der Staatsbesuch sei wichtig und wie immer, wenn das offizielle China etwas zur Schweiz sagt, betont auch er: « China und die Schweiz pflegen eine besondere Freundschaft – und vor allem eine besonders lange.»

Legende: Video FOKUS: Wer ist Xi Jinping? abspielen. Laufzeit 4:10 Minuten.
Aus 10vor10 vom 13.01.2017.

Dass die Schweiz zu den ersten Ländern gehört, die China als Staat anerkannten und auch später zu den ersten gehörte, die China als Marktwirtschaft ernst nahmen, wird gerne herausgestrichen. Solche historischen Fakten vergisst die chinesische Regierung nicht so schnell. Doch auch die Entgleisungen beim letzten Staatsbesuch von Jiang Zemin bleiben den Chinesen bis heute in Erinnerung. Angesprochen werden die tibetfreundlichen Proteste, die Jiang Zemin zum explodieren brachten in diesem Treffen nicht offen. Doch es ist klar, dass man diesmal alles versuchen will, um ein Treffen in Harmonie abzuhalten.

Der Besuch in der Schweiz ist aus chinesischer Sicht aber vor allem auch deshalb wichtig, weil Davos in der Schweiz liegt: Das WEF und der Auftritt Xi Jinpings so kurz vor der Amtsübernahme von Donald Trump nehmen denn im Medienbriefing auch weit mehr Platz ein als das Treffen mit der Schweizer Bundespräsidentin.

Das Freihandelsabkommen kommt noch kurz zur Sprache und dann werden Gruppenfotos gemacht. Denn am Bild von Harmonie und Freundschaft soll wenn immer möglich festgehalten werden.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Nur 4 akkreditierte Journalisten der gesamten Schweiz in ganz China. Kein Wunder sind wir so katastrophal schlecht informiert über all die Fortschritte in diesem Riesenreich.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Ach wissen Sie, wenn man im Main-Stream tätig ist schreibt der eine vom anderen Journalisten ab und das oftmals noch nach Vorgabe von oben herab oder journalistischer "Duktus-Errungenschaften". Da braucht es eh nicht mehr so viele Sachkundige vor Ort, das kostet nur viel Geld. - Haben Sie noch nicht bemerkt wie das heute läuft?
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Es wird keinen Bergkristall mehr von Alt BR Ogi brauchen - Chna hat allen Grund in die Schweiz zu kommen - weiss es doch, welche Schätze hier verborgen sind . Über 700 Jahre Schweiz, macht doch auch bei den Chinesen Eindruck . Und wer den Zwerg nicht achtet könnte den Zugang zu wertvollen Informatioen sich verwehren.
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  • Kommentar von Erwin Jenni (ej)
    Ja, die liebe Schweiz und ihre Regierung. Da darf nichts schiefgehen, denn es kommt jemand, von dem man sich viele zusätzliche Milliarden erhofft. Das haben Despoten so an sich, dass sie sich schnell beleidigt fühlen. Die Schweiz hat eine lange Tradition im Umgang mit Diktatoren und deren Vermögen. Diese erneute Anbiederung an ein Staatsoberhaupt, dessen Regierung die Menschenrechte mit Füssen tritt, erzeugt bei mir eine tiefe Ablehnung gegenüber unserer eigenen Regierung!
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