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Wahlen 15 Nachwahlbefragung: Die drei Gründe für den Sieg der SVP

Die SVP hat nicht etwa gewonnen, weil sie den anderen Parteien Wähler abjagen konnte. Viel entscheidender für den Sieg war eines: Die Partei hat viele neue Wähler mobilisieren können, die 2011 nicht gewählt haben.

Legende: Video Neuwähler sind Rechtswähler abspielen. Laufzeit 7:22 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.10.2015.

40 Prozent jener Menschen, welche 2011 nicht gewählt haben und sich bei diesen Wahlen wieder mobilisieren liessen, stimmten für die SVP. «Letztes Jahr war die SP die Partei, die am meisten neue Wähler mobilisieren konnte. Bei diesen Wahlen war es die SVP», sagt Politikwissenschafter Claude Longchamp. Diese Mobilisierung der SVP sei viel wichtiger für den Ausgang der Wahlen gewesen, als die Wechselwähler.

Es waren vor allem die Bürger mit wenig Vertrauen in die Staatsbeamten und die Protestwähler, die die SVP als neue Wähler erreichte. «Bürger, die eher aus den unteren Bildungsschichten kommen», so Longchamp.

Der Politologe sieht drei Gründe, warum die SVP diese Wähler zur Urne bringen konnte:

  • Die SVP hat über Jahre konsequent die Asylpolitik als Thema durchgezogen und konnte wohl am Schluss von den aktuellen Flüchtlingsströmen profitieren.
  • Die Partei hat einen Wahlkampf gemacht, der ankam. Das Video mit dem SVP-Song war Ausdruck dafür.
  • Die Partei vermochte Zielgruppen zu mobilisieren, die wenig politisch denken. Menschen also, die sonst eher nicht an die Urne gehen.

«Man konnte von den Kritikern der SVP oft hören, die Partei habe einen inhaltslosen Gaga-Wahlkampf betrieben», so Longchamp. Er halte den Vorwurf selber für Gaga. Die SVP habe es ausgezeichnet geschaft, gerade mit dem Video-Clip für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Vertrauen in Bundesrat ist intakt

Das Parlament wird im Dezember den neuen Bundesrat wählen. Auf die Frage, wie der Bundesrat zusammengesetzt sein soll, wollen 38 Prozent den Status quo beibehalten. 26 Prozent finden, alle grossen Parteien, also SVP, SP und FDP sollen je zwei Sitze erhalten, die CVP einen Sitz.

Ganz im Gegensatz zum Ausland ist in der Schweiz das Vertrauen in die Arbeit des Bundesrates intakt. 72 Prozent bringen der Landesregierung ein mittelhohes bis sehr hohes Vertrauen entgegen. Ein Wert, der Longchamp überrascht hat.

Am glaubwürdigsten ist Aussenminister Didier Burkhalter (82 Prozent), gefolgt von Energie-und Umweltministerin Doris Leuthard (75 Prozent), Innenminister Alain Berset (74 Prozent) und Finanzministerin Widmer-Schlumpf (70 Prozent). Schlusslicht ist Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (56 Prozent).

SVP-Wähler und Widmer-Schlumpf

Im Speziellen hat das Team von Longchamp die Glaubwürdigkeit von Eveline Widmer-Schlumpf evaluiert. «Widmer ist im linken Lager stark verankert, geniesst aber auch innerhalb der SVP-Wähler mit 44 Prozent eine überraschend hohe Glaubwürdigkeit.» 18 Prozent der SVP-Symphatisanten finden, Widmer-Schlumpf sei weder glaubwürdig, noch das Gegenteil davon.

«Das Bild, das sich SVP-Wähler über Widmer-Schlumpf machen, deckt sich somit nicht unbedingt mit dem Bild der SVP-Parlamentarier», so Longchamp.

Die Befragung machte das Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag der SRF SSR. Es wurden 1017 Personen befragt, die an den Wahlen teilgenommen haben. Die Befragung fand am 18. Oktober von 12 bis 18 Uhr statt.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
    Weil Sie am meisten Marktschreier haben. Und weil der Wähler zu Faul ist nachzuprüfen ob Diese Damen & Herren auch so Handeln wie Sie schreien, das gilt auch für die Linken. Die Mitte soll die Ve3rsprechungen die die Linken und die SVP Ihren Wählern macht dann Umsetzen, wenn es dann nicht 100 % gelingt sind Sie die Versager. Ich Betrachte das Parlament nach folgendem Grundsatz: Urteile nicht einen Menschen nach dem was Er sagt, sondern wie Er handelt. Den sagen kann man viel.
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  • Kommentar von Jürg Sand (Jürg Sand)
    Da müssen aber, will man es logisch argumentieren, mindestens ebensoviele, wie diesmal als Wähler hinzukamen, nicht mehr gewählt haben. Die Wahlbeteiligung war ja bekanntlich leicht geringer. Woher dann die Neuwähler der SVP? Sind viele ehemalige SVP-Wähler diesmal nicht zur Urne gegangen und überproportional viele Neuwähler SVP-Freunde? Na, lassen wir das, viele sind der Meinung es reicht!
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  • Kommentar von Lutz Bernhardt (lb)
    Neue Wähler sind mehrheitlich «Bürger, die eher aus den unteren Bildungsschichten kommen», so Longchamp. Früher gab's die Begriffe "Proleten" und "Bauern" für die unteren Bildungsschichten. Insbesondere die "Proleten" müssten doch die Stammwähler der SP sein! Oder will Herr Longchamp damit ausdrücken: "Nur die Dummen wählen SVP!"? Formaler Bildungsabschluss und Intelligenz sind noch immer nur schwach korreliert. Meine Vorfahren waren Bauern ("untere Bildungsschicht"), aber hochintelligent!
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    1. Antwort von Simon Nussbaumer (SN)
      Guten Tag Die Einteilung in eine Bildungsschicht hängt von dem schulischen Abschluss einer Person ab. Angehörige der untersten Bildungsschicht haben eine Real/SekAbschluss ohne Berufsbildung. Angehörige der obersten Bildungsschicht haben eine Universitätsabschluss oder einen Doktortitel. Wie Sie meiner Meinung nach richtig bemerkt haben, lässt sich davon nicht auf die Intelligenz schliessen. Die Bildungsschicht kann man (ine einer Nachbefragung) im Gegensatz zur Intelligenz bestimmen.
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    2. Antwort von Simon Nussbaumer (SN)
      Bauer ist ein Beruf. Es gibt Bauern, welche Agrarwirtschaft studiert haben. Deshalb lässt sich das nicht dem Grad der Bildung vergleichen. "Prolet" ist ein aus meiner Sicht veralteter Begriff für ein Angehöriger der untersten Gesellschaftsschicht. (Hat auch nichts mit Bildung oder Intelligenz zu tun.)
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    3. Antwort von Paul Hänger (basilea@gmx.de)
      Der SVP Polemik vorwerfen und die Wähler als Stimmvieh verkaufen ist das, was die frustrierte Verliererseite nach den Wahlen macht. Sehr viele Schweizer durch alle Alters- und Bildungsschichten wählen SVP, Arme wie gut Verdienende. Die ganze Propagandamaschine der Medien, welche immer nur die Linke Seite gestützt hatte funktioniert zum Glück nicht mehr ! Es ist jetzt Zeit die Probleme anzugehen und aktiv zu handeln statt die Probleme nur in die länge zu ziehen und Tod zu reden.
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