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Wahlkampf Wer steht bei der AKW-Stilllegung auf der Bremse?

Das AKW Mühleberg geht 2019 vom Netz. Was mit den anderen drei Atomkraftwerken passiert, entscheidet das Parlament nach den Wahlen. In welche Richtung es geht, ist bei gewissen Parteien nicht mehr so klar wie nach Fukushima.

Sticker von Greenpeace mit der Aufschrift 40 Jahre sind genug, was sich auf das AKW Beznau bezieht.
Legende: Schluss mit Atomstrom heisst es bei linken, grünen und Mitteparteien. Keystone

Zuerst die wichtigsten Wünsche des Bundesrats, die Kernpunkte der sogenannten Energiewende: Die Schweiz baut keine neuen Atomkraftwerke. Die fünf bestehenden dürfen dafür so lange laufen, wie sie die Aufsichtsbehörde für sicher hält. Der Staat steckt fast doppelt so viel Geld wie heute in erneuerbare Energien, in Sonne, Wasser, Wind. Ab 2021 wird Energie dann durch eine sogenannte Lenkungsabgabe verteuert, damit die Leute weniger davon verbrauchen.

Bürgerliche befürchten hohe Kosten

Das alles lehnen die bürgerlichen Parteien SVP und FDP ab, denn sie befürchten hohe Kosten und wollen keine neuen Gebote und Verbote. SVP-Nationalrat Hans Killer: «Wind und Sonne werden nie in der Lage sein, jene Mengen regelmässig herzustellen, die es braucht, um die Kernenergie ersetzen zu können.»

FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen ergänzt: «Wir sind überaus kritisch gegenüber dieser Energiepolitik. Denn das simple Verteilen von Subventionen in Technologien, die nicht marktreif sind, ist für uns keine gute Politik.»

Durchgesetzt haben sich die Bürgerlichen im Parlament aber bisher nicht, und zwar wegen der Mitte-Links-Allianz, die für die Energiewende ist. CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt spricht für diese Mitte, für seine eigene Partei, die BDP und die Grünliberalen: «Der Weg der Energiestrategie ist bisher der einzige Weg. Und weil es ein guter Weg ist, befürworten wir diese Energiestrategie.»

Die Energiewende bringe inländische, saubere und bezahlbare Energie. Allerdings bröckelt die Mehrheit für die Energiepolitik der eigenen Bundesrätin Doris Leuthard bei der CVP; CVP-Politiker kritisieren vermehrt die hohen Subventionen für erneuerbare Energien und die geplante Lenkungsabgabe.

Grüne wollen schneller vorwärts kommen

Das muss die SP und die Grünen beunruhigen, denn sie halten Atomkraftwerke für zu gefährlich und wollen eine grüne, klimafreundliche Schweiz – und zwar schnell. SP-Nationalrat Eric Nussbaumer: «Wir möchten den Umbau des Energiesystems hin zu mehr erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz schneller gestalten.»

Zum Beispiel beim Thema Beznau: Das älteste Atomkraftwerk des Landes solle sofort den Betrieb einstellen. Die Grünen sind noch radikaler: Sie fordern in einer Volksinitiative, dass alle Atomkraftwerke nach 45 Betriebsjahren vom Netz müssen. Dies hat kaum Chancen – ob das bei den Vorschlägen des Bundesrats anders aussehen wird, ist angesichts der knappen Mehrheiten im Parlament offen.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von N. Schmid (Schmid)
    Erneuerbare Energien sind bereits seit Jahrzehnten marktreif und sie werden immer wettbewerbsfähiger: Alleine im letzten Jahr wurde weltweit eine erneuerbare Kapazität von 135 GW installiert (Mühleberg hat nur 0.37 GW). Bayern produziert bereits über vier mal mehr Strom als das AKW-Mühleberg. Dänemark deckt bereits 43% seines Strombedarfes mit Windenergie und verfügt im Gegensatz zur Schweiz über kein einziges Speicherkraftwerk und hat zudem eine wesentlich geringere Übertragungskapazität.
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  • Kommentar von Thomas Berli (tomberli)
    Einmal kurz gegoogelt ergibt (www.lobbywatch.ch): "Nationalrat Killer ist mit folgenden Firmen, Verbänden und Organisationen verbunden: Kernkraftwerk Leibstadt AG, Verwaltungsrat" Noch Fragen?
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  • Kommentar von Mike Steiner (M. Steiner)
    Hinfort mit dem alten, unrentablen Schrott. Ersatz durch EIN Werk neuster Technologie mit einem Bruchteil an Abfall und Risiko, und zwar in Kavernen-Bauweise wie in Lucens. Fertig.
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    1. Antwort von tom schneeberger (tomm)
      EIN zentrales Werk? Und den Strom füllen wir dann in Säcke ab und karren ihn zu den Kunden? Nein, die Stromzukunft ist dezentral und smart vernetzt. Schon heute verheizen wir buchstäblich mind. die Leistung eines kleineren AKWs rein mit den Transportleitungen. Ausserdem führt kein Weg an einer Reduktion des Energiehungers vorbei. Suffizienz. Weniger brauchen, weniger produzieren.
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