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10 Jahre nach der Finanzkrise Beim Volk ist die UBS noch immer nicht voll rehabilitiert

2007 wurde die UBS in den Strudel der Finanzkrise gesogen, der Staat musste sie retten. Seither macht sie vieles besser – wenn auch nicht alles.

Symbolbild: UBS-Schriftzug an einem Gebäude, fotografiert durch einen Baum hindurch.
Legende: 2007 geriet die UBS in Schieflage. Vollständig erholt hat sie sich bis heute nicht. Imago

Der happige Quartalsverlust der UBS vom Oktober 2007 war erst der Anfang. Wie gross die Misere bei der Grossbank damals tatsächlich war, zeigte sich erst allmählich. Tobias Straumann, Wirtschafts- und Finanzhistoriker der Universität Zürich kann sich noch gut an die ersten Gerüchte auftauchten: «Kurz darauf kamen die grossen, historisch beispiellosen Abschreiber.»

Folgenreicher Management-Fehler

Warum die UBS so gefährlich in den Strudel der Finanzkrise geraten war, untersuchte Straumann 2010 in einer Studie. Er kam zum Schluss, dass sich die Risiken im Investmentbanking ausser Kontrolle befanden. Die Konzernleitung hatte sträflich unterschätzt, wie gefährlich es war, mit faulen US-Immobilienkrediten zu handeln. Es war ein schwerer Management-Fehler.

Die UBS wollte in einem sehr grossen Bereich des Investment-Bankings unbedingt aufholen. «Es ging dabei um festverzinsliche Anlagen, welche ein sehr gefährliches Geschäft darstellen, wenn man dazu nicht über sehr viel Erfahrung verfügt», so Straumann.

US-Behörden setzen UBS unter Druck

Gleichzeitig hinzu kam der Steuerstreit mit den USA. Die amerikanische Justiz warf der UBS vor, sie habe Kunden geholfen, unversteuerte Gelder vor dem Fiskus zu verstecken. Keine andere Schweizer Bank stand deswegen so sehr am Pranger wie die UBS. Doch in diesem Punkt nimmt Historiker Straumann die Bank bis zu einem gewissen Grad in Schutz.

«Bei der UBS war das Problem nicht unbedingt systematisch bedingt», betont Straumann. Das Problem habe eher bei den mangelhaft umgesetzten neuen US-Vorschriften gelegen. Die UBS habe durchaus die Absicht gehabt, die Regelungen sauber durchzusetzen. Doch sie habe dies zu wenig systematisch kontrolliert.

Die Lehman-Pleite war zuviel für die UBS

Die Folgen sind bekannt: Die UBS musste im Steuerstreit eine saftige Busse bezahlen und sie brauchte 2008 die Unterstützung des Bundes, um sich zu stabilisieren. Die staatliche Rettungsaktion wäre vielleicht vermeidbar gewesen, wenn im September nicht die grosse US-Investmentbank Lehman Brothers bankrott gegangen wäre, sagt Historiker Straumann.

Vieles ist inzwischen besser geworden

Seither hat die UBS ihr Geschäftsmodell umgekrempelt. In der Vermögensverwaltung will sie nun nur noch versteuerte Kundengelder akzeptieren, wie sie stets betont. Dieses Geschäft mit den Reichen und Superreichen auf der ganzen Welt steht im Zentrum der neuen Strategie der Bank. Das riskante Investmentbanking dagegen, in dem in der Krise die Verluste mit US-Ramschpapieren angefallen waren, fuhr die UBS massiv zurück.

Tatsächlich sei vieles besser geworden, attestiert Straumann. «Man hat aufgeräumt und versucht, ähnliche Fehler zu vermeiden.» Die UBS habe die Bilanzssumme zurückgefahren, das Geschäftsmodell geändert und sie finde sich damit ab, dass die Gewinne nicht mehr so hoch seien. «Man hat einen guten Eindruck», so Straumanns derzeitiges Fazit.

Doch perfekt ist die Erneuerung selbstverständlich nicht. Da sind zum Beispiel die juristischen Altlasten, die die Bank noch bereinigen muss. Auch beim Sicherheitskapital muss sie schauen, dass sie die strengen Vorgaben der Behörden erfüllen kann.

Keine Akzeptanz der Banker-Millionenboni

Für Straumann fällt ein anderer Punkt aber mindestens so schwer ins Gewicht: Das Ansehen der UBS in der Öffentlichkeit hat durch die Krise von 2007/2008 Schaden genommen. Das spüre man bis heute deutlich. So sei beispielsweise die harsche Kritik der Medien an überrissenen Boni der UBS-Banker ein Symptom für das tiefer liegende Problem der «Entfremdung von Banken und Öffentlichkeit», wie der Historiker es nennt.

«In den 80er- oder 90er-Jahren galten die Banken als Teil der Schweiz, man war stolz auf sie», stellt Straumann fest. Doch die Entfremdung aufgrund der Schieflage in der Finanzkrise vor zehn Jahren sei bis heute noch nicht wett gemacht.

Dass die UBS diesen Sympathie-Mangel bald zum Verschwinden bringen kann, bezweifelt Straumann. Denn die hohen Boni bei den Banken würden die Leute immer wieder daran erinnern, wie gross die Distanz zwischen Normalverdienern und Top-Managern im Finanzsektor sei.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    warum menschen, die nicht gerade zu den grosskunden gehören, bei einer der beiden grossbanken bleiben, die zum beispiel über jahre hinweg keine gewinnsteuer entrichtet haben, und somit ganz klar dem staat, der gemeinschaft und den hier lebenden menschen substrat entziehen und entzogen haben?...wäre doch wirklich ein grund sich einen wechsel zu überlegen. es wurde hier erwähnt, kleinkunden sind peanuts, doch machen es ein paar und immer mehr, vor allem auch, weil es gute alternativen gibt..
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  • Kommentar von Willi Fetzer (wi)
    Und der "Eros Ramazotti" der UBS droht doch schon wieder mit dem Wegzug der Bank aus der Schweiz! Sollen die Gangster doch endlich abhauen!
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    ich weise gern darauf hin, es gibt banken, die sich anderen grundsätzen als investionen in die rüstungsindustrie, den kohleabbau oder sonstige umweltzerstörende firmen und tätigkeiten verschrieben haben...lassen sie ihre kröten wandern >>> unter der global alliance for banking on values haben sich diese zusammengeschlossen. kernpunkte dieser form von socialbanking sind transparenz, nachhaltigkeit und vielfalt. oft auch regionale projekte unterstützend und fördernd..ein lichtblick.
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