Banken könnten Reiche bald zur Kasse bitten

Geld machen mit Schulden: Immer mehr Städte erhalten von Banken Geld zu Negativzinsen. Kann das gut gehen? «Nein», sagt Maurice Pedergnana, Professor und Banken-Spezialist an der Uni Luzern. Er rechnet damit, dass die Banken die Konti reicher Kunden deshalb bald negativ verzinsen werden.

Schweizer Geldnoten liegen auf einem Tisch.

Bildlegende: Für Banken unter dem Strich eine schwierige Situation: Im Moment erhalten Städte Geld zu Negativzinsen. Keystone

SRF News: Städte wie Bern, Basel und St. Gallen erhalten im Moment von Banken Geld zu Negativzinsen. Lohnen sich solche Geschäfte für die Banken unter dem Strich?

Maurice Pedergnana: Nein. Unmittelbar können sie kein Geschäft damit machen. Es ist eher so, dass die Banken auf diesem Weg weniger verlieren, als wenn sie das Geld anderswertig anlegen. Denn stellen sie die überschüssige Liquidität beispielsweise der Nationalbank zur Verfügung, werden sie mit minus 0,75 Prozent bestraft. Wenn die Bank also nur 0,1 oder 0,2 Prozent drauflegt, dann verdient sie relativ betrachtet mit diesem Vorgehen. In absoluten Zahlen verlieren die Banken im Moment aber so oder so Geld.

Schauen wir uns die Situation der Sparer genauer an, die ihr Geld auf die Bank tragen. Müssen sie damit rechnen, dass die Banken ihre Negativzinsen auf sie abwälzen und sie bald zahlen müssen, wenn sie ihr Geld deponieren wollen?

Das Zinsgeschäft, die Haupteinnahmequelle der Banken, ist pervertiert, es läuft in die falsche Richtung. Auf die Dauer kann das nicht gut gehen. Banken mit vielen Kunden, die ihnen viel Geld bringen, werden Negativzinsen einführen müssen. Die Frage ist nur, wo die Banken die Limite setzen werden: Bei einer halben Million? Bei einer Million?

Wann werden die Banken diese Konti negativ verzinsen?

Die Banken könnten das bereits im dritten oder vierten Quartal kommunizieren. Firmenkunden und Pensionskassen werden schon heute so behandelt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Banken insbesondere Grosskunden, die über viel liquide Mittel verfügen, so bedienen. Im Moment werden diese Kunden mit einem Null-Prozent-Zins extrem subventioniert.

Das Gespräch führte Barbara Widmer.

Professor Pedergnana erklärt die Bank-Bilanz in Schieflage

Normalerweise ist es so, dass die Kundengelder auf der rechten und die Hypothekarforderungen der Banken auf der linken Seite einer Banken-Bilanz stehen. Auf der linken Seite sollte die Bank mehr Zinsen kriegen, als sie auf der rechten Seite dem Kunden bezahlen muss. Wenn nun der Kunde auf der rechten Seite der Bilanz zu null Prozent Zins unlimitiert Geld hinterlassen kann, die Bank aber auf der linken Seite der Bilanz Geld verliert, dann ist das eine äusserst ungesunde Situation für die Bank.

Maurice Pedergnana

Maurice Pedergnana

hslu

Er ist Professor und Banken-Spezialist an der Universität Luzern.