Biotech-Branche: Wo Erfolg und Scheitern nah beieinander liegen

Will eine Pharmafirma heute ein Medikament entwickeln, so geht das meist nicht mehr ohne Biotechnologie. Enzyme, Bakterien, Zellen oder ganze Organismen werden verwendet, um neue Arzneimittel zu finden oder neue Diagnosemethoden zu entwickeln.

Vor einem Gebäude steht eine Säule, auf der die Namen verschiedener Firmen aufgelistet sind.

Bildlegende: Bio-Technopark in Schlieren: Junge Firmen suchen nach guten Ideen. SRF

Im Bio-Technopark in Schlieren gibt es bereits gut 25 kleine Firmen. Einzelne davon stehen noch ganz am Anfang. Andere haben in letzter Zeit die Investoren mit ihren Ideen überzeugt.

Eine dieser erfolgreichen Firmen ist Molecular Partners. Das Unternehmen ist gut zehn Jahre alt und eben an die Börse gegangen. Gegründet als Abspaltung, als Spin-off der Universität Zürich, entwickelt die Firma innovative Medikamente gegen Krebs oder altersbedingte Blindheit.

Ihre neuartige Technologie macht die Firma zu einem begehrten Partner für grosse Pharmafirmen. Kooperationen gibt es mit Allergan, Janssen und Roche.

«Es braucht eine Unternehmer-DNA»

Treibende Kraft hinter Molecular Partners ist Christian Zahnd. Dem früheren Forscher macht das neue Leben als Unternehmer Spass. «Ich glaube, bis zu einem gewissen Grad braucht es eine Unternehmer-DNA. Es ist ein Gedanke, mit dem ich immer gespielt habe.»

Wohl nicht zufällig habe er die Gruppe von Professor Andreas Plückthun an der Uni Zürich gewählt und da bereits den unternehmerischen Hintergrund gesehen, sagt der 39-Jährige. «Plückthun ist einer der Mitgründer von Morphosis, einem der erfolgreichsten Biotech-Unternehmen Europas.»

Erfolg und Misserfolg nah beieinander

An der neuen Aufgabe fasziniert Zahnd vor allem, dass er bis heute als Unternehmer dazulernt, wie er sagt. Er ist sich aber bewusst, dass Erfolg und Misserfolg in der Biotech-Branche eng zusammenliegen.

Damit junge Firmen sich gegen Risiken absichern können und vor allem, damit sie genug Zeit bekommen für die Forschung, dafür brauchen sie genug Geld. Das Vorzeigebeispiel in Sachen Geldbeschaffung ist im Bio-Technopark derzeit Molecular Partners.

Zahnds Firma ging im letzten November in der Schweiz an die Börse. Sie hat etwas mehr als hundert Millionen Franken aufgenommen, wie der Firmenchef erzählt. «Dabei handelte es sich um die dritte Finanzierung, nachdem wir zuvor zweimal Privatgeld aufgenommen hatten.»

USA risikofreudiger als Europa

Doch Börsengänge in der Biotech-Branche sind in der Schweiz immer noch die grosse Ausnahme. In den letzten fünf Jahren war der von Molecular Partners der einzige.

Logo der Firma Molecular Partners in Schlieren.

Bildlegende: In der Schweiz eher die Ausnahme: Molecular Partners ging letzten November an die Börse. Keystone

In den USA hingegen sei das Aufnehmen von Aktienkapital für junge Biotech-Firmen ein ganz normaler Vorgang, sagt Zahnd. Dieses andere Verständnis der Investoren in Sachen Risiko hat Molecular Partners selber erlebt. «Im amerikanischen Umfeld haben viele Leute grosse Augen gemacht und sich gefragt, wieso wir erst jetzt kommen. Sie fanden, wir seien überreif für den Börsengang», erzählt er.

Im europäischen Umfeld hingegen habe der Tenor gelautet, «ok, nun seid ihr reif genug dafür». Die Risikobereitschaft sei in Europa eine andere als in den USA. In Europa und auch in der Schweiz braucht es deshalb viele Gespräche mit potentiellen Investoren, bevor man an einen Börsengang denken kann.

Gute Ideen und Produkte gesucht

Doch schlussendlich ist Geld eben nur das Eine. Überleben kann man in der Biotech-Branche – ob in den USA oder in Europa – nur mit einem: Mit guten Ideen und guten Produkten. Und genau solche suchen alle Firmen im Bio-Technopark in Schlieren.

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