Ein wichtiger Lichtblick für die Finnen

Die geplante Megafusion von Nokia und Alcatel ist für die angeschlagene finnische Wirtschaft ein höchst willkommenes Signal. Gleiches gilt für die Politik, selbst wenn in den Wahlen vom Wochenende die Konservativen unterliegen und eine Linkskoalition die Reformen weiterführen würde.

Nokia

Bildlegende: Mit Alcatel an Bord aus dem Schatten: Das Nokia-Hauptquartier in Espoo hat grosse Pläne. Keystone

Die Wirtschaftskrise hat den einstigen Musterschüler Finnland arg getroffen. Wichtige Branchen wie etwa der Papiersektor serbeln, die hohen Schuldenberge sind Topthema im laufenden Wahlkampf. Mit ein Grund für die Misere ist das Tief der ehemaligen finnischen Vorzeigefirma Nokia.

Dass Nokia jetzt mit dem Kauf von Alcatel für fast 16 Milliarden Euro zurück auf die grosse Wirtschaftsbühne will, ist für viele Finnen ein ganz wichtiger Lichtblick. Und es ist vielleicht auch ein bisschen die Hoffnung auf eine Wende für all jene, die sich angesichts rekordhoher Arbeitslosigkeit und Verschuldung 25 Jahre zurückversetzt fühlten – in die Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Noch immer ein wichtiger Netzwerkhersteller

Nokia soll die neue Firma auch weiterhin heissen mit dem Hauptsitz in Finnland, obwohl der ehemalige Handy-Hersteller par excellence die Entwicklung verschlafen hatte und zum «Loser» der Branche wurde. Dieser Entscheid hat verschiedene, auch geschichtliche Gründe.

So stand «Nokia» lange Zeit für Reifen, Autotechnik und Gummistiefel. Die Firma war allerdings in den letzten 25 Jahren vor allem auch Netzwerkhersteller für die Infrastruktur der Mobiltelefonie. Dies ist das Unternehmen geblieben, nachdem das Handy-Geschäft abgestossen war. Auf dieser Stärke will man nun aufbauen und kann mit der Übernahme von Alcatel zu einem Grossen der Welt werden. Und damit auch den Konkurrenten Ericsson aus Schweden wieder einholen, der ebenfalls vom Handy- zum Netzwerkhersteller geworden war.

Kaum Einfluss auf Reformkurs

Der Nokia-Alcatel-Deal dürfte am Rand sicher auch die Wahlen vom Wochenende beeinflussen. Für die jetzige Regierung mit Ministerpräsident Alexander Stubb von der konservativen Partei ist das ein höchst willkommenes Signal so kurz vor dem Urnengang und er hofft, davon profitieren zu können.

Trotzdem gibt es viele Anzeichen für einen Linksrutsch. Das hiesse dann vielleicht, dass das bäuerliche Zentrum zur grössten Partei wird und zusammen mit den bereits mitregierenden Sozialdemokraten eine neue Koalition bilden wird.

Auch bei einer allfälligen politischen Neuausrichtung wird Finnland seinen Reformkurs aber weiter vorantreiben müssen – ungeachtet des Nokia-Mega-Deals. Denn der Druck auf das Land ist sehr gross und man hat seit Jahren auf Sparmassnahmen und Veränderungen auch im Wohlfahrtstaat eingespurt. Die Finnen sind es sich zudem gewohnt, den Gürtel immer wieder einmal enger schnallen zu müssen.

Neuer Schwung für das Russland-Geschäft

Ein Problem der finnischen Wirtschaft bleiben die Sanktionen der EU gegen Russland. Sie treffen allerdings bisher vor allem Konsumgüter wie die finnische Milch, während die Netzwerkgeschäfte nur indirekt tangiert sind. Bereits seit Jahren arbeiten die Finnen stark mit Russland beim Ausbau des Mobiltelefonnetzes zusammen. Mit der Stärkung von Nokia ist nicht auszuschliessen, dass Russland schon bald wieder zum wichtigsten und grössten Aussenhandelspartner Finnlands wird.

Was sie wert sind

Nokia:
54'600 Mitarbeiter und 12,7 Mrd. Euro Umsatz

Alcatel-Lucent:
rund 50'000 Mitarbeiter und 13,2 Mrd. Euro Umsatz