Zum Inhalt springen

Elektroauto-Offensive Chinas Angriff auf Tesla & Co.

Autohersteller müssen sich warm anziehen: China gibt mit Elektroautos den Takt vor und will die Welt erobern.

Shanghai Nacht Autobahn
Legende: Automacht China: Das Land ist mit Elektroautos an der Spitze. SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • Chinesische Elektroauto-Hersteller drängen auf den Weltmarkt.
  • Die europäischen, japanischen und US-Hersteller versuchen, mit eigenen Elektro-Offensiven, den Anschluss nicht zu verpassen.
  • Mit der Umstellung auf Elektro droht Autozulieferern ein Stellenabbau.

Chinas Autohersteller sind mit grossen Schritten unterwegs in Richtung Westen. Aktuellstes Beispiel: Geely, der grösste private chinesische Autohersteller kauft sich mit acht Milliarden Franken bei Daimler Mercedes ein. Geely ist nun mit zehn Prozent Anteil der grösste Einzelaktionär des deutschen Traditionsunternehmens.

«China führt den globalen Markt für Elektroautos an. Was derzeit in China passiert, verändert die Märkte in Europa und den USA», sagt James Chao, Berater der Automobilindustrie in China.

Elektroauto-Boom in China

Legende: Video «Made in China» ist hip abspielen. Laufzeit 11:00 Minuten.
Aus ECO vom 05.03.2018.

China selbst ist bereits das Land mit den meisten Elektroautos der Welt. «Hier ist der grösste und am schnellsten wachsende Markt der Welt. 60% aller Elektroautos werden in China verkauft», sagt ein Vertreter von Nio, einem chinesischen Auto-Unternehmen.

Sein Vorteil: Die Regierung fördert den Verkauf von Elektroautos mit Subventionen massiv. Nicht nur die Kunden, sondern auch die Hersteller werden finanziell unterstützt.

Bald nach Europa

China will mehr: «Wir haben einen weltweiten Plan: Wir wollen in drei bis vier Jahren expandieren», heisst es bei Nio.

Auch BAIC, die Nummer vier der chinesischen Autokonzerne macht Druck aufs Ausland: «Wir haben bereits die EU-Zertifizierung. Wir werden bald nach Europa kommen», sagt Sprecher Lian Qingfeng gegenüber «ECO».

Die Busse des grössten chinesischen Autokonzerns BYD sind bereits in London und Amsterdam unterwegs, nun will BYD auch mit Autos international durchstarten: «Hauptverantwortlich für unseren Erfolg ist unsere Innovationskraft», sagt Richard Lee von BYD. Man entwickle alle drei Komponenten eines Elektroautos selbst: die Batterie, den elektrischen Motor und das elektrische Kontrollsystem. «Damit können wir uns an die Spitze der Industrie stellen», sagt Lee.

Damit können wir uns an die Spitze der Industrie stellen.
Autor: Richard LeeBYD (Grösster Autobauer Chinas)

Etablierte Hersteller unter Druck

An der internationalen Automesse in Detroit ist von einer Elektro-Offensive noch nicht viel zu spüren. Im zweitgrössten Automarkt der Welt, in den USA, dominieren die grossen Brummer: SUVS, Pick-ups und PS-starke Sportwagen.

Legende: Video Etablierte Autohersteller spüren den Druck aus China (Impressionen Automesse Detroit) abspielen. Laufzeit 0:49 Minuten.
Aus News-Clip vom 05.03.2018.

Die Autohersteller präsentieren zwar auch Elektroautos, zum Teil erst als sogenannte Konzeptautos – also Versprechen in die Zukunft.

Man habe nichts verschlafen, bei der Entwicklung des Elektroautos, sagt Herbert Diess, Vorstand und Markenchef bei VW, einem der grössten Autokonzerne der Welt. VW setze nun verstärkt auf den Elektroantrieb, ab 2020 mit einer ganz neuen Generation Autos. «Ich rechne schon damit, dass wir in dieser nächsten Fahrzeuggeneration auch deutlichen Wettbewerb aus China bekommen», sagt er.

Legende: Video Elektromobilität in den USA abspielen. Laufzeit 7:22 Minuten.
Aus ECO vom 05.03.2018.

Für VW ist China bereits heute der grösste Absatzmarkt für herkömmliche Autos – mit Verbrennungsmotoren. Bei Elektroautos hinkt man bei der Produktion hinterher. Dennoch versprüht der Chef von VW, Jochem Heizmann Optimismus: «Wir werden hier schneller grosse Volumen zu Stande bringen und wollen den gleichen Marktanteil mit unseren Elektroautos, wie im Gesamtmarkt», sagt er.

Zulieferer unter Zugzwang

Legende: Video Zulieferer unter Zugzwang abspielen. Laufzeit 8:57 Minuten.
Aus ECO vom 05.03.2018.

Für die Autozulieferer bedeutet der technologische Wandel eine riesige Umstellung. Sie müssen ihre Produktion umrüsten, damit sie den Anschluss nicht verlieren, so auch ZF in Friedrichshafen, mit 140'000 Mitarbeiter einer der grössten Zulieferer der Welt. Die Division E-Mobility produziert seit kurzem elektrische Antriebe.

Die Gewerkschaften sind besorgt, weil sie einen Abbau der Mitarbeiter befürchten. Ein Grund dafür: Für die Herstellung des Elektroantriebs sind weniger Teile nötig. ZF-Vorstandsmitglied Michael Hankel dazu: «Es ist für die gesamte Branche eine Heausforderung, was die Beschäftigung angeht». Hankel bestreitet nicht, dass es auch bei ZF einen Stellenabbau geben wird, obwohl auch neue Geschäftsfelder dazu kommen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Eva Werle (Eva Werle)
    Automesse Detroit: Protzautos mit hohem Verbrauch, viel PS und km/h? Da hat jemand die Zeichen der Zeit nicht verstanden oder will nicht einsehen, dass das Überleben der Menschheit ein bisschen wichtiger sein könnte als sein Macho-Gehabe.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Die westlichen Autobauer laufen Gefahr, denselben Fehler zu machen, den die Amerikaner im Zuge der Oelkrise 1973 gemacht haben. Dannzumal schalteten die Amis auch nicht um auf kleinere sparsamere Fahrzeuge, was den Japanern in die Hände spielte und den Rückgang der US-Autoindustrie in die Wege leitete. Ich vermute, die Tragweite wird diesmal in Anbetracht der von der Autoindustrie abhängigen Volkswirtschaften und Arbeitsplätze deutlich grösser und unmittelbarer zu spüren sein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Urs Heim (Ursus)
    Die etablierte Automobilindustrie, die mit ihren konventionellen Verbrennungsmotoren über all die Jahre gut vom alt Hergebrachten gelebt und expandiert hat, steht vor der Zeitenwende. Allen voran steht der Diesel als wichtiges Standbein der konventionellen Antriebe auf dem Schafott der Abkehr vom lokalen verbrennen von Treibstoffen. Benzin und Gas werden vermutlich in einem oder zwei Jahrzehnten in die Geschichtsbücher folgen. Mobilität muss und wird abgasfrei werden und die China geht voran!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen