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Wirtschaft Iran: Tourismus als Heilmittel für die angeschlagene Wirtschaft

Der Iran ist ein schönes Land. Das merken auch immer mehr westliche Touristen. Letztes Jahr reisten 5 Millionen Menschen dorthin. Doch es sollen noch mehr werden: Bis in 10 Jahren zielt das Land auf 20 Millionen Touristen.

Blaue Moschee in Isfahan.
Legende: Alte Kulturschätze wie die Blaue Moschee in Isfahan sollen bald die vierfache Menge an Touristen anlocken. SRF

Der iranische Tourismus-Minister Masoud Soltanifar setzt auf den Tourismus, um die Wirtschaftskrise des Irans zu lindern: «Wir haben gerechnet, dass wir nach WTO-Norm 1700 US-Dollar pro Tourist verdienen können», sagt er im Interview mit «ECO». «Doch wir machen eine tiefere Schätzung, zwischen 1300 und 1400 US-Dollar. Dabei haben wir zwei Ziele: Wir wollen zum einen, dass Ausländer unsere wunderbare Kultur kennenlernen. Zum anderen brauchen wir Arbeitsplätze und Devisen.»

Marktszene
Legende: Überteuerte Lebensmittel: Auf dem Markt von Isfahan zeigen sich die Auswirkungen der Sanktionen. SRF

Denn der Iran leidet unter den Sanktionen, die dem Land auferlegt wurden, um es an der Anreicherung von Uran und damit der möglichen Entwicklung einer Atombombe zu hindern. Sie treffen besonders die Öl-Industrie des Landes, die wichtigste Einnahmequelle des «Gottesstaates». Masoud Soltanifar will diese Einbrüche mit dem Tourismus kompensieren.

Iran ist vom internationalen Geldmarkt abgeschnitten. Keine Bank darf Geld in den Iran überweisen, Touristen können weder Bargeld beziehen noch Kreditkarten benutzen. Sie müssen alles Geld für die Reise in bar mitnehmen. Will Iran 20 Millionen Touristen jährlich anziehen, so ist die Aufhebung der Sanktionen unabdingbar.

Iran-Reisen auch bei Schweizern zunehmend beliebt

Iran Riahi, die zusammen mit ihrem Mann Sadegh seit 21 Jahren ein Reisebüro in Zürich führt, ist Spezialistin für Iran-Reisen. Die Riahis, ursprünglich aus demIran, leben seit 33 Jahren in der Schweiz. Iran Riahi: «Mit dem neuen Präsidenten Rouhani hat der Iran ein freundlicheres Gesicht bekommen. Die Leute haben nicht mehr so viel Angst wie früher, in den Iran zu reisen.»

5159 Schweizer beantragten letztes Jahr ein Reisevisum bei der iranischen Botschaft in Bern. Das Kopftuch ist auch für Touristinnen obligatorisch. Alkohol ist verboten. Ansonsten spüren Touristen wenig von der Diktatur der religiösen Machthaber.

Investitions-Chancen im Tourismus

Tourismus-Chef Masoud Soltanifar will für den Ausbau der Infrastruktur ausländische Investoren anziehen. Priorität haben vier- und fünf-Sterne-Hotels nach westlichem Standard.

Aber auch private iranische Investoren mischen mit: In den Touristenstädten kaufen Privatleute historische Herrenhäuser, renovieren sie und machen Hotels daraus. Die Traditionshäuser treffen den Geschmack westlicher Kulturtouristen.

Morteza Bekhradi aus Isfahan spürte früher als andere, dass die Ruinen sich als Goldgrube erweisen könnten. Heute muss Monate im Voraus reservieren, wer im Bekhradi-House übernachten will. «Die aktuelle Entwicklung gibt uns sehr viel Hoffnung für die Zukunft. Deshalb mache ich weiter und investiere noch mehr Geld in diese alten Häuser.»

Ob der Tourismus tatsächlich weiter wächst, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ob die religiöse Führung, die wahren Machthaber im Iran, die Politik von Präsident Rohani längerfristig stützt, bleibt abzuwarten. Die Hoffnung auf eine Veränderung ist greifbar im Land. Doch viele Iraner zweifeln daran, ob der Brückenschlag hält zwischen dem Iran und der westlichen Welt.

Der Iran in Zahlen

Einwohner: 77 Mio.

Hauptstadt: Teheran (8 Mio.)

BIP: 369 Mrd. US-Dollar

Inflation: 15 Prozent

Arbeitslosigkeit: 20 Prozent

10 Kommentare

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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    In neutralen Berichten aus dem Iran zeigt sich ein differenziertes Bild der Gesellschaft. Seit der Revolution hat sich Einiges im Leben der Bevölkerung gewandelt. Historisch gesehen hat der Iran eine sehr reiche und für den islam offene Kultur. Vor allem die gebildeten Gesellschaftsschichten geniesen wieder gewiese Freiheiten, wenn auch nicht von offizieller Seite bestätigt. Klar gibt es noch viele Defizite. Im Vergleich zu gewissen arab. Emiraten ist die Gesellschaft aber sehr fortschrittlich.
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Ja, der Iran ist ein schönes Land. Allerdings sollte man als Demokrat seine Touristenbatzeli nicht in ein Land tragen, das religiöse Minderheiten verfolgt, Schwule am Baukran aufhängt, Frauen unterdrückt und als Ehebrecherinnen steinigt, das Verheiraten von 9-jährigen Mädchen erlaubt, Israel mit der Vernichtung droht und von einer widerlichen fanatischen Bande regiert wird, die Hitler und den Holocaust lobt. In solchen Ländern macht man nicht Ferien!
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    1. Antwort von C. Szabo, Thal
      Wie fühlt man sich als Land, wenn zuerst GB & USA die legitime, demokratische Regierung putschen (Operation AJAX), über Jahrzehnte ausgerauben und die Opposition unterdrücken (Schah). Als sich der Iran vom Westen befreite, wurde er zum Terrorstaat erklärt, in einen Krieg mit dem Irak verwickelt und fortlaufend von der ölgierigen USA bedroht. Die antijüdische Haltung war mehr Propaganda als ehrliche Haltung der Menschen. Die Holocaust-Leugnung ist AUF KEINEN FALL ZU TOLERIEREN!
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    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      "Als sich der Iran vom Westen befreite,......." - Was für eine pervertierte Geschichtsverdrehung, @Szabo! Der Iran hat sich 1979 genauso wenig befreit wie Deutschland 1933 als die Nazis an die Macht kamen. In diesem Land herrscht seit nunmehr 36 Jahren theokratischer Staatsterror und das Regime schüchtert die Menschen systematisch ein. Das reicht von der Sittenpolizei für Frauen bis zu öffentlichen Hinrichtungen, wo Menschen in 10-minütigen Stragulierungsritualen brutalst umgebracht werden.
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    3. Antwort von C. Szabo, Thal
      @B. Christen: Sie blenden die Zeit vor der Revolution aus. Der Schah und seine SAVAK (Geheimpolizei) war nicht der Prinz aus 1001 Nacht und Samariter. Die iranische Ölindustrie wurde von der USA "gelenkt". Der Iran (Mossadegh) wollte die Ölquellen 1953 verstaatlichen. Ein Rotes Tuch/Rote Linie für den Westen/USA. Es gibt kaum eine Revolution, wo keine Köpfe "rollen". Die USA war beleidigt wegen der Besetzung der Botschaft. Eine solche Demütigung lassen die USA nicht gerne auf sich sitzen.
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    4. Antwort von Jens Brügger, Schaffhausen
      Und sie sind ein Demokrat??
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  • Kommentar von W.Ineichen, Luzern
    Einem Schurkenstaat würde ich nie einen Besuch abstatten.
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    1. Antwort von HP. Dietrich, Gümligen
      Dann bleiben sie ganz einfach zu Hause!
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    2. Antwort von m.fischbacher, bern
      Aber auf Kuba würden sie sicher gerne einmal Reisen? Zumal es seit neustem kein "Schurkenstaat bzw.Terrorregime" mehr ist! Ich jedenfalls Wünsche dem Iran alles Gute, Frieden und für die Zukunft als Feriendestination nur das Beste!
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    3. Antwort von Kritiker, Bern
      Aber in den USA waren sie sicherlich schon...
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