Kantone können weiter auf Geld der Nationalbank hoffen

Nach dem ersten Halbjahr hat das Ergebnis der Nationalbank gar nicht gut ausgesehen. Sie präsentierte einen Rekordverlust von 50 Milliarden Franken. Jetzt, drei Monate später, sind die Zahlen etwas besser. Das gibt Bund und Kantonen Grund zur Hoffnung, meint SRF-Wirtschaftsredaktorin Susanne Giger.

SRF News: Die Nationalbank machte in den ersten neun Monaten einen Verlust von 34 Milliarden Franken. Das klingt nach sehr viel Geld. Ist es das auch?

SRF-Wirtschaftsredaktorin Susanne Giger: Schaut man sich im Vergleich das letzte Jahr an, so machte die SNB um diese Zeit einen Gewinn von 30 Milliarden Franken. Das heutige Minus ist dem gegenüber schon ein heftiges, negatives Ergebnis. Der Unterschied ist, dass die SNB anfangs Jahr den Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken aufgehoben hat. Der Euro rutschte daraufhin ab. Lange lag er bei 1.03 bis 1.05 Franken. Dadurch verloren die vielen Devisen, die die SNB in den letzten Jahren angehäuft hat, in den Büchern an Wert. Etwas Positives hat das heutige Ergebnis allerdings: Vor drei Monaten – nach dem ersten Halbjahr – sah die Rechnung noch viel schlimmer aus. Damals präsentierte die SNB sogar einen Rekordverlust von 50 Milliarden Franken.

Das bedeutet, der jetzige Verlust von 34 Milliarden ist schon beinahe eine Erholung?

Ja. In den letzten drei Monaten lief es wieder besser. Die Nationalbank konnte in dieser Zeit sogar einen Gewinn ausweisen. Der Grund dafür sind wiederum die Wechselkurse. Der Franken ist nicht mehr so stark wie in den ersten sechs Monaten. Der Euro liegt jetzt bei etwa 1.08 oder gar 1.09 Franken. So sind die Devisen in den Büchern der SNB wieder höher bewertet. Das zeigt: Das Ergebnis der SNB ist extrem schwankend, weil sie Devisen angehäuft hat und die Bilanz dadurch grösser wurde.

Was bedeutet das für Bund und Kantone, die eigentlich jeweils einen Teil des Nationalbankgewinns ausgeschüttet erhalten? Gibt es dieses Jahr keinen Zustupf?

Die Chancen stehen jetzt eigentlich wieder besser als im Sommer. Dies, weil der Ausschüttungstopf recht gut gefüllt ist. Somit wäre eigentlich ein Zustupf an Bund und Kantone auch möglich, wenn es einen leichten Verlust gibt. Allerdings ist jetzt entscheidend, wie es in den letzten drei Monaten des Jahres weiterlaufen wird, wie sich die Märkte in dieser Zeit entwickeln werden. Wird der Verlust wieder grösser, bräuchte es wohl den ganzen Topf zur Deckung dieses Lochs im Ergebnis.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.