Kleine Banken, grosse Sorgen

Die Schweizer Bankenszene zeigte diese Woche viel Bewegung. Einerseits kündigte die Grossbank CS an, sie wolle wachsen, indem sie kleine Banken übernehme. Andererseits meldete die kleine Zürcher Privatbank Hottinger Konkurs an. Was heisst das für die Zukunft der kleinen Schweizer Privatbanken?

Bank-Schild spiegelverkehrt vor demr Bundeshauskuppel.

Bildlegende: Die Zahl der kleinen Privatbanken in der Schweiz sinkt. Überlebensstrategien sind gefragt. Keystone

Es rumort in der Branche. Dennoch sagt Yves Mirabaud von der Genfer Privatbank Mirabaud: «Keine Panik!» Er ist auch Präsident der Vereinigung Schweizer Privatbanken und sieht in der Avance der Credit Suisse vor allem Positives. Sie zwinge Banken, noch besser zu werden und noch besseren Kundenservice zu bieten.

Der Kundenkontakt als Vorteil

Banken müssen heute immer mehr in Informatik investieren, immer mehr Daten erfassen. Immer digitaler sollen Banken sein, um auch neue Kunden zu gewinnen, heisst es. Miraubaud zweifelt daran. Um einen Kunden zu beraten, müsse man ihn und seine Geschichte kennen. Deshalb brauche es immer den direkten Kontakt. Das sei ein Vorteil der kleinen Privatbanken, sagt Mirabaud.

Dass kleine Banken Vorteile haben, davon ist auch der CEO der Obwaldner Kantonalbank, Bruno Thürig, überzeugt: «Kleinere Banken sind agil, können schnell und kundennah entscheiden, und sie können ihre Risiken relativ überschaubar in den Griff kriegen.» Deshalb glaube er, dass kleinere Banken überlebensfähig seien, «sogar sehr gut überlebensfähig».

Gezielt Partnerschaften eingehen


Kleine Schweizer Banken unter Druck

2:00 min, aus HeuteMorgen vom 31.10.2015

Allerdings gelinge dies nur, wenn man am Ball bleibe, sagt Thürig. «Wir müssen genau beobachten, was passiert.» Und man müsse auch priorisieren: «Das heisst prüfen, wo es Sinn macht, mitzumachen, und wo nicht, und mit welchen Partnern. Denn auch kleinen Banken stehen Partner in diesen Bereichen zur Verfügung.»

Trotz allem: Gemäss Studien ist in den letzten Jahren die Anzahl der Schweizer Privatbanken von 180 auf 130 zurückgegangen. Auch wenn viele von ihnen sich auf einen Wandel vorbereiten, dürfte es doch zu einem weiteren Rückgang kommen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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    Für eine «bessere Bank» - die Deutsche Bank wird kleiner

    Aus Rendez-vous vom 29.10.2015

    Die Deutsche Bank verkleinert sich - auch international: Sie zieht sich aus zehn Ländern vollständig zurück und reduziert ihr Personal von 103'000 Vollzeitstellen auf deren 77'000. Warum diese radikale Schrumpfkur? Und: Wen trifft es?

    Susanne Giger

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    Aus Tagesschau vom 26.10.2015

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  • Bank Hottinger am Ende

    Aus Schweiz aktuell vom 26.10.2015

    Die Finanzmarktaufsicht des Bundes hat den Konkurs über die Zürcher Bank Hottinger eröffnet. Der Bank drohe eine Überschuldung. Mit der Liquidation des traditionsreichen Zürcher Privatbankhauses verlieren rund 50 Mitarbeiter per sofort ihre Stelle.

  • Das Firmenlogo der Alternativen Bank Schweiz, ABS.

    Negativzinsen bei der Alternativen Bank Schweiz

    Aus Echo der Zeit vom 16.10.2015

    Die ABS begeht einen Tabubruch. Wer bei ihr ein Lohnkonto führt, muss darauf Negativzinsen entrichten. Andere Banken dürften folgen, vermuten die ABS und Experten.

    Jan Baumann

  • Jürg Bucher, Jürg Bucher, Verwaltungsratspräsident der Valiant Bank.

    Jürg Bucher, Verwaltungsratspräsident der Valiant Bank

    Aus Rendez-vous vom 15.10.2015

    Der Steuerstreit mit den USA neigt sich dem Ende zu. Eine Schweizer Bank nach der andern erzielt derzeit mit den US-Behörden eine Einigung. Die Bussen für die Beihilfe zur Steuerhinterziehung fallen niedriger aus als befürchtet, sagt Jürg Bucher im Tagesgespräch bei Marc Lehmann.

    Marc Lehmann

  • Der Neue an der Raiffeisen-Spitze

    Aus 10vor10 vom 1.10.2015

    Der 1. Oktober ist der Tag, an dem er seine neue Arbeit beginnt: Patrik Gisel übernimmt von Pierin Vincenz die Leitung der Raiffeisen Schweiz, der drittgrössten Bank der Schweiz. «10vor10» hat den Hobby-Triathleten und -Piloten begleitet.