Negativ-Zinsen bei Banken immer noch tabu

Die Alternative Bank Schweiz (ABS) ist derzeit die einzige Schweizer Bank, die von ihren Kunden seit bald einem Jahr Negativzinsen verlangt. Die Erfahrungen seien positiv, sagt die ABS gegenüber «Espresso». Andere Banken wollen keine Negativzinsen für Kleinsparer.

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Bildlegende: Noch scheuen sich die meisten Banken davor, Zinsen nicht auszuzahlen, sondern zu verrechnen. Colourbox

«Negativzinsen bei Kleinanlegern sind bei uns derzeit kein Thema», heisst es bei verschiedenen Schweizer Banken auf Anfrage von «Espresso». Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) schreibt: «Die ZKB gibt die Negativzinsen auf Guthaben bestimmter Grosskunden weiter. So lange die Nationalbank ihre Politik nicht verschärft, sind für Kleinsparer und Kleinunternehmer keine Negativzinsen vorgesehen.»

Auch für die UBS, die Credit Suisse und die Raiffeisen sind Negativzinsen für Sparer kein Thema. Bei Raiffeisen heisst es: «Wir beobachten laufend den Markt und nehmen entsprechende Einschätzungen vor. Wir werden jedoch auf keinen Fall als erste Bank in dieser Angelegenheit vorpreschen. Der Sparer hat kein Verständnis dafür, wenn er der Bank Geld bringt und dafür noch bezahlen muss.»

Bank-Run befürchtet

Daniel Kalt, Chefökonom bei der UBS, sagt, die Banken hätten grossen Respekt, Negativzinsen bei Kleinsparern einzuführen: «Es wird befürchtet, dass dann alle Kunden auf die Bank rennen und ihr Geld abheben. Bei einem sogenannten Bank-Run könnte es sein, dass das Bargeld ausgeht und beispielsweise Bezugslimiten eingeführt werden müssten.»

Auch das Vorpreschen einer einzelnen grossen Bank wäre problematisch: «Dann würden alle Kunden zur Konkurrenz ohne Negativzinsen wechseln.» Und bei einer Branchenlösung könnte es Probleme mit der Wettbewerbskommission geben, so Daniel Kalt.

Gute Erfahrung mit Negativ-Zinsen

Die Schweizer Grossbanken warten also weiter zu. Nicht so die Alternative Bank Schweiz (ABS): Sie belastet seit knapp einem Jahr ihren rund 30'000 Kunden auf den Privatkonten Negativzinsen. Die Reaktionen seien mehrheitlich positiv gewesen, sagt Mediensprecherin Barbara Felix: «Es gab einzelne Kunden, die ihr Konto aufgelöst haben. Netto wurden in dieser Zeit aber mehr Konten eröffnet als saldiert.» Unter anderem auch dank des grossen Medienechos.

Zudem hätten viele Kunden ihr Geld vom Privatkonto aufs Sparkonto verschoben oder Förderkassenobligationen gekauft. Die Weitergabe von Negativzinsen sei verursachergerecht und fair im Vergleich zu flächendeckenden Gebührenerhöhungen, so Barbara Felix weiter: «Unsere Kunden wollen nicht, dass wir der Nationalbank Negativzinsen zahlen müssen, sondern dass wir mit ihrem Geld etwas Sinnvolles tun und in Projekte mit sozialem oder ökologischen Mehrwert investieren.»

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