Pekings radikale Massnahmen gegen die Börsen-Talfahrt

Die chinesische Börsenaufsicht hat neue Regeln erlassen, um die Kurse zu stützen. Aktionäre, die mehr als fünf Prozent der Aktien einer Firma halten, dürfen diese in den nächsten sechs Monaten nicht verkaufen. Zuvor war der Aktienmarkt in Shanghai im Vormittagshandel um mehr als 3 Prozent gefallen.

Ein Chinese geht an einer Display-Tafel vorbei.

Bildlegende: Grün ist schlecht: In China ist rot die Farbe des Glücks und diese herrschte an der Börse nicht vor. Imago/Symbolbild

Nach radikalen Massnahmen der Regierung ist der Kursverfall an den chinesischen Aktienmärkten vorerst aufgefangen worden. Sackte die Börse in Shanghai zu Handelsbeginn noch mehr als drei Prozent in den Keller, lag sie im Verlauf des Vormittags nur noch leicht im Minus.

Anteilseigner, die Beteiligungen von mehr als fünf Prozent an einem Unternehmen halten, dürfen ihre Aktien in den nächsten sechs Monaten nicht veräussern. Das ordnete die Wertpapieraufsicht an. Damit solle die «Stabilität an den Kapitalmärkten gewahrt» werden. Die Märkte waren in einem Monat um mehr als ein Drittel gefallen.

Aufkauf eigener Aktien

Rund die Hälfte aller gelisteten Aktien ist allerdings schon vom Handel ausgenommen. Die Zahl der chinesischen Unternehmen, die angesichts der starken Kursrückgänge nicht mehr gehandelt werden wollen oder sollen, stieg um 194 auf 1439, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete.

Um den Markt weiter zu stabilisieren, kauften grosse Staatsunternehmen wie der Ölkonzern Sinopec oder der Kohlekonzern Shenhua auch im grossen Stil eigene Aktien auf.

Marktstützung durch Zentralbank

Zudem versprach die Zentralbank der China Securities Finance Corporation, die Kredite der Wertpapierfirmen finanziert, erneut ausreichend Geldmittel. Das staatliche Finanzorgan hat 21 Wertpapierhäusern bereits 260 Milliarden Yuan (umgerechnet rund 39,5 Milliarden Franken) für den Aufkauf von Aktien zur Verfügung gestellt, wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Am Vortag war der Bedarf auf mehr als 500 Milliarden geschätzt worden.


Wie funktioniert die Börse in China?

4:22 min, aus SRF 4 News aktuell vom 09.07.2015

Erholt haben sich auch der Composite Index in Shenzhen und der Chinext für Technologiewerte, der dem Nasdaq in den USA ähnelt. Beide Indizes stiegen sogar zunächst um zwei Prozent. Nach dem starken Rückgang um mehr als fünf Prozent vom Vortag kletterte auch die Börse in Hongkong wieder um mehr als vier Prozent.

Produzentenpreise weiter gesunken

Schlechte Nachrichten kamen aber von der Preisfront in China, die mangelnde Nachfrage und anhaltende Schwäche der Wirtschaft signalisierte. So setzten die Erzeugerpreise nach Angaben des Pekinger Statistikamtes im Juni mit minus 4,8 Prozent ihren seit drei Jahren anhaltenden Rückgang fort.

Die Inflation lag mit 1,4 Prozent etwas höher als erwartet. In der ersten Jahreshälfte stieg der Konsumentenindex aber damit auch nur um 1,3 Prozent. Die Zielmarke der Regierung liegt bei drei Prozent.

Unsichere Aussichten nach Intervention

Die Börsenkrise in China wird an den internationalen Märkten mit Sorge verfolgt, da langfristige Auswirkungen auf das Wachstum und die geplanten wirtschaftlichen Reformen im Reich der Mitte befürchtet werden.

Experten warnten vor weiteren staatlichen Eingriffen in den Markt, sahen notwendige Korrekturen und eine Lehre für all jene, die zu hohe Risiken eingegangen seien. Im Jahr vor dem jetzigen Kursverfall war der Aktienmarkt meist durch spekulative Aktienkäufe auf Pump um weit mehr als 100 Prozent in die Höhe getrieben worden.

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Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Massive Kursstürze an den chinesischen Börsen

    Aus Tagesschau vom 8.7.2015

    Der chinesische Aktienmarkt hat binnen drei Wochen rund ein Drittel seines Wertes eingebüsst. Das ist der grösste Einbruch seit mehr als 20 Jahren. Trotz Stützkäufen von China sind auch andere asiatische Märkte getaucht. Einschätzungen von SRF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind.