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Pensionskassen wieder auf Kurs «Wir versprechen immer noch zu viel»

Trotz guter Renditen und Rentenkürzungen: Die Oberaufsicht der Kassen blickt mit Sorge auf Umverteilung und Tiefzinsen.

Legende: Audio Wie geht es den Schweizer Pensionskassen? abspielen. Laufzeit 2:52 Minuten.
2:52 min, aus Rendez-vous vom 08.05.2018.

Unterdeckungen, Kurzsabstürze, tiefe Zinsen. Das alles ist weit weg. Heute sind die Pensionskassen gesund. Die zweite Säule wurde saniert, die Kassen haben Reserven angelegt und die meisten wieder einen Deckungsgrad von 100 Prozent. Das machte die Oberaufsichtsichtskommission der Kassen heute klar.

Mit durchschnittlich fast sieben Prozent fielen die Anlagerenditen im vergangenen Jahr sehr gut aus. Die Akienmärkte rentierten. Besser geht es den Kassen trotz anhaltend tiefer Zinsen auch dank der starken Senkung des Rentenniveaus um zehn Prozent in den letzten vier Jahren. Wer heute in Pension geht, erhält deutlich weniger Rente als die ehemaligen Kollegen vor fünf oder mehr Jahren. Das entlastet die Kassen.

Pensionskassen.
Legende: Im letzten Jahr flossen noch 6,6 Milliarden Franken von den aktiven Arbeitnehmenden zu den Rentnern. Keystone/Archiv

Künftige Finanzierung von vielen Faktoren abhängig

Haben die Kassen überreagiert, auch auf Kosten der Versicherten? Pierre Triponez, Präsident der Oberaufsichtskommission der Kassen, verneint: «Es ist nicht so, dass heute die künftige Finanzierung als geregelt betrachtet werden kann.» Das Umfeld am Kapitalmarkt habe sich stark verändert, vor allem die Zinsen seien seit Jahren nahe Null. Daran änderten auch die guten Aktienerträge nichts, betont Triponez.

Bedenken trotz rückläufiger Umverteilung

Zudem finde nach wie vor eine Umverteilung zwischen Rentnern und Aktiven statt, sagt Triponez: «Im Grunde genommen ist es so, dass wir heute zu hohe Zinsversprechen aussprechen. Das stimmt eigentlich mit der effektiven Beitragsseite nicht mehr überein.»

Ein Blick auf die Zahlen zeigt allerdings, dass die Umverteilung stark am Sinken ist. Flossen 2016 noch 8,4 Milliarden Franken von den Arbeitnehmern zu den Rentnern, waren es letztes Jahr noch 6,6 Milliarden. Der Trend geht also in die richtige Richtung.

Ist die Oberaufsicht zu pessimistisch?

Es sei Aufgabe der Kommission, über die zweite Säule zu wachen, in die Zukunft zu schauen und die Risiken im Auge zu behalten, betont Triponez. Ein Risiko blieben vorerst die tiefen Zinsen. Auch die Umverteilung bleibt der Kommission ein Dorn im Auge: Die Umverteilung hängt mit dem Umwandlungssatz im obligatorischen Teil der Vorsorge zusammen. Der Satz, mit dem die Rente bei Pensionsantritt berechnet wird, ist im Obligatorium immer noch zu hoch.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Meine Pensionskasse Versicherung nimmt von den eingezahlten Beiträgen jedes Jahr min 1000 CHF in den eigenen Sack, statt sie meinem Alterskonto gut zu schreiben. Und die Herren Versicherungsagenten tauchen bei uns immer mit den teuersten Autos auf, die natürlich auch mit meinem Geld bezahlt wurden.
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  • Kommentar von lukas Dieterle (lucky)
    Ich sehe eher eine Umverteilung von der Realwirtschaft in die Finanzwirtschaft! Banken, Versicherungen, Asset- und Fondsmanager leben seit Jahrzenten sehr gut von den Mia. die den KMU und deren Angestellten jeden Monat abgenommen werden. Und der Pensionkassenaufsicht fällt nichts besseres ein, als den Leuten zu sagen, dass die Beiträge erhöht und länger gearbeitet werden muss. Offensichtlich hat die Versicherungslobby wieder ganze Arbeit gemacht in Bern.
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    1. Antwort von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
      Kein Lobbying wenn sich niemand lobbyieren lässt. Gerade unsere selbsternannten echten Volksvertreter aus SVP und FDP wollen ja weiterhin möglichst keine Transparenz, nicht beim Lobbying, siehe letzte Woche, und auch nicht bei der Parteien- und Abstimmungsfinanzierung. Die wollen auch nicht alle VR Mandate standardmässig preisgeben. Und wir wählen diese Leute weil wir ihnen immer noch die Mär vom grossen Feind „Migration“ und der einzigen Lösung „unbeschränktes Wirtschaftswachstum“ glauben.
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Wer 40Jahre und mehr gearbeitet und Beiträge einbezahlt hat, soll auch die "volle AHV Rente" bekommen oder leben wir in einer "Bananenrepublik"?
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