Textilbranche will sich selbst helfen und die Zölle abschaffen

Fast elf Prozent weniger Textilien wurden letztes Jahr exportiert. Als Hilfe in der Not verlangt die Industrie nun die Entlastung von den Zollgebühren. Der Bundesrat hat bereits gehandelt und gewisse Zolltarife gestrichen. Allerdings sind die Textilproduzenten noch nicht zufrieden.

Garnspinnerei

Bildlegende: Die Schweizer Textilindustrie will sich selbst helfen und möchte die Zölle abschaffen. Keystone

Textilien made in Switzerland kommen weltweit zum Einsatz, als Hightech-Stoffe zum Beispiel für Flugzeugsitze oder für atmungsaktive Unterwäsche. Doch Zölle verteuern hiesige Produkte. Deshalb sollen diese Zölle wegfallen, fordert Andreas Sallmann, Präsident des Schweizerischen Textilverbandes: «Für uns geht es darum, dass diese Zollpositionen abgeschafft werden, damit die Wertschöpfung oder das Geld in den Betrieben bleibt und nicht dem Zoll weitergeleitet werden muss. So bleiben wir konkurrenzfähig und können in die Zukunft investieren.»

Merinowolle, spezielle chemische Fasern, Baumwollgarne, das sind alles Güter, die Textilfirmen in die Schweiz einführen und dabei bis zu sechs Prozent Zoll darauf zahlen müssen. Im Vergleich zu anderen Rohstoffen oder Halbfabrikaten ist das viel. Würden diese Zölle wegfallen, dann würde dies die Unternehmen spürbar entlasten, argumentiert der Textilverband.

Abschaffung der Zölle würde Schweizer Industrie stärken

Tiefere Zölle würden tatsächlich etwas bringen, sagt Peter Moser. Er ist Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur und hat im Auftrag des Bundes untersucht, welchen Effekt die Abschaffung der Zölle hätte: «Die Textil- und Bekleidungsindustrie bezahlt relativ hohe Zölle beim Import. Sie wäre von einem Zollabbau stark positiv betroffen.»

Dass Textilien und Kleider mit hohen Zöllen belegt sind, hat historische Gründe. Mit Zöllen wurden günstige Produkte aus dem Ausland künstlich verteuert, um einheimische Produkte zu schützen. Doch in der Schweiz werden Textilien längst nicht mehr von A bis Z selber hergestellt. Die Textilbranche hierzulande ist international aufgestellt. Moser sagt dazu: «Die Textilbranche in der Schweiz produziert nicht mehr fertige Kleider, sondern lediglich hochspezialisierte Zwischenprodukte und ist dann Teil dieser globalen Spezialisierung. Ihre Endprodukte gehen wieder ins Ausland.»

Deshalb sind diese Zölle für die Branche inzwischen zur Fussfessel geworden. Sie möchte sie so rasch als möglich loswerden.

Sind drei Millionen Erlass nicht genug?

Beim Bund ist die Textilbranche mit ihrer Forderung bereits auf offene Ohren gestossen. Per Anfang dieses Jahres hat der Bundesrat gewisse Zolltarife gestrichen. Er kann das eigenhändig tun, vorerst befristet auf 4 Jahre. Der Staatskasse entgehen damit rund drei Millionen Franken.

Für die Branche ein wesentlicher Betrag und trotzdem reiche das nicht, sagt Andreas Sallmann, Präsident des Textilverbandes: «Wir sehen einfach, dass es noch viel weitergehen kann und wir sind überzeugt, dass es noch weitergehen muss. Wir sprechen von etwa 10 Millionen Franken.»

Die Textilbranche wünscht sich weitere sieben Millionen Erlass an Zöllen. Doch der Bund lässt sich diesbezüglich nicht in die Karten blicken. Auf Anfrage heisst es beim Staatssekretariat für Wirtschaft, dass der Bund an einem Bericht arbeite, der voraussichtlich im Herbst erscheinen soll. Darin soll es auch um die Abschaffung von Zöllen gehen. Aber einen konkreten Fahrplan gebe es nicht.