Pensionskassen unter Druck Unternehmen können 20 Prozent der Rentenversprechen nicht halten

  • Schweizer Unternehmen versprechen den Mitarbeitenden die Auszahlung ihrer vollen Rente. In Tat und Wahrheit fehlt den Unternehmen jedoch 20 Prozent dieses Geldes. Das geht aus einer neuen Pensions-Risikostudie hervor.
  • Unter dem Strich klafft in den Bilanzen der Unternehmen eine Lücke an Rentenverpflichtungen in Höhe von 32 Milliarden Franken.
  • Dennoch stehen Schweizer Firmen mit einer durchschnittlichen Deckung von 80 Prozent gut da. Zum Vergleich: Deutsche Firmen können nur 65 Cent pro Euro an Rente decken.

Für jeden Franken, den Unternehmen ihren Mitarbeitern an Rente versprechen, haben sie 80 Rappen auf der hohen Kante. Also fehlen der Firma 20 Rappen. Das zeigt die neuste Pensions-Risikostudie von Willis Tower Watson. Das Unternehmen gehört zu den weltweit führenden Vorsorgeberatern.

Die Studie richtet sich in erster Linie an Investoren, denn Anleger wollen nicht in Unternehmen investieren, die in ihren Bilanzen hohe ungedeckte Verpflichtungen vor sich her schieben. Peter Zanella von Willis Tower Watson leitet die Studie seit vielen Jahren und sagt dazu: «Diese Studie versucht, das Risiko der Pensionsverpflichtungen der einzelnen Unternehmungen konzernweit zu messen.»

Die Berater haben die 29 wichtigsten Unternehmen der Schweizer Börse darauf hin untersucht, wie gut die Rentenverpflichtungen mit angespartem Vermögen gedeckt sind. Das Ergebnis: Insgesamt klafft in den Firmenbilanzen eine Lücke von 32 Milliarden Franken – oder eben 20 Rappen pro Franken. Das ergibt im Durchschnitt eine Deckung von 80 Prozent. Das sei im internationalen Vergleich ein guter Wert, sagt Experte Zanella: «Alles, was um 80 Prozent herum ist, würde ich zur heutigen Zeit mit diesen tiefen Zinsen als nicht besorgniserregend anschauen.»

Deckung der Vorsorgeverpflichtungen 2015 Deckungsgrad je Firma in Prozent. In der Tabelle wurden die SMI-Firmen berücksichtigt. Willis Towers Watson

Deutlich hinter der Schweiz zurück liegt Deutschland: In deutschen Unternehmen sind nur 65 Cent von jedem Euro versprochener Altersrente vorhanden. Die USA liegt mit 82 Prozent Deckung hingegen leicht vor der Schweiz. Allerdings gibt es in der Schweiz grosse Unterschiede: Während bei der Grossbank UBS das zur Seite gestellte Vermögen die Pensionsverpflichtungen sogar leicht übersteigt, ist beispielsweise die Swisscom mit 77 Prozent unterhalb Zanellas magischer Grenze von 80 Prozent. Ein Grund zur Sorge sei dies nicht, sagt Zanella: «Nein, eine Swisscom hat sicher kein Problem deswegen.»

Eine tiefe Deckung ist jedoch ein Hinweis an das Management, dass Handlungsbedarf besteht. Sprich: Dass die Vorsorgeverpflichtungen zu hoch sind und reduziert werden sollten. Das tun Firmen auf verschiedene Art: «Die Konzerne fangen an, natürlich über ihre Pensionskassen, indem sie die Umwandlungssätze reduzieren. Zweite Massnahme ist zum Beispiel, dass sie die Verrentung im Allgemeinen beschränken. Das heisst man muss Kapital beziehen und kann nur eine bestimmte maximale Rentenhöhe haben.»

«  Die Konzerne fangen an, natürlich über ihre Pensionskassen, indem sie die Umwandlungssätze reduzieren.  »

Peter Zanella
Willis Tower Watson

Eine dritte Massnahme besteht darin, dass Firmen nur noch die Rentenversprechen für die aktiven Mitarbeiter in ihren Bilanzen führen. Die laufenden Verpflichtungen gegenüber den Rentner hingegen lagern sie an spezialisierte Firmen aus. Sie verkaufen also quasi das Rentner-Portefeuille. So belasten die Rentner die Firmenbilanzen nicht mehr.