Fed dreht an der Zinsschraube US-Notenbank erhöht den Leitzins

Fed-Chefin Yellen

Bildlegende: Fed-Chefin Janet Yellen dreht erneut an der Zinsschraube. Keystone

  • Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte erhöht.
  • Der Leitzins liegt nun in einer Spannbreite zwischen 0,75 und 1,0 Prozent. Das teilte die US-Notenbank Fed am Mittwochabend mit.
  • Es ist bereits die zweite Zinserhöhung durch die Fed innert dreier Monaten. Allerdings handelt es sich bei der aktuellen Zinsanhebung erst um die dritte nach der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahre 2008.

Zuvor hatte die Fed von Ende 2008 bis Ende 2015 im Zuge der Finanzkrise den Leitzins an der Nulllinie gehalten, um die Konjunktur zu stützen und zu beleben. Ende 2015 und Ende 2016 erfolgten dann zwei vorsichtige Zinsanhebungen, denen die jetzige Zinsveränderung folgte.

Lage auf Arbeitsmarkt lässt Zinserhöhung zu

Die Finanzmärkte hatten sich nach entsprechenden Signalen der US-Notenbank bereits auf die Zinserhöhung einstellt. Die US-Währungshüter begründete den Zinsschritt mit der anhaltend guten Situation auf dem US-Arbeitsmarkt sowie der anziehenden Inflation. «Firmen in manchen Branchen berichten, dass sie nicht mehr genügend Angestellte finden. Der US-Notenbankausschuss erachtet es deshalb als den richtigen Moment, den Leitzins einen weiteren kleinen Schritt zu erhöhen,» sagt SRF-Korrespondentin Priscilla Imboden zum Entscheid der US-Notenbank.

Im Februar war in den USA die Inflationsrate tatsächlich von 2,5 auf 2,7 Prozent gestiegen. Währungshüter gehen bei einer Inflation von knapp 2 Prozent von stabilen Preisen aus. Damit untermauert die Inflation die am Mittwoch von der Fed bekanntgegebene geldpolitische Straffung.

Trump will Konjunktur ankurbeln

Der neue US-Präsident Donald Trump will der Konjunktur derweil durch radikale Steuersenkungen und Billionen-Investitionen einen Extra-Schub verleihen.

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Analyse von SRF-Wirtschaftsredaktor Reto Lipp zur Zinserhöhung

1:28 min, aus Tagesschau vom 15.3.2017

Die Federal Reserve deutete in diesem Zusammenhang an, dass im laufenden Jahr bei anhaltend positiver Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage bis zu zwei weitere Zinsschritte möglich seien – gefolgt von drei Anhebungen im kommenden Jahr. Dies wird von den Marktteilnehmern als Signal verstanden, dass die Fed die geldpolitischen Zügel künftig fester in die Hand nehmen will.

An den Finanzmärkten geriet der US-Dollar nach den Entscheidungen der US-Währungshüter deutlich unter Druck. Auch die Renditen für US-Staatsanleihen gaben spürbar nach. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass es vor der Zinsentscheidung Spekulationen gegeben hat, dass die Fed ein höheres Straffungstempo signalisieren könnte – was sie aber nicht getan hat.

Schere zwischen USA und Europa geht auseinander

Durch die Entscheidung der Fed geht die Zinsschere zwischen den USA und der Eurozone weiter auseinander. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte erst vergangene Woche erklärt, ihr Programm von Anleihenkäufen fortzusetzen. Damit wird die Geldpolitik weiter gelockert.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihrerseits dürfte an ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung weiterhin festhalten und die Zinsen nicht erhöhen – denn die Leitzinserhöhung in den USA ist am Devisenmarkt weitgehend eingepreist. Eine nachhaltige Erstarkung des Dollars erscheint in Finanzkreisen vor diesem Hintergrund fraglich. Entspannung gäbe es erst , wenn auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre extrem expansive Geldpolitik zurückfahren würde.

SRF-Wirtschaftsredaktor Reto Lipp zu den Auswirkungen der Leitzinserhöhung in den USA

Für Mieter und Hausbesitzer kann Entwarnung gegeben werden. In der Schweiz werden sich die Zinsen nicht bewegen – denn die Schweizerische Nationalbank (SNB) richtet ihre Geldpolitik nicht nach der US-Notenbank Fed, sondern nach der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Die EZB hat letzte Woche klargemacht, dass sie die Zinsen nicht erhöhen wird. Der Grund: Die europäische Wirtschaft erträgt im Gegensatz zur US-Wirtschaft derzeit noch keine Zinserhöhung.
Somit wird SNB-Präsident Thomas Jordan an der alljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung weder die Zinsen erhöhen noch senken. In den nächsten Tagen und Wochen finden in den Niederlanden und Frankreich Wahlen statt – und wenn dort irgendetwas schief läuft, braucht der SNB-Präsident ein wenig Munition, um die Märkte zu beruhigen.

Die US-Wirtschaft erholt sich nach der Finanzkrise weiterhin zwar langsam, aber stetig. Firmen in manchen Branchen berichten, dass sie nicht mehr genügend Angestellte finden. Der US-Notenbankausschuss erachtet es deshalb als richtigen Moment, den Leitzins, um einen weiteren kleinen Schritt zu erhöhen.“

Gold ist gesucht

Der zurückhaltende Zinsausblick von US-Notenbankchefin Janet Yellen hat Anleger zum Kauf von Gold ermuntert: Das Edelmetall kostete am Donnerstag 1227,25 Dollar je Feinunze, rund 25 Dollar mehr als vor dem Zinsentscheid. Dieser schickte den Dollar auf Talfahrt und machte Gold für Investoren außerhalb der USA attraktiver.