Zum Inhalt springen

Wirtschaft Verdrängungskampf im Schweizer Detailhandel spitzt sich zu

In den ersten fünf Monaten des Jahres sind die Umsätze im Schweizer Detailhandel um 2,3 Prozent geschrumpft. Das wird den bereits seit vier Jahren verstärkt geführten Verdrängungskampf weiter verschärfen.

Legende: Video Lidl und Aldi etablieren sich abspielen. Laufzeit 1:38 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.06.2015.

Trotz dem starken Bevölkerungswachstum stagnieren die Schweizer Detailhandelsumsätze seit 2010. Das hat sich auch im vergangenen Jahr nicht geändert. Die Umsätze haben sich nur minim um 0,4 Prozent auf insgesamt 97,6 Milliarden Franken erhöht, wie das Marktforschungsinstitut GfK mitteilt.

Historisch gesehen stecke der Handel damit nun schon seit vier Jahren in einer Null-Wachstumsphase. In den zehn Jahren zuvor sind die gesamten Verkäufe des Detailhandels in der Schweiz jährlich um 1,3 Prozent gewachsen. In den 1990er Jahren betrug das durchschnittliche jährliche Wachstum 0,7 Prozent.

Discounter legen zu

Die Stagnation seit 2010 kennt Gewinner und Verlierer. Zu den Gewinnern zählen vor allem die Discounter. Sie konnten im letzten Jahr Marktanteile gewinnen. So steigerte Lidl den Umsatz um 10 Prozent. Aldi konnte sich um geschätzte 3 Prozent steigern, und auch Denner wuchs mit einem Plus von 1,7 Prozent deutlich schneller als der Markt.

Top 10 Detailhändler 2014 und 1990

Quelle: GfK Switzerland
Top 10 2014
Umsatz in Mrd. Fr. Top 10 1990
Umsatz in Mrd. Fr.
Migros14.61Migros
11.46
Coop14.06Coop8.58
Denner (inkl. Satelliten)
3.22Manor2.16
Manor Warenhaus
2.72Primo / Visavis
-
Aldi Suisse (geschätzt)
1.79Denner1.6
Volg-Gruppe1.46Kiosk-
Landi1.29Jelmoli-
Ikea1.04Jumbo-
Dipl. Ing. Fust
0.98Epa-
Dosenbach / Ochsner Sport
0.97Waro
-

Stark zulegen konnten aber auch der Dorfladenspezialist Volg (+4,4 Prozent), die Schuhläden der Dosenbach-Ochsner-Gruppe (+5,6 Prozent) und der Elektronikhändler Fust (+10,5 Prozent), der jedoch auch dank der Integration von Nettoshop und Schubiger überdurchschnittlich wachsen konnte. Mit einem Plus von rund einem Prozent konnten sich auch die dominierenden Grossverteiler Migros und Coop im Markt behaupten.

Verlierer in diesem Verdrängungskampf dagegen sind die unabhängigen Detaillisten und Fachgeschäfte, wie Thomas Hochreutener von GfK sagt. Sie hätten in den letzten Jahren massiv an Umsatz eingebüsst. Und sie werden weitere Marktanteile verlieren, sagt Hochreutener. Denn: «Der Verdrängungskampf wird sich 2015 zuspitzen.»

GfK sagt dem Schweizer Detailhandel für das laufende Jahr einen Umsatzrückgang von 2 bis 3 Prozent voraus. Dabei soll es markante Unterschiede geben. So werde der Lebensmittelmarkt nur um rund ein Prozent schrumpfen, während die NonFood-Märkte mit einem Rückgang von 3 bis 4 Prozent rechnen müssen.

Online-Handel setzt den Läden zu

Konfrontiert sind die Detailhändler dabei laut Mitteilung nicht nur mit einem verstärkten Preisdruck, sondern auch mit einem weiter zunehmenden Einkaufstourismus und der Digitalisierung. So hätten Online-Shops 2014 den Umsatz um 7 Prozent auf 6,7 Milliarden Franken steigern können.
Klar dabei sei, dass dieser Verkaufskanal auf Kosten des stationären Handels wachse, heisst es in der Mitteilung weiter. «Behaupten werden sich diejenigen Markteilnehmer, die On- und Offline effizient miteinander verknüpfen und dem Trend zum Einkauf via Smartphone gerecht werden.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

12 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von A. Kistler, Walensee
    Nun, hier wird ja lediglich vom Umsatz gesprochen und nicht von der Menge an verkaufter Ware. Bei sinkenden Preisen, vor allem im Unterhaltungselektronikbereich, ist ein Umsatzrückgang völlig normal. Ein Vergleich der abgesetzten Warenmenge wäre sicher einiges aufschlussreicher als ein Vergleich der Umsätze. Zudem kann man auch mit weniger Umsatz immer noch mehr verdienen, wenn die Einkaufspreise entsprechend sinken. Das nennt sich dann Gewinn. Dieser Bericht ist ziemlich nichtssagend.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Nico Basler, Basel
    Spannen ist, dass in regelmässigen Abständen in den verschiedensten Medien Artikel platziert werden, welche die armen von der Konkurrenz und den bösen Einkaufstouristen gebeutelten Grossverteiler in Schutz nehmen. Dabei ziehen uns diese Pseudogenossenschaften seit Jahren nach allen Regeln des Neokapitalismus über den Tisch. Besonders krass bei den Eigenmarken. Beispiel gefällig? Cafe Royal der Migros Tochter Delica in Birsfelden CH Fr. 3.80, D Euro 2.49. Alles klar!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Das kann nur Eines heissen: noch weniger Qualität, noch miesere Löhne für die Angestellten und EU Fertigfrass zum abwinken. Komisch, die schlechten Sachen lassen unsere Politiker zu. Aber dort wo es wirklich Konkurrenz bräuchte, Strommarkt, TV, Internet, Handy, usw., setzen die Bosse in Bern weiterhin auf das System Kartell! Das kann nur dadurch erklärt werden, dass die Politiker in gewissen Branchen heftig mitverdienen und gar nicht wollen, dass dort die Preise sinken. Königreich Schweiz eben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen