Optimistische Wirtschaft Wie die Schweiz von Trump profitieren kann

Good News und Trump – eine seltene Kombination. Doch die hiesige Wirtschaft darf durchaus optimistisch sein, findet Martin Naville, Direktor der Handelskammer Schweiz-USA.

Trump vor Fenstern in einem Sitzungszimmer.

Bildlegende: «Jammern über Trump und seine Tweets bringt nichts.» Reuters

Trump im Porzellanladen: Der US-Präsident geht auf Konfrontationskurs zur Supermacht China; er droht auch Alliierten wie Deutschland mit Strafzöllen; das Verhältnis zu Mexiko, der Werkbank der US-Industrie, stellt er mit der Grenzmauer auf eine harte Probe.

Nichtsdestotrotz: Die Wall Street feiert den neuen US-Präsidenten als Heilsbringer, die Kurse schlagen seit Trumps Amtsantritt nach oben aus. Wissen die Börsianer mehr, oder ist Trumps Hau-Drauf-Stil eine Starthilfe für den Turbo-Kapitalimus? Klar ist: «Dealmaker» Trump wirft Fragen auf.

Plädoyer für eine unverstellte Sicht

«Trump ist ein ungewöhnlicher Mensch und Politiker», sagt Martin Naville, Direktor der Handelskammer Schweiz-USA, betont zurückhaltend. Doch genau das sei auch einer der Gründe, warum er gewählt wurde.

Es gelte, Trumps Nebelpetarden, Tweets oder Episoden wie den verweigerten Handschlag mit Kanzlerin Merkel richtig einzuschätzen: «Das muss man ausblenden und schauen, was Trump wirklich tut.» Fakten statt Fettnäpfchen.

Das aus Navilles Sicht wichtigste Merkmal des US-Präsidenten:

«  Trump denkt wirtschaftlich. »

Martin Naville

Und Naville wartet mit einer überraschenden These auf: Präsident Trump könnte durchaus positive Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft haben.

Der Direktor der Handelskammer Schweiz-USA erklärt, warum Gelassenheit das Gebot der Stunde sein sollte:

  • Trump könnte die Wirtschaft neu beleben: «Er will Regulierungen abschaffen, die Steuern senken. Es gibt auch negativere Punkte, Trump will etwa den Freihandel beschränken. Die Balance des Ganzen muss man abwarten, aber Trump ist auch kein Diktator. Er ist eingebunden in die Institutionen. Am Schluss dürfte ein Mittelweg herauskommen, der vielleicht gar nicht so schlecht ist.»
Trump am Steuer eines Trucks.

Bildlegende: Droht die nächste Fehlzündung? Das Scheitern von «Trumpcare» hat gezeigt, dass Trump nicht allmächtig ist. Reuters

  • Weniger Regulierungen helfen der Wirtschaft: «Jammern über Trump und seine Tweets bringt nichts. Für Schweizer Firmen, die in den USA investiert sind, gibt es auch positive Elemente, vor allem wenn die Regulierungen zurückgefahren werden. Das betrifft etwa die Preisbindungen in der Pharma-Industrie oder die übermässigen gesetzlichen Regulierungen im Bankenwesen.»
Wall Street-Strassenschild vor US-Flagge

Bildlegende: Stopp mit dem «Regulierungswahn»: Die Wall Street jubelt – profitieren auch Schweizer Banken und Pharmas? Reuters

  • Die Gefahr eines Handelskrieges: «Die Idee von Importzöllen birgt grosse Risiken. Auch für die Schweiz, die einen Güterüberschuss im Handel mit den USA hat. Sollten Importzölle kommen, werden die Karten im internationalen Handel neu gemischt. Die Chinesen würden Gegenmassnahmen ergreifen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Trumps ‹Border Adjustment Tax› durch den Kongress kommt, ist aber sehr klein. Doch das Risiko ist real.»
Merkel bei ihrer Medienkonferenz mit Trump am 17. März 2017

Bildlegende: «Lautsprecher Trump» stiftet ordentlich Unruhe – auch bei Exportweltmeister Deutschland. Reuters

Navilles Fazit:

«  Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Aber es sind auch ein paar Feuerwehrmänner da. »

Die Vorstellung, der neue US-Präsident zerschlage blindwütig die Säulen der Weltwirtschaft, hält Naville für verfehlt: «Auch Donald Trump will einmal als guter Präsident angesehen werden. Er wird schnell lernen müssen, was es heisst, zu regieren. Ich erwarte keine Katastrophe.»

Martin Naville

Martin Naville

srf

Martin Naville ist seit 2004 der CEO der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer in Zürich. Zuvor war er 16 Jahre bei der Boston Consulting Group (BCG) in München, Zürich und New York tätig. Naville steht nach eigenen Angaben dem republikanischen Lager der USA näher als dem demokratischen.