Digital am Sonntag, Nr. 10: Piraten und Fräuleins

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. GAETAN BALLY/KEYSTONE

Kaufen aber nicht besitzen

Als CEO und Mitbegründer der DIY-Reparaturseite iFixit kennt sich Kyle Wiens gut aus mit dem Aufschrauben von elektronischen Geräten. Bloss ist das Reparieren auf eigene Faust gar nicht so einfach, denn immer mehr Hersteller benutzen das (amerikanische) Copyright-Recht, um den Konsumenten wichtige Informationen über ihre Geräte vorzuenthalten. Und weil Elektronik heute in fast allem steckt, geht es dabei nicht nur um Computer und Smartphones, wie Wiens in «Wired» schreibt:

« Manufacturers have systematically used copyright [...] over the past 20 years to limit our access to information. Technology has moved too fast for copyright laws to keep pace, so corporations have been exploiting the lag to create information monopolies at our expense and for their profit. [...] It hasn’t always been that way. Copyright laws were originally designed to protect creativity and promote innovation. But now, they are doing exactly the opposite: They’re being used to keep independent shops from fixing new cars. They’re making it almost impossible for farmers to maintain their equipment. And [...] they’re preventing regular people from unlocking their own cellphones. »

Hat die Einschaltquote ausgedient?

Gleich nochmal aus «Wired»: Während Schweizer Fernsehsender ihre ganz eigenen Probleme mit den Einschaltquoten haben, achten amerikanische Sender heute schon auf andere Werte als bloss die Zuschauerzahlen. Weil das Messsystem «Nielsen Ratings» den Fernsehkonsum per Tablet und Smartphone, per Streaming-Anbieter wie Netflix oder Hulu nicht abbilden, werden plötzlich Twitter-Follower und Internet-Einträge wichtig, um den Erfolg einer Sendung zu messen, erklärt Tom Vanderbilt:

« It all adds up to a potentially thrilling new era for television, one that values shows that spark conversations, not just those that hook us for 30 minutes. The stakes are high: Get it right and great programming will continue to thrive. Get it wrong and the $70 billion television industry is in jeopardy—and so is your favorite show. »

Piraten schaden Musikverkäufen nicht

Geht es nach dem Institut für technologische Zukunftsforschung (IPTS), das zum Wissenschaftsdienst der EU-Kommission gehört, dann muss sich die Musikindustrie einen neuen Lieblingsfeind suchen: Denn laut einer neuen IPTS-Studie hat Online-Piraterie keinen negativen Einfluss auf den digitalen Verkauf von Musik. Besser noch verhält es sich mit Musik-Streaming, das laut Studie die Musikverkäufe sogar fördert:

« It seems that the majority of the music that is consumed illegally by the individuals in our sample would not have been purchased if illegal downloading websites were not available to them. The complementarity effect of online streaming is found to be somewhat larger, suggesting a stimulating effect of this activity on the sales of digital music. »

Jungfrau in Nöten

Schon von vorletzter Woche, aber (un)passend zum aktuellen «Tomb Raider»-Game-Tipp: Anita Sarkeesian hat die erste Ausgabe ihrer «Tropes vs Women in Video Games»-YouTube-Serie online gestellt. Wir erinnern uns: Nachdem Sarkeesian auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter 6000 Dollar für ihr Projekt gesucht hatte, wurde die YouTube-Seite der knapp 30-Jährigen von wüsten Beschimpfungen und Drohungen überschwemmt. Nicht wenige männliche Gamer schienen nicht verkraften zu können, dass jemand ihren liebsten Zeitvertreib einer feministischen Kritik unterziehen wollte. Resultat: Statt 6000 Dollar sammelte Sarkeesian schliesslich 158'922 Dollar und erklärt nun auf YouTube, warum Frauen als Game-Figuren lieber auf einen Retter warten, als selbst aktiv zu werden:

« This video explores how the Damsel in Distress became one of the most widely used gendered clichés in the history of gaming and why the trope has been core to the popularization and development of the medium itself. As a trope the Damsel in Distress is a plot device in which a female character is placed in a perilous situation from which she cannot escape on her own and must then be rescued by a male character, usually providing a core incentive or motivation for the protagonist's quest. »