Sony gewinnt nächste Konsolengeneration, finden Gamer vorschnell

Nach der Electronic Entertainment Expo in Los Angeles sind sich die Gamer einig: Sony habe mit der Playstation 4 die Xbox One von Microsoft klar geschlagen. Ist die nächste Generation der Konsolen schon entschieden? Das ist etwas voreilig.

«Let's focus on the positive things of Microsoft's presser. The hall was full of breathable air. They made it really, really easy to decide which console to buy.»

Bildlegende: Webcomic «Penny Arcade» spitzt die Gamer-Meinung zu: Microsoft habe den Konsolen-Entscheid leicht gemacht. Penny Arcade

Playstation 4 als Radiergummi

Bildlegende: Andrew House von Sony zeigt die PlayStation 4. Jae C. Hong/Keystone

Die diesjährige «Electronic Entertainment Expo» (E3) stand ganz im Zeichen der nächsten Konsolen-Generation. Sony hatte im Februar schon vorgelegt und die «Playstation 4» vorgestellt – allerdings gab es noch kein Gerät zu sehen. Microsoft zog im Mai nach und zeigte die «Xbox One» – sprach in der Präsentation allerdings mehr über Fernsehen als über Games.

Nun traten Sony und Microsoft an der E3 direkt gegeneinander an und versuchten, die Gunst der Fachjournalisten und Gamer zu gewinnen. Liest man die Reaktionen in Blogs und Foren, ist das Resultat klar: Die Playstation 4 hat die Nase vorn.

Welche ist günstiger?

Während sich beide Unternehmen noch nicht auf präzise Erscheinungstermine festlegen wollten (Playstation 4: «Weihnachten», Xbox One: «November»), wurden die Preise festgelegt. In Europa wird die Playstation 4 €400 kosten, die Xbox One €500. (Schweizer Preise sind bisher nicht bekannt.) Auch wenn die Xbox One mit einer Kinect-Kamera verkauft wird, während bei der Playstation 4 keine Kamera inbegriffen ist: Der günstigere Preis der Playstation 4 wird insbesondere auch für Kunden mit wenig Detailkenntnissen ein wichtiges Argument sein.

Welche ist «für Gamer»?

Die Playstation 4 und ihrere Peripherie im Schaufenster.

Bildlegende: Konsole, Kontroller und Kamera der PlayStation 4. MICHAEL NELSON/Keystone

Für den informierten Gamer spielt darüber hinaus aber auch für die Tonalität der beiden Präsentationen im Februar respektive Mai eine Rolle. Microsoft schwärmte lange vom Football der NFL und Skype und positionierte die Xbox One als ein Gerät, mit dem sich fernsehen und kommunizieren und, ach ja, auch spielen lässt. Sony dagegen präsentierte die Playstation 4 als reinrassige Game-Maschine, was bei den Gamern naturgemäss besser ankam.

Welche schränkt mehr ein?

Am meisten ins Gewicht fallen aber die Einschränkungen, die sich Gamer auf der Xbox One gefallen lassen müssen. Dass sie zu Protestgeheul führen würden, durfte bei Microsoft niemanden überraschen. Die PR-Abteilung hatte wohl die Hoffnung, die unangenehmen Details einige Wochen vor der E3 hinter sich zu bringen und sie dann mit tollen Spiel-Präsentationen an der E3 in den Hintergrund zu drängen. Das gelang nicht, vor allem auch, weil Sony die Steilvorlage dankend aufnahm und stolz den Gamern genau das sagte, was sie hören wollten: Bei uns auf der Playstation 4 gibt es all diese Einschränkungen nicht.

Phil Harrison vor einer grünen Xbox One Folie.

Bildlegende: An der E3 spricht Phil Harrison von Microsoft über die Xbox One. Michael Nelson/Keystone

Worum geht es? Auf der Xbox One wird jedes Spiel an den Xbox-Box-Live-Account gebunden sein. Mit diesem Account muss man sich einloggen, um spielen zu können. Zwar reicht ein «nach Hause telefonieren» für die nächsten 24 Stunden aus – doch eine schlechte Internet-Verbindung oder ein Problem der entsprechenden Server bei Microsoft könnte das Spielen verhindern. Und zwar unabhängig davon, ob man das Spiel per Download gekauft hat oder auf einer physischen Disk in einem Laden.

Die Verknüpfung der Spiele mit dem persönlichen Account verhindert auch verschiedene andere Nutzungen. Es wird schwieriger, ein Spiel an Freunde auszuleihen oder es weiterzuverkaufen. Microsoft hat präzisiert, dass die konkrete Ausgestaltung dieser Regeln von den Verlegern abhängt und auch gleich versprochen, dass die im eigenen Haus produzierten Spiele weitergegeben und ausgeliehen werden können. Dennoch ist der Second-Hand-Markt und das Teilen in Freundeskreis und Familie eingeschränkt. Und Sammler werden sich fragen müssen, ob ein Xbox-One-Game in einem Jahrzehnt überhaupt noch spielbar ist.

Nutzen statt besitzen

Da Sony all diese Einschränkungen explizit ausgeschlossen hat, ist für viele Gamer nun klar, dass sie sich eine Playstation 4 statt einer Xbox One kaufen wollen. Im kommenden Weihnachtsgeschäft muss sich Microsoft deshalb auf einen zweiten Platz einstellen. Dass deswegen Sony die nächste Konsolen-Generation schon gewonnen hätte, wäre allerdings ein voreiliger Schluss.

Gut gefüllte Halle im grünen Licht.

Bildlegende: Die Microsoft-Pressekonferenz im Galen Center in Los Angeles. Casey Rodgers/Keystone

Denn die Content-Industrie bewegt sich schon länger weg vom Prinzip, dass wir digitale Inhalte kaufen und danach besitzen. Und hin zu Systemen, die uns stattdessen eine Lizenz und damit eingeschränkte Rechte zugestehen. Faktisch werden wir auch Spiele immer seltener besitzen, sondern lediglich nutzen dürfen.

Die Musik-Industrie musste zwar Kopierschutzsysteme aufgeben, widerwillig unter dem Druck der Konsumenten. Doch Streaming-Dienste gewinnen Fahrt und zeigen genau diesen Paradigmenwechsel an: Wir besitzen Musik nicht mehr, sondern lizenzieren sie für eine bestimmte Zeit.

Auch im Buchmarkt gibt es zwar offene Formate, doch Marktführer ist Amazon mit einem System, das an eigene Geräte und den eigenen Vertriebskanal geknüpft ist. Auch hier sind Konsumenten von der Weiterexistenz dieser Konstruktion abhängig.

Bei Filmen und Fernsehserien gibt es keine Inhalte ohne Kopierschutz. Dazu schwenkt die Industrie immer mehr auf Verleih- und Abonnements-Systeme wie Netflix um – ein zeitlich beschränkter Zugriff auf eine Bibliothek von Inhalten.

Und schliesslich sind bei Games jetzt schon Online-Vertriebssysteme erfolgreich; Marktführer Steam wird von Origin (Electronic Arts) oder Uplay (Ubisoft) kopiert. Und auch da sind alle gekauften Spiele an den Fortbestand der Plattform gebunden.

Xbox One: Ein saurer Vorgeschmack der Zukunft?

Dass Microsoft nun entsprechende Systeme für die Xbox One einführt, darf vor diesem Hintergrund nicht überraschen. Zumindest im Moment scheinen die Publisher noch keinen Druck ausgeübt zu haben, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Electronic Arts beispielsweise hat bereits entsprechende Erfahrungen mit dem «Online Pass» gemacht: einem System, das den Weiterverkauf von Spielen einschränken sollte. Electronic Arts hat den «Online Pass» als Fehler bezeichnet und wieder abgeschafft; und soeben auch verneint, die Xbox-One-Einschränkungen gefordert zu haben.

Besucher der E3 zwischen den Ständen von Microsoft und Sony.

Bildlegende: Wer macht das Rennen? Jae C. Hong/Keystone

In zwei, drei Jahren könnte die Situation aber anders aussehen. Die Konsolen-Industrie wird von Smartphones und Tablets stark unter Druck gesetzt. Piraterie wird zumindest als Problem wahrgenommen, und mit stetig steigenden Produktionskosten wird auch das Bedürfnis zunehmen, Vertrieb und Monetisierung stärker zu kontrollieren. Dann wird Microsoft mit der Xbox One eine Plattform bieten können, die solche Möglichkeiten unterstützt.

Wenn dann Inhalte aus diesem Grund vermehrt nur noch auf der Xbox erscheinen, wird Sony entweder nachziehen müssen oder Konsumenten abwandern sehen. Und die Gamer, immer begierig nach neuen Inhalten, müssten dann in den sauren Lizenz-Apfel beissen, ob sie wollen oder nicht.