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Musik-Blog Trauerspiel um «Anti»: Ist Rihanna am Ende?

460. So viele CDs hat Superstar Rihanna letzte Woche in den USA verkauft. Das klingt nach einem totalen Absturz, einer kolossalen Pleite. Ist das der Anfang vom Ende für Rihanna?

Legende: Audio Rihanna feat. Drake «Work» abspielen.
3:37 min

Nein, ist es nicht. Auf den lange propagierten Tod der CD als Musikträger will ich hier gar nicht erst eingehen. Dieses tote Pferd reitet schon lange keiner mehr., Link öffnet in einem neuen Fenster

Ich selber kaufe schon seit Jahren keine CDs mehr. Wie auch der grosse Teil meines Umfelds streame ich die meiste Musik und kaufe ausgewählte Vinyl-Platten. Darum überrascht mich diese Zahl von 460 verkauften CDs überhaupt nicht. Wie aber kommt es dann, dass Rihanna mit ihrem neuen Album «Anti» auf Platz 27 der amerikanischen Billboard Charts, Link öffnet in einem neuen Fenster liegt und gar mit Platin ausgezeichnet wird?

Lächerliche 460 CDs

Um das zu erklären, müssen wir kurz etwas in die komplizierte Welt der Veröffentlichungspolitik eintauchen. Und hier kommen vier Player ins Spiel: Samsung,Tidal, die Billboard Charts und die Amerikanische RIAA (Record Industry Association of America)., Link öffnet in einem neuen Fenster

Laut der RIAA muss ein Album für den Platin-Status eine Million Mal verkauft werden oder 1.5 Millionen Mal müssen mehrere Songs des Albums gestreamt werden. Dagegen sind Rihannas 460 verkaufte CDs geradezu absurd. Aber halt, wir fangen erst richtig an.

Auftritt Samsung und Tidal

Genau da kommt Samsung ins Spiel. Der südkoreanische Konzern kaufte von Rihannas Label über eine Million digitaler Alben. Also jene Zahl, welche für eine Platin-Auszeichnung benötigt wird.

Diese Alben wurden von Mittwoch auf Donnerstag gratis via Tidal (dem Musik-Streaming-Dienst des US Rapstars Jay Z, Link öffnet in einem neuen Fenster) zum Download angeboten. Tidal selbst durfte «Anti» erst ab Donnerstag zum normalen Download-Verkauf anbieten, worauf wiederum über 484'833 Alben heruntergeladen wurden.

Tidal ist die einzige Streaming-Plattform, welche «Anti» in der ersten Woche anbieten darf. Bis letzten Dienstag (02.02.2016) verzeichnete die Plattform 5.6 Millionen komplette Album-Streams. So, und jetzt wird's richtig gut!

Rihannas schlechtester Chart-Einstieg aller Zeiten

Diese Album-Streams via Tidal können aber nicht auf die USA alleine gezählt werden, da Tidal in 44 Lädern verfügbar ist. Darum sind nicht alle Streams in den USA erfolgt. Der RIAA reichen diese Zahlen aber aus, um den Platinstatus für die USA zu vergeben.

In den USA werden neue Alben immer freitags veröffentlicht. Das heisst: Tidal konnte gerade mal die Verkäufe und Streams eines einzigen Tages zur relevanten Chart-Woche rechnen. Und in dieser Woche liegt Rihanna in den USA nun auf Platz 27. Was bei 5.6 Millionen kompletter Album-Streams, über einer Million Direktdownloads via Samsung und den über 400'000 digitalen Albumkäufen von Tidal nicht aufgeht. Rihanna müsste viel weiter vorne platziert sein!

Aber: Im Gegensatz zu der RIAA zählen die Billboard-Charts Verkäufe aus Sponsoring- oder Werbeaktionen nicht zu den offiziellen Verkäufen, auch wenn Samsung die Alben von Rihannas Plattenfirma abgekauft hat. Daher reicht es für Rihanna «nur» auf den 27. Platz der amerikanischen Billboard Charts.

Das Resultat der ganzen Rechnerei?

Alles klar? Qualmt der Kopf? Keine Sorge, meiner tat das auch. Zu viele Player hatten beim Release von «Anti» ihre Finger im Spiel. Für mich zeigt es vor allem eines auf: Wie schwierig es im Streaming-Zeitalter ist, den Erfolg von Musikern und Musikerinnen exakt zu messen.

Und dass in diesem kuriosen Zahlensalat wohl niemand so richtig den Überblick behalten kann. Ich glaube, Rihanna wird das herzlich egal sein. Mit zig Millionen Album-Streams ist «Anti» bereits jetzt, einen Tag vor der weltweiten Veröffentlichung, ein voller Erfolg. Und ich wage sogar eine Prognose: Nach dem wirren Veröffentlichungs-Chaos wird Anti in der nächsten, «normalen» Release-Woche in den USA auf Platz 1 der Charts stehen.

Rihanna am Ende? Pustekuchen!

Autor: Dominique Marcel Iten

Autor: Dominique Marcel Iten

Dominique Marcel Iten ist Musikjournalist der Fachredaktion Musik Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen. Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.

Twitter: @dominique_iten

10 Kommentare

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  • Kommentar von Marvin Sonntag, Aachen
    Bitte vorher besser informieren! Zum einem wurden gerade einmal 4000 Platten verkauft, dass aber in 15 Stunden. Das Album kam an einem Donnerstag raus was untypisch in den USA ist, da der Verkauf von Freitag bis Freitag gezählt wird. Es wird erwartet, dass das Album in der kommenden Woche auf die Eins steigen wird. Vorher besser rechachieren!!
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    1. Antwort von Dominique Marcel Iten
      Lieber Marvin. 1. beziehen sich die Zahlen auf offizielle Datenangaben, und das waren in den USA am Stichtag um die 460. Dass es nur einen Tag im physischen Verkauf war, wird oben im Text erwähnt, wie auch meine Prognose, dass das Album auf die 1 gehen wird. Darum: besser zuerst den Artikel genau lesen, bevor man kommentiert ;)
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  • Kommentar von Luca B, Luzern
    Vinyl kaufen sich nur Hipster und Menschen die zuviel Geld haben um damit vor anderen Hipstern und Menschen mit weniger Geld angeben zu können. Die CD wird noch lange überleben, weil schon um ein vielfaches billiger als "en vogue" pendant.
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  • Kommentar von B. Hauser, Boswil
    Lieber Autor! Ein solchen Schwachsinn habe ich selten gelesen. Wenn die CD ein totes Pferd ist, was ist dann bitte schön die LP??? Mal abgesehen davon, dass absolut kein technischer Grund (man mag es wahrhaben oder nicht, nein LP`s klingen nicht besser) für eine LP spricht und somit nur reines nostalgisches en vogue mit einem schönen grossen Cover ist, dann sollten Sie fairerweise diesen Status wenigstens auch der CD zusprechen können. Zudem brauchen Sie das Wort KEINER, was ja auch Unsinn ist.
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    1. Antwort von Mattia jonathan, Basel
      Die LP ist im Gegensatz zur CD nicht tot, da sie immer mehr den Status als tatsächliches Objekt zum anfassen und anschauen, sprich besitzen, neben der Digitalmusik einnimmt. Immer mehr Bands veröffentlichen statt einer CD eine LP mit Downloadcode. Es gibt die CD noch und sie verschwindet wohl auch nicht so bald, aber die LP ist dabei, ihr gewaltig den Rang abzulaufen. Und das drückte der Autor etwas überspitzt aus. Ich persönlich ziehe die LP der CD aus ästhetischen Gründen vor.
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    2. Antwort von Alexander Hug, Zürich-Seebach
      Die CD ist ein Datenträger. Die LP ist ein Tonträger. Und ja: die LP klingt besser.
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    3. Antwort von Dominique Marcel Iten
      Lieber B. Hauser. Zuerst geht es in diesem Artikel ja gerade nicht um die Diskussion, ob die CD tot ist. Aber: Die LP hat in den letzten 10 Jahren ein bemerkenswertes Revival erlebt. Im Gegensatz zur CD, welche mehr und mehr verschwindet, haben sich Vinyl-Verkäufe in den letzten Jahren oft mehr als verdoppelt. Natürlich stecken hinter dem Vinyl-Revival auch nostalgische und haptische Gedanken. Und viele Musikliebhaber schätzen heute Vinyl gerade, um der «Shuffle»-Mentalität entgegen zu wirken und bewusst Musik zu hören. Ich spreche also nicht von technischer Seite aus, sondern aus der Warte des Konsumenten und Musikfans. Denn ich erlebe, dass gerade bei Vinyl der Hörer wieder aufmerksamer und bewusster Musik hört, während viele Konsumenten im Streaming Songs nicht einmal zu Ende hören. Aber wie gesagt - darum geht es in diesem Blog nicht.
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    4. Antwort von B. Hauser, Boswil
      Werter Herr Iten. Ich finde gut, dass Sie Stellung beziehen. Das von Ihnen erwähnte LP-Revival, ist so viel ich weiss, ist an Verkaufszahlen gemessen im Niemandsland. Ihr Argument, dass Vinyl-Hörer quasi so gegen eine Shuffle Mentalität entgegen wirken wollen, hört sich seltsam an. Bewusster Musik hören mag an und für sich stimmen, nur dies gilt für die CD genauso. Abgesehen davon, ICH bin ein Musikfan und somit ein Konsument. Ich habe LP`s CD`s, keine streams, lade aber alles auf das Apfelding.
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