«Herzvirus» von Bettina Spoerri

«Herzvirus» ist das sensible Porträt einer Mutter aus der Sicht einer Tochter. Inhaltlich berührend, sprachlich überzeugend steht die Geschichte für mehr als für ein privates Schicksal, beschreibt sie doch die Mutter als typische Vertreterin der letzten «voremanzipierten» Frauengeneration.

Bettine Spörri vor einem See.
Bildlegende: Inhaltlich berührend, sprachlich überzeugend: «Herzvirus» von Bettina Spörri. Matthias von Gunten

«Herzvirus» ist die Geschichte der Autorin, die mit über dreissig Jahren Abstand nochmals auf ihre eigenen Kindheitserfahrungen mit ihrer manisch-depressiven Mutter zurückblickt. In erschütternden, feinfühlig erzählten Erinnerungsbildern entwickelt sich das Drama des Lebens einer ungewöhnlichen Frau, die die vieles auf ihre eigene Weise tut, Konventionen missachtet, in Büchern, Musik und Filmen lebt, aber in zwanghaften Gedanken Briefkästen sprengt oder andere Menschen zu vergiften meint. Hintergrund des Romans sind die 1970/80er-Jahre in Basel zwischen Aufbruch und Ernüchterung: die Musik, die Literatur, die Jugendunruhen, die reale Bedrohung durch Umweltkatastrophen und Fast-Katastrophen wie Tschernobyl und Schweizerhalle.

Im Gespräch mit Michael Luisier gibt Bettina Spoerri Auskunft über Hintergründe, Inhalt und Form des Romans und redet über das Verhältnis zwischen erlebtem Leben und dessen Umsetzung in Literatur.

Buchhinweis:
Bettina Spoerri. Herzvirus. braumüller, 2016.

Autor/in: Michael Luisier