Dreiste Verkäufer: Seco reicht Strafklage gegen Talkeasy ein

Wiederholt berichtete «Kassensturz» über die Machenschaften der Telekomfirma Talkeasy: Ihre Verkäufer geben vor, für die Swisscom zu arbeiten und drehen so älteren Menschen Abos an. Nun werden die Behörden aktiv und reichen Strafanklage ein.

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Dreiste Telefonfirma: Jetzt handeln die Behörden

10 min, aus Kassensturz vom 14.10.2014

Am 23. September zeigte «Kassensturz» mit vielen Beispielen, wie dreist Talkeasy-Verkäufer vor allem Senioren neue Verträge aufschwatzen. Nach diesem Bericht haben sich zahlreiche Zuschauer gemeldet. Sie alle fühlen sich von Vertretern der Telefongesellschaft Talkeasy getäuscht.

Wie Ursula K. aus dem Kanton Bern. Ein Herr vereinbarte am Telefon einen Termin mit ihr: «Er sagte, es komme am Nachmittag jemand von der Swisscom und müsse die Leitungen überprüfen. » Der angebliche Swisscom-Mitarbeiter jedoch schien sich nicht für die Leitungen zu interessieren. Rasch lenkte er das Gespräch auf einen Spartarif namens 55plus – dieser sei speziell für Senioren.

«  Ich habe das noch nie erlebt, dass einen jemand so anlügt. »

Ursula K.

«Ich habe das so verstanden, dass es sich um eine andere Abteilung der Swisscom handelt.» Erst später merkte sie: Das war gar kein Swisscom-Mann, das war ein Vertreter der Firma Talkeasy. Sie ärgert sich: «Das ist mir das erste und letzte Mal passiert. Ich habe das noch nie erlebt, dass einen jemand so anlügt.» Ähnlich sind die Schilderungen vieler Betroffener, die sich bei «Kassensturz» meldeten.

«Klare Irreführung und damit unlauteres Verhalten»

«Kassensturz» legte einige Fälle dem Staatssekretariat für Wirtschaft Seco vor. Ausserdem haben sich diverse Betroffene dort gemeldet. So wird das Seco nun aktiv. In einer Medienmitteilung vom 14. Oktober informiert es, dass es gegen die verantwortlichen Personen der Firma Talkeasy eine Strafklage eingereicht habe.

Die Begründung: «Wenn sich jemand fälschlicherweise als Vertreter eines Unternehmens ausgibt, für das er gar nicht tätig ist, liegt nach Auffassung des Seco eine klare Irreführung und damit ein unlauteres Verhalten vor.» Ein weiterer Punkt im Strafantrag: Talkeasy habe Betroffene trotz Sterneintrag im Telefonbuch angerufen, und solche unerwünschten Werbeanrufe seien ebenfalls unlauter, erklärt das Seco.

Stellungnahme des Talkeasy-Chefs fällt aus

Täuschung der Kunden, Missachtung des Sterneintrages: Was sagt die Firma dazu? Bisher sprach Talkeasy von Einzelfällen und sah im Vorgehen der Mitarbeiter kein Fehlverhalten. Der CEO sagte einem Gespräch im «Kassensturz»-Studio bereits zu und wollte zu den Vorwürfen persönlich Stellung nehmen. Heute Nachmittag sagte er den Termin ab. Fredy Scheucher teilte mit, dass er sich aufgrund des hängigen Strafverfahrens noch nicht öffentlich äussern will.

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Studiogespräch mit Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner

3:19 min, aus Kassensturz vom 14.10.2014

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