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Luftreiniger im Test: Sie helfen auch gegen Viren
Aus Kassensturz vom 17.11.2020.
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Corona-Schutzmassnahmen Luftreiniger im Test: Sie helfen auch gegen Viren

Die Geräte filtern Pollen und Tröpfchen sowie Aerosole oder Viren aus der Luft. Doch nicht alle gleich gut.

Die Hersteller von Luftreinigern versprechen Staub, Pollen, Russ, Bakterien, Viren und sogar giftige Schadstoffe aus der Luft zu filtern. Doch der Test zeigt. Das Werbeversprechen ist zu vollmundig. Nur zwei der zehn getesteten Luftreiniger schneiden gut ab.

Testtabelle

Testtabelle

Hier geht es zu den detaillierten Testresultaten.

«Kassensturz» und das Magazin «Gesundheitstipp» liessen zehn Luftreiniger im Institut für Energie- und Umwelttechnik (IUTA) im deutschen Duisburg testen. Experten prüften in einem zwölf Quadratmeter grossen, luftdichten Raum, wie gut die Geräte die Luft reinigen.

Laborantin mit Gerät in rotbeleuchtetem Raum
Legende: Das Institut für Energie- und Umwelttechnik IUTA in Duisburg prüfte die Geräte in einem luftdichten Raum mit antistatischer Schutzfolie SRF

Zuerst mit groben Partikeln wie Pollen, Tröpfchen und Allergene. In einem weiteren Test wurde gemessen, wie gut die Luftreiniger sehr kleine Partikel wie Aerosole, Russ und Viren aus der Luft filtern können.

Die Testresultate sind grundsätzlich positiv, sagt Testredaktor Andreas Schildknecht, der für «Kassensturz» und «Gesundheitstipp» den Test betreute.

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Testredaktor Andreas Schildknecht: «Bei gasförmigen Schadstoffen versagen die Geräte.»
Aus Kassensturz vom 17.11.2020.
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Dennoch gibt es Unterschiede. Testsieger mit Note 5,2 und Gesamturteil «gut» ist der Luftreiniger von Xiaomi, gekauft bei Interdiscount für knapp 280 Franken. Ebenfalls Gesamturteil «gut», jedoch mit 499 Franken wesentlich teurer, ist der Luftreiniger von Electrolux.

Grosse Unterschiede bei der Leistung

Diese beiden Geräte können die Luft in einem 20 bis 30 Quadratmeter grossen Raum in nur 20 Minuten fast komplett reinigen. Kleinere Geräte reinigen in derselben Zeit weniger Luftvolumen. Das heisst: Diese sind nur für kleinere Räume geeignet. Die eingebauten Filter sind aber bei allen Geräten vergleichbar und diesbezüglich gut.

Schwach bei Schadstoffen

Die getesteten Luftreiniger wirken jedoch kaum gegen flüchtige Schadstoffe wie beispielsweise Formaldehyd, das aus Farbanstrichen, neuen Möbeln oder Bodenbelägen entweichen kann. Formaldehyd ist ein Gas, das unter anderem die Schleimhaut, Augen und oberen Atemwege reizen kann. Grund für das schlechte Abschneiden: Die Filter sind meisten sind zu wenig dick, oder die Aktivkohleschicht ist zu grob.

Grauer, zylinderförmiger Filter
Legende: Nach einer bestimmten Betriebszeit muss das engmaschige Fasernetz, der sogenannte Hepa-Filter, ausgewechselt werden. Ansonsten verliert er seine Wirkung. SRF

Filter regelmässig wechseln

Nach einer bestimmten Betriebszeit muss das engmaschige Fasernetz, der sogenannte Hepa-Filter ausgewechselt werden. Je nach Nutzung und Luftverschmutzung halten die Filter laut Herstellern sechs Monate bis zwei Jahre, sagt Testredaktor Andreas Schildknecht: «Die Lebensdauer ist abhängig davon, wie stark man Schadstoffe produziert. Ein starker Raucher muss den Filter häufiger wechseln als jemand, der zu Hause viele Pflanzen hat und oft lüftet.»

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Studiogespräch mit Ernest Weingartner von der Fachhochschule Nordwestschweiz (Teil 2)
Aus Kassensturz vom 17.11.2020.
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Tipps zum Kauf einens Luftreinigers

Im «Kassensturz-Studio gab Ernest Weingartner, Professor für Sensortechnik, Auskunft zu den wichtigsten Fragen:

Ist ein solches Gerät besser als lüften? Es ist eine weitere Massnahme. Wenn der Luftreiniger auch kleine Partikel (1 Mikrometer) in einer hohen Rate aufhält und eine gute Durchlaufzeit hat, also möglichst viel Luft in kurzer Zeit säubert, kann es einen Beitrag leisten und eine Wirkung haben wie lüften.

Für wen ist ein solches Gerät Sinn? Es eignet sich beispielsweise für ein kleines, schlecht lüftbares Büro mit zwei Personen. Hier kann ein Luftreinigungsgerät sicher helfen. Aber immer nur zusätzlich zu den übrigen Massnahmen wie Hände waschen, Abstandhalten und Masken tragen.

Kann die Familie mit einem solchen Gerät zusammen Weihnachten feiern? Es bietet keinen 100-prozentigen Schutz. Ist ein Risikopatient im Raum, kann man nicht nur auf dieses Gerät bauen. Vorsicht ist geboten.

Auf vielen Geräten stehen beeindruckende Zahlen: Zum Beispiel «99,2 % der Partikel werden entfernt». Ist das so? Auch das ist mit Vorsicht zu geniessen. Es sagt nicht aus, welche Partikelgrösse gemeint ist. Ausserdem ist nicht berücksichtig, wie hoch der Durchsatz ist. Wenn die Luft langsam gefiltert wird, nützt diese hohe Zahl nichts.

Welche Zahl ist aussagekräftiger? Das ist der CADR-Wert. Dieser sollte über 500 sein. Das heisst, dass 500 Kubikmeter pro Stunde gereinigt werden. Das muss allerdings ausbalanciert werden mit der Raumgrösse. Dabei gilt die Empfehlung, dass ein Raum alle zehn Minuten gesäubert wird.

Ausserdem zu beachten beim Kauf:

  • Unbedingt Raumgrösse abklären
  • Grosse Luftreiniger für grosse Räume, kleine für kleine Räume
  • Preise für Ersatzfilter berücksichtigen
  • Preise vergleichen

Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus:

Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus:

Kassensturz, 17.11.2020, 21:05 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Willi Kohler  (3D-science)
    Guten Tag
    Schon eigenartig, das die verschiedenen Filtermöglichkeiten und Stufen vom Experten nicht erklärt werden. Einige Geräte sind mit UVC sehr effektiv.
    SRF setzt selber verschiedene Geräte dieser Art ein.Dies vom kleinen auch mit Accu betriebenen Gerät am Schnittplatz bis zu grossen Wand-Decken-Geräten ein.
    Gerne mehr Angaben im Test (Filterstufen)
    Fazit: Wenn schon Experte, dann gerne mit allen wichtigen Infos.
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    1. Antwort von Herbert Pirks  (AiroDoctor CH)
      Ich teile diese Auffassung. Leider werden Geräte gezeigt und bewertet, welche für die gezeigten Einsatzorte wie Grossraumbüro oder Schulzimmer gar nicht geeignet sind. Die Anmerkung dazu, dass die Geräte für den privaten Gebrauch sind, genügt nicht. Die Technologie macht dann eben auch den entscheidenden Unterschied und es ist ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass namhafte Institutionen wie das Bundesamt für Strahlenschutz .de von UV-C-Geräten mehr als nur tendenziell abraten. Gute Gesundheit!
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  • Kommentar von Michael Würsch  (MWCH)
    Guten Tag,
    auf dem Bild im Artikel ist der teure Philips AC2889/10 zu sehen. Bei den Testergebnissen steht dieser nicht sondern ein anderes Modell von Philips. Was haben Sie nun getestet?
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    1. Antwort von Redaktion «Kassensturz» (SRF)
      @Michael Würsch. Guten Tag. Das besagte Bild im Artikel ist ein Symbolbild aus dem Testlabor. Tatsächlich sieht man dort einen Luftreiniger, de nicht getestet wurde. Mit im Test war definitiv das Philips-Modell 800AC. Sorry für die Verwirrung.
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  • Kommentar von René Freiermuth  (rfe)
    Ihre Empfehlungen sind fragwürdig und unprofessionell.
    Hepa-Filter sind zu grob
    Bei filterbasierten Reinigungsgeräten liegt das Problem darin, dass das Virus selbst zu klein ist, um zuverlässig abgefangen zu werden. Hepa-Filter können Partikel bis zu 0,3 Mikrometer abfangen. Der Durchmesser von Sars-CoV-2 beträgt allerdings nur rund 0,1 Mikrometer. (Erin Sorrell, Mikrobiologin vom Georgetown Center for Global Health Science and Security).
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    1. Antwort von Redaktion «Kassensturz» (SRF)
      @René Freiermuth: Hallo Herr Freimuth. Aerosol-Experte Ernest Weingartner sagt folgendes dazu: «Hepa Filter sind nicht «zu grob». Sie sind speziell ausgelegt, um feine Partikel mit Durchmessern zwischen 0,1 bis 0,3 Mikrometer effizient abzuscheiden. Dieser Grössenbereich ist am schwersten zu filtern. Je nach Hepa-Filterklasse beträgt die Abscheideeffizienz > 99%. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Schwebstofffilter Kleinere Partikel lassen sich durch ihre erhöhte Diffusion noch besser abscheiden. Und Grössere auch: da kommt Impaktion und Interseption an den Fasern zum Tragen. Die Aussage, dass Hepa.Filter die Partikel kleiner 0.3 Mikrometer nicht filtern können, ist falsch. Es ist richtig, dass der «nackte» Virus um die 140 nm gross ist. Hepa-Filter können diesen zweifelsfrei filtern. Es gilt noch zu bedenken, dass er beim Ausatmen mit Mucus (Lungenschleim) und Wasser bedeckt ist und damit in einer breiten Grösserverteilung untergebracht ist (was das Filtern noch zusätzlich erleichtert).»
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    2. Antwort von Andreas Schildknecht  (Andreas Schildknecht)
      Die geltenden Branchennormen der Hersteller decken den Grössenbereich für Viren tatsächlich nicht ab. Aber: Wir haben die Geräte bewusst strenger geprüft. Wir konnten messen, dass auch Partikel im Grössenbereich von 30 bis 300 Nanometern herausgefiltert werden. Dafür wurde ein spezielles Messgerät verwendet. Zudem: Die meisten Viren schweben nicht frei in der Luft. Sie kleben an grösseren Schleim- und anderen Partikeln. Andreas Schildknecht, Leiter Testredaktion K-Tipp/Gesundheitstipp/Saldo
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    3. Antwort von Herbert Pirks  (AiroDoctor CH)
      Absolut einverstanden! Diese Billiggeräte offenbaren teilweise eine Aufbauweise, welche kontraproduktiv zum gewünschten Effekt sind. Die Luftzufuhr ist oft nicht hermetisch abgedichtet und damit ungenügend kanalisiert. Die Geräte verwirbeln ungefilterte Luft sowie wie richtig hier erwähnt auch ohne Wirkung die Kleinstpartikel, welche gar nicht im HEPA-Filter hängen bleiben. Vom empfohlenen CADR (Luftmenge)-Wert von 500 Kubikmetern pro Stunde sind alle getesteten Geräte meilenweit entfernt.
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