Migros wegen Bienenschutz-Versprechen in der Kritik

Die Migros verspricht, sie verkaufe keine Pflanzenschutzmittel, die Bienen gefährden. Das stimmt so nicht – die Lauterkeitskommission will die Migros deshalb zurückpfeifen.

Es ist eines der sogenannten «Generation-M-Versprechen», welche die Migros im Rahmen ihres Nachhaltigkeitsprogramms gegeben hat: «Wir versprechen Noah, ab Ende 2014 nur noch Insekten- und Pflanzenschutzmittel anzubieten, die Bienen nicht gefährden.»

Die Migros sagt, dieses Versprechen sei eingelöst. Wer sich jedoch in diesen Tagen auf der Internetseite der Migros über das Versprechen informieren will, läuft ins Leere – die Migros hat entscheidende Passagen dazu entfernt.

Hintergrund ist ein noch nicht offiziell publizierter Entscheid der Schweizerischen Lauterkeitskommission (SLK), die sich für Fairness in der Werbung einsetzt. In dem Entscheid, der in einem Online-Kundenforum der Migros auffindbar ist, kritisiert die SLK, das Bienenschutz-Versprechen der Migros sei nicht eingehalten.

Sie empfiehlt der Migros, «auf die Verwendung der beanstandeten Aussage zu verzichten, solange sie nicht den Tatsachen entspricht».

Migros sieht Versprechen eingelöst

Tatsächlich verkauft die Migros trotz Versprechen weiterhin Produkte, die laut dem Bundesamt für Landwirtschaft für Bienen gefährlich sind. Unter anderem den «Mioplant Spray gegen Schädlinge». Dennoch beharrt die Detailhändlerin gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1 darauf, das Versprechen sei «erfolgreich eingelöst».

Migros begründet, sie habe sich bei der Abgabe des Versprechens auf einen Greenpeace-Bericht aus dem Jahr 2013 bezogen. «In dieser Studie erwähnt Greenpeace sieben Wirkstoffe mit einer bienenschädlichen Wirkung. Die Migros führte ursprünglich zehn Produkte, die diese Wirkstoffe beinhaltet haben. Diese Produkte wurden vollständig liquidiert oder umgestellt und das Versprechen somit erfüllt.»

Lauterkeitskommission bezeichnet Aussage als unlauter

Die Lauterkeitskommission sieht das anders. Aufgrund der Kommunikation der Migros dürften Konsumenten erwarten, dass keine bienenschädlichen oder bienengefährlichen Inhaltsstoffe mehr verwendet würden. Sie müssten «sich nicht mit technischen Einzelheiten, gesetzlichen Vorgaben und Studien von NGOs auseinandersetzen, um die Wahrheit einer Werbeaussage beurteilen zu können.»

Weiter hält die SLK fest: «Die Tatsache, dass Insekten- und Pflanzenschutzmittel der Beschwerdegegnerin (Migros, Anm. d. Red.) im Jahre 2016 bienengefährdende Stoffe beinhalten, macht die […] Aussage zu einer unlauteren Aussage.»

Aussage wird überarbeitet

Zum Entscheid der Lauterkeitskommission läuft noch eine Rekursfrist. Jedoch führt die Migros gegenüber «Espresso» weiter aus, sie nehme den Entscheid «zu Kenntnis». Man überprüfe aktuell die Kommunikation und habe die beanstandeten Passagen vorsorglich von der Website entfernt. «Wir prüfen, wie wir diese Passagen noch klarer formulieren können und noch deutlicher machen können, worauf wir uns zum Zeitpunkt der Versprechens-Abgabe bezogen haben.»

Die Migros schraubt also an der Kommunikation. Die aktuell noch bienengefährlichen Produkte aus den Regalen nehmen – und damit ihr Versprechen vollumfänglich einlösen – will sie offensichtlich nicht.

Für Bienen gefährliches Lambda-Cyhalothrin

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1 Million vergifteter Bienen im Emmental

3:16 min, aus Schweiz aktuell vom 1.5.2014

Bei der Kritik am Migros-Versprechen geht es unter anderem um das Insektizid Lambda-Cyhalothrin. Ein Wirkstoff, der seit mehr als 20 Jahren in der Schweiz als Bestandteil von Pflanzenschutzmitteln zugelassen ist. Nicht nur Migros, auch andere Grossverteiler verkaufen Produkte, die diesen Wirkstoff enthalten.

Tatsächlich ist Lambda-Cyhalothrin in der Greenpeace-Studie, auf welche sich die Migros nach eigenen Angaben bei ihrem Versprechen bezogen hat, nicht als bienengefährlich aufgeführt. Mittlerweile hat Greenpeace ihre Haltung jedoch geändert.

Sprecher Yves Zenger sagt: «Unterdessen liegen neue wissenschaftliche Erkenntnisse vor, weshalb Greenpeace auch Lambda-Cyhalothrin als bienengefährlich einstuft.» Laut dem Bundesamt für Landwirtschaft muss der Wirkstoff seit 2014 als bienengefährlich gekennzeichnet werden.

So wenden Sie für Bienen gefährliche Produkte richtig an

Für Bienen gefährliche Pflanzenschutzmittel müssen als solche gekennzeichnet sein. Zum Beispiel mit dem Hinweis «Spe8». Solche Produkte dürfen nur am Abend auf blühende Pflanzen gesprüht werden - also ausserhalb der Bienenflugzeiten. In geschlossenen Gewächshäusern dürfen die Produkte auch tagsüber eingesetzt werden, sofern sich darin keine Bienen befinden.
Falls Sie Insektizide oder Herbizide einsetzen wollen oder müssen, fragen Sie im Geschäft nach Produkten, die nicht bienengefährlich sind. Allerdings muss auch der Einsatz von Alternativen gut überlegt sein. Das Bundesamt für Landwirtschaft sagt, Alternativprodukte könnten für Bienen zwar weniger giftig sein, dafür aber für andere «Nichtziel-Organismen» umso giftiger.

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